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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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: Nevertheless, I slept soundly; and the whole of my vision — for it was no dream, and no nightmare — arose naturally from the circumstances of my position — from my ordinary bias of thought — and from the difficulty, to which I have alluded, of collecting my senses, and especially of regaining my memory, for a long time after awaking from slumber (PM 268).
 
: Nevertheless, I slept soundly; and the whole of my vision — for it was no dream, and no nightmare — arose naturally from the circumstances of my position — from my ordinary bias of thought — and from the difficulty, to which I have alluded, of collecting my senses, and especially of regaining my memory, for a long time after awaking from slumber (PM 268).
Schlaf und Wachen sind ebenfalls zwei gar nicht so weit auseinanderliegende Oppositionen, denn seine Angst tritt zwar in der Nacht potenziert auf, wirkt aber zudem ins Wachen hinein (vgl. PM 265). Schon tagsüber ist der Erzähler „lost in reveries of death“ (PM 264).
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Schlaf und Wachen sind ebenfalls zwei gar nicht so weit auseinanderliegende Oppositionen, denn die Angst des Erzählers tritt zwar in der Nacht potenziert auf, wirkt aber zudem ins Wachen hinein (vgl. PM 265). Schon tagsüber ist der Erzähler „lost in reveries of death“ (PM 264).
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Gerade in der Darstellung des Alp- oder Angsttraums zeigt sich der für Poe typische dramatische Stil mit vielen Exklamationen und extensiver Zeichensetzung. In noch radikalerer Form findet dieser Modus in der Darstellung der scheinbar ausweglosen Situation des wahrgewordenen Traums Anwendung, ergänzt um Verwendung des Präsens und Anaphern bis hin zum elliptischen Telegrammstil. Physiologische Prozesse des Zu-sich-Kommens werden quälend minutiös wiedergegeben (vgl. PM 267).
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Gerade in der Darstellung des Alp- oder Angsttraums zeigt sich der für Poe typische dramatische Stil mit vielen Exklamationen und extensiver Zeichensetzung. In noch radikalerer Form findet dieser Modus in der Darstellung der scheinbar ausweglosen Situation des wahr gewordenen Traums Anwendung, ergänzt um Verwendung des Präsens und Anaphern bis hin zum elliptischen Telegrammstil. Physiologische Prozesse des Zu-sich-Kommens werden quälend minutiös wiedergegeben (vgl. PM 267).
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Wie bereits angedeutet ist die Funktion des Traums als Vorbereitung des vermeintlich echten Erlebnisses von entscheidender Bedeutung für den Spannungsaufbau der Erzählung. Rückblickend betrachtet ist die narrative Differenzierung zwischen erzählendem und erlebendem Ich ein erster Hinweis auf den positiven Ausgang des Geschehens. Ein weiteres Indiz liegt im kurzfristigen Wechsel des Erzähltempus’ zum Präsens (vgl. PM 266), welches dann wieder vom Präteritum abgelöst und damit deutlicher als vergangen markiert wird.
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Wie bereits angedeutet ist die Funktion des Traums als Vorbereitung des vermeintlich echten Erlebnisses von entscheidender Bedeutung für den Spannungsaufbau der Erzählung. Rückblickend betrachtet ist die narrative Differenzierung zwischen erzählendem und erlebendem Ich ein erster Hinweis auf den positiven Ausgang des Geschehens. Ein weiteres Indiz liegt im kurzfristigen Wechsel des Erzähltempus zum Präsens (vgl. PM 266), welches dann wieder vom Präteritum abgelöst und damit deutlicher als vergangen markiert wird.
    
