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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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==Autor==
 
==Autor==
August Strindberg wurde am 22. Januar 1849 in Stockholm geboren und ist dort am 14. Mai 1912 gestorben. Er zählt zu den bedeutendsten schwedischen Schriftstellern und hat mit seinem umfassenden Dramenwerk auf die Entwicklung von Drama und Theater im 20. Jahrhundert nachhaltig und entscheidend eingewirkt. Insbesondere die von ihm in Dramen wie ''Till Damaskus'' ''I–III ''(1898–1904, dt. ''Nach Damaskus''),'' Ett drömspel ''(1901) und ''Stora landsvägen'' (1909, dt. ''Auf der großen Landstraße'') entwickelte Form des Stationendramas wurde für die expressionistische Dramatik charakteristisch. Neben der Schriftstellerei betrieb Strindberg umfassende naturwissenschaftliche Studien und beschäftigte sich intensiv mit Fotografie und Malerei sowie Mystik, Okkultismus und Alchemie, was vor allem auf sein späteres Werk ab der Jahrhundertwende Einfluss nahm.
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August Strindberg wurde am 22. Januar 1849 in Stockholm geboren und ist dort am 14. Mai 1912 gestorben. Er zählt zu den bedeutendsten schwedischen Schriftstellern und hat mit seinem umfassenden Dramenwerk auf die Entwicklung von Drama und Theater im 20. Jahrhundert nachhaltig eingewirkt. Insbesondere die von ihm in Dramen wie ''Till Damaskus'' ''I–III ''(1898–1904, dt. ''Nach Damaskus''),'' Ett drömspel ''(1901) und ''Stora landsvägen'' (1909, dt. ''Auf der großen Landstraße'') entwickelte Form des Stationendramas wurde für die expressionistische Dramatik zum maßgeblichen Vorbild. Neben der Schriftstellerei betrieb Strindberg umfassende naturwissenschaftliche Studien und beschäftigte sich intensiv mit Fotografie und Malerei sowie Mystik, Okkultismus und Alchemie, was vor allem auf sein späteres Werk ab der Jahrhundertwende Einfluss nahm.
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==''Ett drömspel''==
 
==''Ett drömspel''==
 
===Inhalt und Form===
 
===Inhalt und Form===
''Ett drömspel'' handelt vom Abstieg der Gottestochter Agnes auf die Erde und ihrem Aufenthalt dort. In einem im Jahr 1906 nachträglich anlässlich der Uraufführung verfassten Vorspiel wird der Grund für Agnes‘ Abstieg auf die Erde erläutert: Ihr Vater Indra hat sie damit beauftragt, herauszufinden, ob die Menschen zu Recht über ihr Leben und ihre Existenz auf der Erde klagen. Auf ihrer Reise ist Agnes sowohl Betrachtende des menschlichen Lebens bzw. Leidens, als auch unmittelbar daran Teilhabende. Zu Beginn ihrer Reise befreit sie beispielsweise einen Offizier aus einem aus dem Boden wachsenden Schloss und beobachtet im Anschluss, wie dieser offenbar jahrelang vergeblich vor einem Theater auf und ab geht und auf seine Angebetete, eine Schauspielerin, wartet. Am menschlichen Leben selbst teil hat Agnes, als sie einen Advokaten heiratet und eine eigene Familie gründet. Enttäuscht von der Armut, dem Schmutz und der drückenden Enge dieses Lebens, verlässt Agnes ihre Familie. Angesichts des von ihr wiederholt beobachteten und auch selbst erlebten Leidens am Dasein kommt sie schnell zu der von ihr im Laufe ihres Aufenthaltes auf der Erde noch häufig wiederholten Feststellung „Es ist schade um die Menschen.“ (TS 19)
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''Ett drömspel'' handelt vom Abstieg der Gottestochter Agnes auf die Erde und ihrem Aufenthalt dort. In einem im Jahr 1906 nachträglich anlässlich der Uraufführung verfassten Vorspiel wird der Grund für Agnes‘ Abstieg auf die Erde erläutert: Ihr Vater Indra hat sie damit beauftragt herauszufinden, ob die Menschen zu Recht über ihr Leben und ihre Existenz auf der Erde klagen. Auf ihrer Reise ist Agnes sowohl Betrachtende des menschlichen Lebens bzw. Leidens, als auch unmittelbar daran Teilhabende. Zu Beginn ihrer Reise befreit sie beispielsweise einen Offizier aus einem aus dem Boden wachsenden Schloss und beobachtet im Anschluss, wie dieser offenbar jahrelang vergeblich vor einem Theater auf und ab geht und auf seine Angebetete, eine Schauspielerin, wartet. Am menschlichen Leben selbst teil hat Agnes, als sie einen Advokaten heiratet und eine eigene Familie gründet. Enttäuscht von der Armut, dem Schmutz und der drückenden Enge dieses Lebens, verlässt Agnes ihre Familie. Angesichts des von ihr wiederholt beobachteten und auch selbst erlebten Leidens am Dasein kommt sie schnell zu der von ihr im Laufe ihres Aufenthaltes auf der Erde noch häufig wiederholten Feststellung „Es ist schade um die Menschen.“ (TS 19)
    
