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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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== Wie wird die Leiter dargestellt? ==
 
== Wie wird die Leiter dargestellt? ==
Das, worauf die Engel auf- und absteigen, war ursprünglich wohl als Aufstiegsrampe zu einem rechteckigen Tempelturm gedacht, der auf einem Fundament mit solchen Rampen an allen vier Seiten errichtet war (Westermann 1981, 553). Bereits in frühjüdischer und antiker christlicher Auslegung spielt das aber keine Rolle mehr; der Begriff wird selten näher bedacht. Dazu trugen die griechische und die lateinische Übersetzung bei, die an eine Leiter mit Sprossen denken lassen, nicht an eine Treppe mit Treppenstufen. Wird in der Kunstgeschichte die Leiter bisweilen doch als Treppe dargestellt (so u.a. in Jacopo Tintorettos Jakobsleiter-Fresko von 1577 in der Scuola Grande di San Rocco), ist dies wohl eher dem Versuch zuzuschreiben, eine naturalistische Szenerie zu entwerfen (Kauffmann 1970, 375). In jüdischer und christlicher religiöser Literatur begegnen allegorische Auslegungen der Leiter auf die Thora (''Genesis Rabba'' 68,12) oder auf Christus.<ref>Ps.-Beda Venerabilis 1968, PL 93, 333 D; mit Verweis auf Johannes 14,6: "Ich bin der Weg"</ref>  
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[[Datei:Tintoretto_-_Jakobs_Traum.jpg|thumb|right|350x882px|'''Abb. 1''' Jacopo Robusti (il Tintoretto): Sogno di Giacobbe, Öl auf Leinwand, 660 x 265 cm, 1577-1578, Scuola Grande di S. Rocco (Venedig).]] Das, worauf die Engel auf- und absteigen, war ursprünglich wohl als Aufstiegsrampe zu einem rechteckigen Tempelturm gedacht, der auf einem Fundament mit solchen Rampen an allen vier Seiten errichtet war (Westermann 1981, 553). Bereits in frühjüdischer und antiker christlicher Auslegung spielt das aber keine Rolle mehr; der Begriff wird selten näher bedacht. Dazu trugen die griechische und die lateinische Übersetzung bei, die an eine Leiter mit Sprossen denken lassen, nicht an eine Treppe mit Treppenstufen. Wird in der Kunstgeschichte die Leiter bisweilen doch als Treppe dargestellt (so u.a. in Abb. 1 Jacopo Tintorettos Jakobsleiter-Fresko von 1577 in der Scuola Grande di San Rocco), ist dies wohl eher dem Versuch zuzuschreiben, eine naturalistische Szenerie zu entwerfen (Kauffmann 1970, 375). In jüdischer und christlicher religiöser Literatur begegnen allegorische Auslegungen der Leiter auf die Thora (''Genesis Rabba'' 68,12) oder auf Christus.<ref>Ps.-Beda Venerabilis 1968, PL 93, 333 D; mit Verweis auf Johannes 14,6: "Ich bin der Weg"</ref>  
    
== Wer wird auf der Leiter dargestellt? ==
 
== Wer wird auf der Leiter dargestellt? ==
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== Was wird am Ende der Leiter (nicht) sichtbar? ==
 