==Einordnung==
 
==Einordnung==
In der Erzählung nimmt die Todesthematik eine prominente, geradezu dominante, Rolle ein, die sich in der Traumdarstellung potenziert. Das Leitmotiv des nur vermeintlichen Todes lässt sich in wandelbarer Form in weiteren Erzählungen des Autors nachverfolgen, sei es nun als lebendiges Begraben (''The Cask of Amontillado'', ''The Fall of the House of Usher'', ''Berenice''), als mögliche Rückkehr von den Toten (''Ligeia'', ''Morella)'' oder Teil von Mesmerismus (''The Facts in the Case of M. Valdemar''); es verdeutlicht die Ungewissheit der Grenze zwischen Leben und Tod (vgl. Sederholm 2017). Es beschreibt aber auch ein Zeitphänomen, welches sich auch in Vampirfurcht ausdrückte (vgl. Stölzel 2013, 56f.). Auch in Poes Lyrik ist der Tod, meist der einer schönen Frau, omnipräsent (u.a. ''Lenore,'' ''Annabel Lee''). Mabbotts Verweis auf das frühe Gedicht ''A Dream'' (1827) offenbart ein Nacht- und Tagträume paradox bewertendes Werk.
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In der Erzählung nimmt die Todesthematik eine prominente, geradezu dominante, Rolle ein, die sich in der Traumdarstellung potenziert. Das Leitmotiv des nur vermeintlichen Todes lässt sich in wandelbarer Form in weiteren Erzählungen des Autors nachverfolgen, sei es nun als lebendiges Begraben (''The Cask of Amontillado'', ''The Fall of the House of Usher'', ''Berenice''), als mögliche Rückkehr von den Toten (''Ligeia'', ''Morella)'' oder Teil von Mesmerismus (''The Facts in the Case of M. Valdemar''); es verdeutlicht die Ungewissheit der Grenze zwischen Leben und Tod (vgl. Sederholm 2017). Es beschreibt aber auch ein Zeitphänomen, welches sich ebenfalls in Vampirfurcht ausdrückte (vgl. Stölzel 2013, 56f.). Auch in Poes Lyrik ist der Tod, meist der einer schönen Frau, omnipräsent (u.a. ''Lenore,'' ''Annabel Lee''). Mabbotts Verweis auf das frühe Gedicht ''A Dream'' (1827) offenbart ein Nacht- und Tagträume paradox bewertendes Werk.
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Der geschilderte Alptraum, zwar auf den ersten Blick nur eine untergeordnete eingebettete Erzählung, ist nicht nur anschauliches Beispiel für ähnlich schreckliche Alpträume des Ich-Erzählers, sondern auch für die Konstruktion und den Spannungsaufbau der Erzählung im Ganzen von Bedeutung. Er ermöglicht es den Rezipienten erst, anschließend den Schrecken des vermeintlichen Begräbnisses bei lebendigem Leib mitzuerleben. Stilistisch ist die Traumdarstellung stark durchgeformt. Bemerkenswert ist die positive Schlusswendung, die mit wenigen Ausnahmen (dem märchenhaften ''Eleonora, or the Valley of the Many-Colored Grass'') für Poe ungewöhnlich ist. Sie kann als Plädoyer für das Leben und Aufgabe, gar Selbsttherapie (vgl. Zimmerman 2009), von Ängsten gelesen werden, wogegen sie in der Forschung teils als Vermeidungsstrategie des Erzählers (vgl. Sederholm 2017, 3) oder Unzuverlässigkeit (vgl. Carter 2003, 307f.) aufgefasst wird. Gerade der einleitende Teil der Erzählung weist erhöhte Selbstreflexivität auf, da er sich betont mit „truth“ und „fiction“ (vgl. PM 258f.) auseinandersetzt. In diesem Kontext lässt sich, verbunden mit der bewussten Manipulation der Leser, neben einer möglichen Kritik an Sensationslektüre auch Unsicherheit über den Realitätsstatus der Welt als Thema ausmachen, welche Poe bezeichnend in seinem Gedicht ''A Dream Within a Dream'' (1849) ausdrückte.
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Der geschilderte Alptraum, zwar auf den ersten Blick nur eine untergeordnete eingebettete Erzählung, ist nicht nur anschauliches Beispiel für ähnlich schreckliche Alpträume des Ich-Erzählers, sondern auch für die Konstruktion und den Spannungsaufbau der Erzählung im Ganzen von Bedeutung. Er ermöglicht es den Rezipienten erst, anschließend den Schrecken des vermeintlichen Begräbnisses bei lebendigem Leib mitzuerleben. Stilistisch ist die Traumdarstellung stark durchgeformt. Bemerkenswert ist die positive Schlusswendung, die mit wenigen Ausnahmen (dem märchenhaften ''Eleonora, or the Valley of the Many-Colored Grass'') für Poe ungewöhnlich ist. Sie kann als Plädoyer für das Leben und Aufgabe, gar Selbsttherapie (vgl. Zimmerman 2009) von Ängsten gelesen werden, wogegen sie in der Forschung teils als Vermeidungsstrategie des Erzählers (vgl. Sederholm 2017, 3) oder Unzuverlässigkeit (vgl. Carter 2003, 307f.) aufgefasst wird. Gerade der einleitende Teil der Erzählung weist erhöhte Selbstreflexivität auf, da er sich betont mit „truth“ und „fiction“ (vgl. PM 258f.) auseinandersetzt. In diesem Kontext lässt sich, verbunden mit der bewussten Manipulation der Leser, neben einer möglichen Kritik an Sensationslektüre auch Unsicherheit über den Realitätsstatus der Welt als Thema ausmachen, welche Poe bezeichnend in seinem Gedicht ''A Dream Within a Dream'' (1849) ausdrückte.
          