Neben einigen im Stück vorkommenden traumhaft-surrealen Elementen (das prägnanteste von ihnen ist das wachsende Schloss, vor dem Agnes ihre Reise beginnt und in das sie am Ende ihrer Reise wieder eintritt, während dieses in Flammen aufgeht), verweisen vor allem der Titel sowie eine dem Stück vorangestellte und mit ‚Erinran‘ (Erinnerung) überschriebene Vorbemerkung auf den Traumcharakter des Stückes. Der erste Satz dieser Vorbemerkung macht auf die Programmatik aufmerksam, die dem Stück zugrunde liegt: „Im Anschluß an sein früheres Traumspiel ''Nach Damaskus'' hat der Verfasser in diesem Traumspiel versucht, die unzusammenhängende, doch scheinbar logische Form des Traumes nachzubilden.“ (TS 7) Diese Traumform spiegelt sich in der Form des Stationendramas wider, das sich auf formaler Ebene durch die lose, nicht zwangsläufig kausale Aneinanderreihung einzelner Szenen und Bilder auszeichnet und so die für einen Traum typischen Handlungsinkohärenzen, abrupten Ortswechsel und auch seine besondere Zeitlichkeit zu repräsentieren vermag.
 
Neben einigen im Stück vorkommenden traumhaft-surrealen Elementen (das prägnanteste von ihnen ist das wachsende Schloss, vor dem Agnes ihre Reise beginnt und in das sie am Ende ihrer Reise wieder eintritt, während dieses in Flammen aufgeht), verweisen vor allem der Titel sowie eine dem Stück vorangestellte und mit ‚Erinran‘ (Erinnerung) überschriebene Vorbemerkung auf den Traumcharakter des Stückes. Der erste Satz dieser Vorbemerkung macht auf die Programmatik aufmerksam, die dem Stück zugrunde liegt: „Im Anschluß an sein früheres Traumspiel ''Nach Damaskus'' hat der Verfasser in diesem Traumspiel versucht, die unzusammenhängende, doch scheinbar logische Form des Traumes nachzubilden.“ (TS 7) Diese Traumform spiegelt sich in der Form des Stationendramas wider, das sich auf formaler Ebene durch die lose, nicht zwangsläufig kausale Aneinanderreihung einzelner Szenen und Bilder auszeichnet und so die für einen Traum typischen Handlungsinkohärenzen, abrupten Ortswechsel und auch seine besondere Zeitlichkeit zu repräsentieren vermag.
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<div style="text-align: right;">[[Autoren|KH]]</div>
 
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==Literatur==
 
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* Strindberg, August: Kronbruden. Svanevit. Ett drömspel. Stockholm: Gernandt 1902. (= Erstausgabe)
 
* Strindberg, August: Kronbruden. Svanevit. Ett drömspel. Stockholm: Gernandt 1902. (= Erstausgabe)
 
* Strindberg, August: Samlade Skrifter. Hg. v. John Landquist. 55 Bde. Stockholm 1912–1921 (= Gesamtausgabe)
 
* Strindberg, August: Samlade Skrifter. Hg. v. John Landquist. 55 Bde. Stockholm 1912–1921 (= Gesamtausgabe)
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* Strindberg, August: Briefe an Emil Schering. Strindbergs Werke, Abt. 8, Briefe, Bd. 3. München: Georg Müller 1924.
 
