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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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==Zum Verhältnis von Film und Traum==
   
Es ist ein spannender Zufall, dass vor etwa 120 Jahren gleich zwei 'Revolutionen' nahezu gleichzeitig stattfanden – eine technologische und eine psychologische: Während sich der Film durch technische Fortschritte (etwa dem Kinematographen) als neues Medium entwickelt, veröffentlicht Sigmund Freud (1856–1939) seine wegweisende ''Traumdeutung'' (vordatiert auf das Jahr 1900) und verändert damit das westliche Verständnis vom nächtlichen Träumen radikal.
 
Es ist ein spannender Zufall, dass vor etwa 120 Jahren gleich zwei 'Revolutionen' nahezu gleichzeitig stattfanden – eine technologische und eine psychologische: Während sich der Film durch technische Fortschritte (etwa dem Kinematographen) als neues Medium entwickelt, veröffentlicht Sigmund Freud (1856–1939) seine wegweisende ''Traumdeutung'' (vordatiert auf das Jahr 1900) und verändert damit das westliche Verständnis vom nächtlichen Träumen radikal.
    
Denn wurden Träume im Jahrhundert zuvor noch häufig als von außen gesandte Botschaften verstanden (denke man etwa an die Figur des 'Nachtmahrs', beispielsweise in Johann Heinrich Füsslis Gemälde von 1781) und dementsprechend prophetisch gedeutet, bestimmen jetzt innerpsychische Vorgänge das diskursive Wissen über dieses mysteriöse nächtliche Phänomen. Dessen stark symbolischer Charakter wird nun als eine hochkreative Verarbeitung des Wachlebens begriffen, was erstmals in dieser Form die unbewussten Vorgänge in der Psyche hervorhebt.
 
Denn wurden Träume im Jahrhundert zuvor noch häufig als von außen gesandte Botschaften verstanden (denke man etwa an die Figur des 'Nachtmahrs', beispielsweise in Johann Heinrich Füsslis Gemälde von 1781) und dementsprechend prophetisch gedeutet, bestimmen jetzt innerpsychische Vorgänge das diskursive Wissen über dieses mysteriöse nächtliche Phänomen. Dessen stark symbolischer Charakter wird nun als eine hochkreative Verarbeitung des Wachlebens begriffen, was erstmals in dieser Form die unbewussten Vorgänge in der Psyche hervorhebt.
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===Ein "Ersatz für die Träume"===
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==Ein "Ersatz für die Träume"==
 
Freuds Schreibzeit in den Jahren vor 1900 ist auch von einer einflussreichen Medienrevolution geprägt, als im Jahr 1895 relativ synchron in Paris (durch die Brüder Auguste und Louis Lumière) und Berlin (durch die Brüder Max und Emil Skladanowsky) erstmals kurze Filmvorführungen stattfinden. Zwar sind diese zunächst aufgrund der technischen Beschränkung nur wenige Sekunden lang und zumeist innerhalb eines Varieté-Programms eingebettet, doch stellen die 'bewegten Bilder' offensichtlich eine Herausforderung für das damalige Publikum dar. Denn diese neue Technik der Kinematographie (aus dem altgriechischen "kinēma" = Bewegung und "gráphein" = schreiben) erscheint besonders 'authentisch', wie die (kaum zu verifizierende) Legende um den Kurzfilm ''L'Arrivée d'un train en gare de La Ciotat'' (1896) der Brüder Lumière zeigt: Die nur etwa eine Minute dauernde Sequenz eines in den Bahnhof La Ciotat einfahrenden Zuges soll zu einer Panik bei den Zuschauenden geführt haben – und das trotz der schwarz-weißen Bilder und des fehlenden Tons.
 
Freuds Schreibzeit in den Jahren vor 1900 ist auch von einer einflussreichen Medienrevolution geprägt, als im Jahr 1895 relativ synchron in Paris (durch die Brüder Auguste und Louis Lumière) und Berlin (durch die Brüder Max und Emil Skladanowsky) erstmals kurze Filmvorführungen stattfinden. Zwar sind diese zunächst aufgrund der technischen Beschränkung nur wenige Sekunden lang und zumeist innerhalb eines Varieté-Programms eingebettet, doch stellen die 'bewegten Bilder' offensichtlich eine Herausforderung für das damalige Publikum dar. Denn diese neue Technik der Kinematographie (aus dem altgriechischen "kinēma" = Bewegung und "gráphein" = schreiben) erscheint besonders 'authentisch', wie die (kaum zu verifizierende) Legende um den Kurzfilm ''L'Arrivée d'un train en gare de La Ciotat'' (1896) der Brüder Lumière zeigt: Die nur etwa eine Minute dauernde Sequenz eines in den Bahnhof La Ciotat einfahrenden Zuges soll zu einer Panik bei den Zuschauenden geführt haben – und das trotz der schwarz-weißen Bilder und des fehlenden Tons.
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Der Film sei daher eine Zuflucht, um der "fade[n] Leere der Realität", der alltäglichen "Öde des Daseins" (ebd.: 143) vorübergehend zu entfliehen und gebe dem Rezipienten kurzzeitig eine gewisse 'Macht' (nicht zuletzt durch die voyeuristische Betrachterperspektive).
 
Der Film sei daher eine Zuflucht, um der "fade[n] Leere der Realität", der alltäglichen "Öde des Daseins" (ebd.: 143) vorübergehend zu entfliehen und gebe dem Rezipienten kurzzeitig eine gewisse 'Macht' (nicht zuletzt durch die voyeuristische Betrachterperspektive).
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===Traumsprache des Films, 1900–1930===
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==Traumsprache des Films, 1900–1930==
 
Angesichts dieser prominenten Metapher vom Film als Traum liegt es natürlich nahe, dass sich das neue Medium auch tatsächlich mit dem nächtlichen Erleben beschäftigt. Dies wird möglich, nachdem sich der Film vom bloßen 'Zeigen' verschiedener Alltagsszenen in recht statischer Dokumentationsästhetik (Lumière, Skladanowksy) löst und vielmehr lernt, narrativ zu erzählen (durch unterschiedliche Kameraperspektiven und -einstellungen, durch Montageverfahren wie Schnitt-Gegenschnitt usw.).
 
Angesichts dieser prominenten Metapher vom Film als Traum liegt es natürlich nahe, dass sich das neue Medium auch tatsächlich mit dem nächtlichen Erleben beschäftigt. Dies wird möglich, nachdem sich der Film vom bloßen 'Zeigen' verschiedener Alltagsszenen in recht statischer Dokumentationsästhetik (Lumière, Skladanowksy) löst und vielmehr lernt, narrativ zu erzählen (durch unterschiedliche Kameraperspektiven und -einstellungen, durch Montageverfahren wie Schnitt-Gegenschnitt usw.).
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Nesselhauf, Jonas: Traum und Film (1900-1930). In: Lexikon Traumkultur. Ein Wiki des Graduiertenkollegs "Europäische Traumkulturen", 2019; http://traumkulturen.uni-saarland.de/Lexikon-Traumkultur/index.php?title=Film_und_Traum_(1900-1930)&preload=&action=edit&redlink=1.
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Nesselhauf, Jonas: Traum und Film (1900-1930). In: Lexikon Traumkultur. Ein Wiki des Graduiertenkollegs "Europäische Traumkulturen", 2019; http://traumkulturen.uni-saarland.de/Lexikon-Traumkultur/index.php/Film_und_Traum_(1900-1930).

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