<div style="text-align: right;">Kathrin Neis</div>
 
<div style="text-align: right;">Kathrin Neis</div>
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==Literatur==
 
==Literatur==
 
===Ausgaben/ Quellen===
 
===Ausgaben/ Quellen===
* Poe, Edgar Allan: The Premature Burial. In: The Penguin Complete Tales and Poems of Edgar Allan Poe. 3. Aufl. London: Penguin Books 2011, 258–68. (= als PM zitierte Ausgabe)
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* Poe, Edgar Allan: The Premature Burial. In: The Penguin Complete Tales and Poems of Edgar Allan Poe. 3. Aufl. London: Penguin Books 2011, 258–268 (mit Sigle PM zitierte Ausgabe).
* Poe, Edgar Allan: The Premature Burial. In: Thomas Ollive Mabbott (Hg.): Collected works of Edgar Allan Poe. Vol. 3: Tales and Sketches 1843–1849. Cambridge, Mass.: Belknap Press of Harvard Univ. Press 1978, 953–974. (= englische Werkausgabe, Anmerkungen zitiert als Mabbott)
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* Poe, Edgar Allan: The Premature Burial. In: Edgar Allan Poe: Collected Works. Hg. von Thomas Ollive Mabbott. Bd. 3: Tales and Sketches 1843–1849. Cambridge, Mass.: Belknap Press of Harvard Univ. Press 1978, 953–974. (Anmerkungen daraus zitiert als Mabbott)
* Kuno Schumann (Hg.): Edgar Allan Poe. Das gesamte Werk in zehn Bänden. Übersetzt von Arno Schmidt und Hans Wollschläger. Bd. 3. Herrsching: Pawlak 1979. (= deutsche Werkausgabe)
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* Poe, Edgar Allan: Das gesamte Werk in zehn Bänden. Hg. von Kuno Schumann. Übers. von Arno Schmidt und Hans Wollschläger. Bd. 3. Herrsching: Pawlak 1979, ###-###.
    
===Forschungsliteratur===
 
===Forschungsliteratur===
 
* Alt, Peter-André: Der Schlaf der Vernunft. Literatur und Traum in der Kulturgeschichte der Neuzeit. München: Beck 2002.
 
* Alt, Peter-André: Der Schlaf der Vernunft. Literatur und Traum in der Kulturgeschichte der Neuzeit. München: Beck 2002.
 