* Strindberg, August: Briefe an Emil Schering. Strindbergs Werke, Abt. 8, Briefe, Bd. 3. München: Georg Müller 1924.
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* Strindberg, August: Ein Traumspiel. Deutsch von Peter Weiss. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1963. (= zitierte Ausgabe, zitiert als TS)
 
* Strindberg, August: Ein Traumspiel. Deutsch von Peter Weiss. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1963. (= zitierte Ausgabe, zitiert als TS)
 
* Strindberg, August: Ein Traumspiel. Übersetzt von Christl Hildebrandt. Nachwort von Joachim Grage. Stuttgart: Reclam 2013.
 
* Strindberg, August: Ein Traumspiel. Übersetzt von Christl Hildebrandt. Nachwort von Joachim Grage. Stuttgart: Reclam 2013.
         
===Forschungsliteratur===
 
===Forschungsliteratur===
* Bark, Richard: Strindberg’s Dream-Play Technique. In: Göran Stockenström (Hg.): Strindberg’s Dramaturgy. Minneapolis: University of Minnesota Press 1988, S. 89–106.
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* Bark, Richard: Strindberg’s Dream-Play Technique. In: Göran Stockenström (Hg.): Strindberg’s Dramaturgy. Minneapolis: University of Minnesota Press 1988, 89–106.
* Bergman, Bo: Stindbergs ''Traumspiel''. In: Hans-Peter Bayerdörfer / Hans Otto Horch / Georg-Michael Schulz: Strindberg auf der deutschen Bühne. Eine exemplarische Rezeptionsgeschichte der Moderne in Dokumenten (1890 bis 1925). Neumünster: Karl Wachholtz Verlag 1983, S. 179–181. [erstmals veröffentlicht in: Die Schaubühne 3, 1 (1907), S. 513/514.]
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* Bergman, Bo: Stindbergs ''Traumspiel''. In: Hans-Peter Bayerdörfer / Hans Otto Horch / Georg-Michael Schulz: Strindberg auf der deutschen Bühne. Eine exemplarische Rezeptionsgeschichte der Moderne in Dokumenten (1890 bis 1925). Neumünster: Karl Wachholtz Verlag 1983, 179–181. [erstmals veröffentlicht in: Die Schaubühne 3, 1 (1907), 513 f.]
 
* Conrad, Bettina: Gelehrtentheater. Bühnenmetaphern in der Wissenschaftsgeschichte zwischen 1870 und 1914. Tübingen: Niemeyer 2004.
 
* Conrad, Bettina: Gelehrtentheater. Bühnenmetaphern in der Wissenschaftsgeschichte zwischen 1870 und 1914. Tübingen: Niemeyer 2004.
 
* Gilman, Richard: The Making of Modern Drama. A study of Büchner, Ibsen, Strindberg, Chekhov, Pirandello, Brecht, Beckett, Handke. New York: Farrar, Straus and Giroux 1974.
 
* Gilman, Richard: The Making of Modern Drama. A study of Büchner, Ibsen, Strindberg, Chekhov, Pirandello, Brecht, Beckett, Handke. New York: Farrar, Straus and Giroux 1974.
 
* Hennig, Gerda: Traumwelten im Spiegel der Dichtung. Jean Paul. Dostojewski. Neval. Strindberg. Frankfurt am Main: R. G. Fischer Verlag 1995.
 
* Hennig, Gerda: Traumwelten im Spiegel der Dichtung. Jean Paul. Dostojewski. Neval. Strindberg. Frankfurt am Main: R. G. Fischer Verlag 1995.
* Hockenjos, Vreni: Phantom, Schein, Traumbild. Zur visuellen Wahrnehmung bei August Strindberg. In: Walter Baumgartner (Hg.): August Strindberg. Der Dichter und die Medien. München: Fink 2003, S. 236–252.
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* Hockenjos, Vreni: Phantom, Schein, Traumbild. Zur visuellen Wahrnehmung bei August Strindberg. In: Walter Baumgartner (Hg.): August Strindberg. Der Dichter und die Medien. München: Fink 2003, 236–252.
* Holm, Ingvar: Theories and Practice in Staging ''A Dream Play''. In: Göran Stockenström (Hg.): Strindberg’s Dramaturgy. Minneapolis: University of Minnesota Press 1988, S. 245–255.
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* Holm, Ingvar: Theories and Practice in Staging ''A Dream Play''. In: Göran Stockenström (Hg.): Strindberg’s Dramaturgy. Minneapolis: University of Minnesota Press 1988, 245–255.
* Landauer, Gustav: Strindbergs Traumspiel. Zur Erstaufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus. Oktober 1918. In: Hans-Peter Bayerdörfer / Hans Otto Horch / Georg-Michael Schulz: Strindberg auf der deutschen Bühne. Eine exemplarische Rezeptionsgeschichte der Moderne in Dokumenten (1890 bis 1925). Neumünster: Karl Wachholtz Verlag 1983, S. 276–290. [erstmals veröffentlicht in: Masken. Halbmonatsschrift des Düsseldorfer Schauspielhauses 14, 4 (1918/19), S. 49–64.]
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* Landauer, Gustav: Strindbergs Traumspiel. Zur Erstaufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus. Oktober 1918. In: Hans-Peter Bayerdörfer / Hans Otto Horch / Georg-Michael Schulz: Strindberg auf der deutschen Bühne. Eine exemplarische Rezeptionsgeschichte der Moderne in Dokumenten (1890 bis 1925). Neumünster: Karl Wachholtz Verlag 1983, 276–290. [erstmals veröffentlicht in: Masken. Halbmonatsschrift des Düsseldorfer Schauspielhauses 14 (1918/19) 4, 49–64.]
 