== Was wird am Ende der Leiter (nicht) sichtbar? ==
Für exegetische jüdische wie christliche Tradition muss es darum gehen, einen Widerspruch zu Exodus 33,23 (Gottes Angesicht kann man nicht sehen) zu vermeiden.  
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[[Datei:Via_Latina_-_Jakobs_Traum.jpg|thumb|right|350x394px|'''Abb. 2''' Der Traum von der Jakobsleiter in den Katakomben der Via Latina.]] Für exegetische jüdische wie christliche Tradition muss es darum gehen, einen Widerspruch zu Exodus 33,23 (Gottes Angesicht kann man nicht sehen) zu vermeiden.  
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Im ''Jubiläenbuch'', einer antiken jüdischen Schrift aus dem 2. Jh. v. Chr., ist es Gott selbst, von dem Jakob träumt (Berger 1981, 27,21); von einer Gottesschau durch den Patriarchen ist aber nicht die Rede! Flavius Josephus spricht dagegen explizit von der Gottesschau.<ref>Clementz 1989, I, 279</ref> In dem Bild des schlafenden Jakob an der Via Latina wird Gott hingegen nicht dargestellt, wie das jüdischen Vorbehalten einer solchen Darstellung gegenüber entspricht (Stemberger 1990 121). Sichtbar werden solche Bedenken z.B. im ''babylonischen Talmud'' : "R[abbi]. Simon ben Lachisch sagte: Wäre es [Genesis 28,13] kein geschriebener Schriftvers, so dürfte man es nicht sagen".<ref>Goldschmidt 1929-36, Traktat Chullin 91b</ref> Auch in christlicher Tradition wird der Verweis auf Ex 33,23 wirksam;<ref>Irenaeus von Lyon 1993, 64 = Demonstratio 45</ref> dass auf der Leiter Christus zu sehen ist, kann aber auch in anderen,<ref>Irenaeus von Lyon 1997, 76 = Adversus haereses IV 10,1</ref> teils problematischen<ref>Justin 1997, 171 = Dialogus 58,11</ref> Zusammenhängen wirksam werden.
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Im ''Jubiläenbuch'', einer antiken jüdischen Schrift aus dem 2. Jh. v. Chr., ist es Gott selbst, von dem Jakob träumt (Berger 1981, 27,21); von einer Gottesschau durch den Patriarchen ist aber nicht die Rede! Flavius Josephus spricht dagegen explizit von der Gottesschau.<ref>Clementz 1989, I, 279</ref> In dem Bild des schlafenden Jakob an der Via Latina, das in Abb. 2 zu sehen ist, wird Gott hingegen nicht dargestellt, wie das jüdische Vorbehalten einer solchen Darstellung gegenüber entspricht (Stemberger 1990 121). Sichtbar werden solche Bedenken z.B. im ''babylonischen Talmud'' : "R[abbi]. Simon ben Lachisch sagte: Wäre es [Genesis 28,13] kein geschriebener Schriftvers, so dürfte man es nicht sagen".<ref>Goldschmidt 1929-36, Traktat Chullin 91b</ref> Auch in christlicher Tradition wird der Verweis auf Ex 33,23 wirksam;<ref>Irenaeus von Lyon 1993, 64 = Demonstratio 45</ref> dass auf der Leiter Christus zu sehen ist, kann aber auch in anderen,<ref>Irenaeus von Lyon 1997, 76 = Adversus haereses IV 10,1</ref> teils problematischen<ref>Justin 1997, 171 = Dialogus 58,11</ref> Zusammenhängen wirksam werden.
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In der Kunstgeschichte kann eine analoge Wahrnehmung der Problematik dann vorliegen, wenn an der Spitze der Leiter das Symbol der Menorah (Sergej Tihomirov, *1965 in Moskau, jetzt in Hannover lebend) oder eine Mehrzahl von Engeln sichtbar wird (Adalbert Trillhaase, 1858–1936, ''Jakobs Traum'') oder die Wolke als Zeichen der verhüllten göttlichen Gegenwart oder ein weißes Licht bzw. ein Lichtstrahl erscheint. In der niederländischen Malerei nach Rembrandt, aber auch in Josepe de Ribera (1591-1652) ''Jakobs'' Traum (1639), ersetzt dieser die Leiter insgesamt (Kauffmann 1970, 375).
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[[Datei:de_Ribera_-_Jakobs_Traum.jpg|thumb|right|350x267px|'''Abb. 3''' José de Ribera: El sueño de Jacob, Öl auf Leinwand, 179 x 233 cm, 1639, Museo del Prado (Madrid).]] In der Kunstgeschichte kann eine analoge Wahrnehmung der Problematik dann vorliegen, wenn an der Spitze der Leiter das Symbol der Menorah (Sergej Tihomirov, *1965 in Moskau, jetzt in Hannover lebend) oder eine Mehrzahl von Engeln sichtbar wird (Adalbert Trillhaase, 1858–1936, ''Jakobs Traum'') oder die Wolke als Zeichen der verhüllten göttlichen Gegenwart oder ein weißes Licht bzw. ein Lichtstrahl erscheint. In der niederländischen Malerei nach Rembrandt, aber auch in der in Abb. 3 zu sehenden Darstellung ''El sueño de Jacob'' (1639) von Josepe de Ribera (1591-1652), ersetzt dieser die Leiter insgesamt (Kauffmann 1970, 375).
    
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