* Carter, Steven: The Reader Erect. Edgar Allan Poe’s “The Premature Burial”. In: Studia Anglica Posnaniensia 39 (2003), 303–308; http://hdl.handle.net/10593/18651.
 
* Carter, Steven: The Reader Erect. Edgar Allan Poe’s “The Premature Burial”. In: Studia Anglica Posnaniensia 39 (2003), 303–308; http://hdl.handle.net/10593/18651.
* Durst, Uwe: Theorie der phantastischen Literatur. 2. Aufl. Aktualis., korrig. u. erw. Neuausgabe. Berlin: LIT-Verlag 2010.
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* Durst, Uwe: Theorie der phantastischen Literatur. Aktualis., korrig. u. erw. Neuausgabe. Berlin: LIT-Verlag 2010.
* Fisher, Benjamin F.: Poe and the Gothic Tradition. In: Kevin J. Hayes (Hg.): The Cambridge Companion to Edgar Allan Poe. Cambridge: Cambridge University Press 2004, 72–91.
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* Fisher, Benjamin F.: Poe and the Gothic Tradition. In: Kevin J. Hayes (Hg.): The Cambridge Companion to Edgar Allan Poe. Cambridge, Mass.: Cambridge UP 2004, 72–91.
 
* Kreuzer, Stefanie: Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst. Paderborn: Wilhelm Fink 2014.
 
* Kreuzer, Stefanie: Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst. Paderborn: Wilhelm Fink 2014.
* Sederholm, Karl H.: Bodies Out of Place. Poe, Premature Burial, and The Uncanny. In: FORUM. University of Edinburgh Postgraduate Journal of Culture &amp; the Arts 24: Taboo (2017), 1–8. http://www.forumjournal.org/article/view/1877#?
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* Sederholm, Karl H.: Bodies Out of Place. Poe, Premature Burial, and The Uncanny. In: FORUM. University of Edinburgh Postgraduate Journal of Culture & the Arts 24: Taboo (2017), 1–8. http://www.forumjournal.org/article/view/1877#?
 
* Solte-Gresser, Christiane: Träume (Günter Eich). In: Lexikon Traumkultur. Ein Wiki des Graduiertenkollegs "Europäische Traumkulturen", 2016; http://traumkulturen.uni-saarland.de/Lexikon-Traumkultur/index.php/%22Tr%C3%A4ume%22_(G%C3%BCnter_Eich)
 
* Solte-Gresser, Christiane: Träume (Günter Eich). In: Lexikon Traumkultur. Ein Wiki des Graduiertenkollegs "Europäische Traumkulturen", 2016; http://traumkulturen.uni-saarland.de/Lexikon-Traumkultur/index.php/%22Tr%C3%A4ume%22_(G%C3%BCnter_Eich)
 
* Stölzel, Simone: Nachtmeerfahrten. Die dunkle Seite der Romantik. Berlin: Die Andere Bibliothek 2013.
 
* Stölzel, Simone: Nachtmeerfahrten. Die dunkle Seite der Romantik. Berlin: Die Andere Bibliothek 2013.
* Zimmerman, Brett: Poe as Amateur Psychologist: Flooding Phobias, Psychosomatics, and ''The Premature Burial''. In: Edgar Allan Poe Review 10 (2009), 7–19. http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&amp;AuthType=cookie,ip,uid&amp;db=hlh&amp;AN=42512684&amp;lang=de&amp;site=eds-live&amp;authtype=uid&amp;lang=de
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* Zimmerman, Brett: Poe as Amateur Psychologist: Flooding Phobias, Psychosomatics, and ''The Premature Burial''. In: Edgar Allan Poe Review 10 (2009), 7–19; http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&amp;AuthType=cookie,ip,uid&amp;db=hlh&amp;AN=42512684&amp;lang=de&amp;site=eds-live&amp;authtype=uid&amp;lang=de
    
===Weblinks===
 
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==Anmerkungen==
 
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<references />
 
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[[Kategorie:19._Jahrhundert]]
 
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