* Malekin, Theo: Strindberg and the Quest for Sacred Theatre''. ''Amsterdam / New York: Rodopi 2010.
 
* Malekin, Theo: Strindberg and the Quest for Sacred Theatre''. ''Amsterdam / New York: Rodopi 2010.
 
* Müssener, Helmut: August Strindberg. ''Ein Traumspiel''. Struktur- und Stilstudien. Meisenheim am Glan: Verlag Anton Hain 1965.
 
* Müssener, Helmut: August Strindberg. ''Ein Traumspiel''. Struktur- und Stilstudien. Meisenheim am Glan: Verlag Anton Hain 1965.
* Mussari, Mark: „Färg, färg!“ – Strindbergs’s Chromatic Language in ''Ett drömspel''. In: Scandinavian Studies 77 (2005), S. 479–500.
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* Mussari, Mark: „Färg, färg!“ – Strindbergs’s Chromatic Language in ''Ett drömspel''. In: Scandinavian Studies 77 (2005), 479–500.
* Rokem, Freddie: The Camera and the Aesthetics of Repetition: Strindberg’s Use of Space and Scenography in ''Miss Julie, A Dream Play, ''and ''The Ghost Sonata''. In: Göran Stockenström (Hg.): Strindberg’s Dramaturgy. Minneapolis: University of Minnesota Press 1988, S. 107–128.
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* Rokem, Freddie: The Camera and the Aesthetics of Repetition: Strindberg’s Use of Space and Scenography in ''Miss Julie, A Dream Play, ''and ''The Ghost Sonata''. In: Göran Stockenström (Hg.): Strindberg’s Dramaturgy. Minneapolis: University of Minnesota Press 1988, 107–128.
 
* Törnqvist, Egil: Strindbergian Drama. Themes and Structure''. ''Uppsala: Almqvist & Wiksell 1982.
 
* Törnqvist, Egil: Strindbergian Drama. Themes and Structure''. ''Uppsala: Almqvist & Wiksell 1982.
* Törnqvist, Egil: Staging ''A Dream Play''. In: Göran Stockenström (Hg.): Strindberg’s Dramaturgy. Minneapolis: University of Minnesota Press 1988, S. 256–290.
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* Törnqvist, Egil: Staging ''A Dream Play''. In: Göran Stockenström (Hg.): Strindberg’s Dramaturgy. Minneapolis: University of Minnesota Press 1988, 256–290.
* Voilley, Pascale: August Strindberg’s ''A Dream Play'': Day-marks for a Journey in the Clouds. In: Orbis Litterarum 47 (1992), S. 170–177.
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* Voilley, Pascale: August Strindberg’s ''A Dream Play'': Day-marks for a Journey in the Clouds. In: Orbis Litterarum 47 (1992), 170–177.
* Wennerscheid, Sophie: Das Leben, ein Traum? Lust am Schein in Strindbergs ''Traumspiel'' (1902). In: Zeitschrift für Germanistik 18 (2008), S. 87–98.
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* Wennerscheid, Sophie: Das Leben, ein Traum? Lust am Schein in Strindbergs ''Traumspiel'' (1902). In: Zeitschrift für Germanistik 18 (2008), 87–98.
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