Deprecated: Use of Please install wikidiff2 to retain inline diff functionality. was deprecated in MediaWiki 1.35.0. [Called from SpecialMobileDiff::executeWhenAvailable in /data/TRAUMKULT/Lexikon-Traumkultur/extensions/MobileFrontend/includes/specials/SpecialMobileDiff.php at line 146] in /data/TRAUMKULT/Lexikon-Traumkultur/includes/debug/MWDebug.php on line 430
Änderungen – Lexikon Traumkultur

Änderungen

keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 5: Zeile 5:  
|-
 
|-
 
||
 
||
: <span style="color: #7b879e;">'Christliches Abend=Lied/ Sich dem Schutz des Allerhöhesten zu befehlen.'
+
: <span style="color: #7b879e;">''Christliches Abend=Lied/ Sich dem Schutz des Allerhöhesten zu befehlen.''
    
: <span style="color: #7b879e;"> 1.
 
: <span style="color: #7b879e;"> 1.
Zeile 148: Zeile 148:  
Das Motiv des Traums nimmt im Gesamtwerk des Dichters zwar keine prominente Stellung ein, ist jedoch in einigen seiner Texte unterschiedlicher Genres und Gattungen durchaus vertreten: Das Schäfergedicht ''Traurige Nachtklage'' (ED 1656) beispielsweise handelt von der unerwiderten Liebe des Schäfers Dafnis – Rists Pseudonym im Pegnesischen Blumenorden –, der sich wünscht, seiner Geliebten zumindest in deren Träumen zu gefallen (vgl. Str. 6 und 10). Im ''KlagGedicht Der verliebten Schäfferin SYLVIA'' (ED 1634) beweint die Sprecherin ihre trügerischen, hier durch den Liebesgott erzeugten Träume, die ihr eine erfüllte Liebe zum Schäfer Philistel vorspielen:<blockquote>Es ist mein’ arme Seel so lang’ im Traum erfüllet
 
Das Motiv des Traums nimmt im Gesamtwerk des Dichters zwar keine prominente Stellung ein, ist jedoch in einigen seiner Texte unterschiedlicher Genres und Gattungen durchaus vertreten: Das Schäfergedicht ''Traurige Nachtklage'' (ED 1656) beispielsweise handelt von der unerwiderten Liebe des Schäfers Dafnis – Rists Pseudonym im Pegnesischen Blumenorden –, der sich wünscht, seiner Geliebten zumindest in deren Träumen zu gefallen (vgl. Str. 6 und 10). Im ''KlagGedicht Der verliebten Schäfferin SYLVIA'' (ED 1634) beweint die Sprecherin ihre trügerischen, hier durch den Liebesgott erzeugten Träume, die ihr eine erfüllte Liebe zum Schäfer Philistel vorspielen:<blockquote>Es ist mein’ arme Seel so lang’ im Traum erfüllet
   −
Mit süsser Liebes Frewd / biß AMOR selbst verhüllet
+
{| style="border: 0px; background-color: #ffffff; border-left: 2px solid #7b879e; margin-bottom: 0.4em; margin-left:0.1em; margin-right: auto; width: auto;" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0"
 +
|-
 +
||
 +
: <span style="color: #7b879e;">Mit süsser Liebes Frewd / biß AMOR selbst verhüllet
 +
: <span style="color: #7b879e;">Sein zartes Angesicht / vnd machet sich gleich blind /
 +
: <span style="color: #7b879e;">Kompt drauf geflogen her mit Waffen gar geschwind /
 +
: <span style="color: #7b879e;">Zerstöret meinen Traum / mein frewen / küssen / lachen /
 +
: <span style="color: #7b879e;">Verjaget PHILISTEL, vnd lesset mich erwachen /
 +
: <span style="color: #7b879e;">So ist mein Lieb davon / CUPIDO hat mich nur
 +
: <span style="color: #7b879e;">Betrogen mit dem Traum / dem Schatten vnd FIGUR,
 +
: <span style="color: #7b879e;">Jch arme Schäfferin! Mein Schäffer ist verschwunden /
 +
: <span style="color: #7b879e;">Mein Schäffer / der mirs Hertz’ im Traum’ auch kan verwunden;
 +
: <span style="color: #7b879e;">(V. 73-82)
 +
|}
   −
Sein zartes Angesicht / vnd machet sich gleich blind /
+
In Rists Gedichten, die 1652 in seinem Werk ''Neuer Teutscher Parnass'' veröffentlicht wurden, taucht das Traummotiv ebenfalls auf: Im ''Klaglied Uber die schnelle Flüchtigkeit dises irdischen und trübseligen Lebens'' unterstützt der Traum die Vergänglichkeitsmetaphorik (vgl. Str. 4 und 5), ähnlich verhält es sich in einem seiner Ehrengedichte (''Ehrengedächtniß / Dem Weiland WolEhrenvesten / Großachtbaren und wolbenamten Herren / H. Eberhard Schlaeff''):
   −
Kompt drauf geflogen her mit Waffen gar geschwind /
+
{| style="border: 0px; background-color: #ffffff; border-left: 2px solid #7b879e; margin-bottom: 0.4em; margin-left:0.1em; margin-right: auto; width: auto;" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0"
 +
|-
 +
||
 +
: <span style="color: #7b879e;">Der spöttische Betrug / wodurch Er in dem Orden
 +
: <span style="color: #7b879e;">Der Schläffer / nakkend / matt und dürftig ist geworden /
 +
: <span style="color: #7b879e;">Ey spricht Er / war Mir doch der Traum so trefflich süss /
 +
: <span style="color: #7b879e;">Daß Mich bedäucht’ Jch wer in Einem Paradiß /
 +
: <span style="color: #7b879e;">Nun ist es Phantasey. So geht des Menschen Leben
 +
: <span style="color: #7b879e;">Gleich träumend auch dahin. Wir sehen für uns schweben
 +
: <span style="color: #7b879e;">So manche süsse Lust / so mache Freüd’ und Pracht /
 +
: <span style="color: #7b879e;">Kaum kennet man Sie recht / so gibt man gute Nacht.
 +
: <span style="color: #7b879e;">(V. 61-68)
 +
|}
   −
Zerstöret meinen Traum / mein frewen / küssen / lachen /
+
Auch in Rists Dramen ist der Traum vertreten: In seinem Stück ''Perseus'' (ED und Uraufführung 1634) etwa hat die Figur Eudocia einen auf den melancholischen Zustand ihres zukünftigen Ehemanns Demetrius vorausdeutenden Traum, wie aus folgendem Dialog zwischen ihr und ihrem Bruder Alexander hervorgeht:
   −
Verjaget PHILISTEL, vnd lesset mich erwachen /
+
{| style="border: 0px; background-color: #ffffff; border-left: 2px solid #7b879e; margin-bottom: 0.4em; margin-left:0.1em; margin-right: auto; width: auto;" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0"
 +
|-
 +
||
 +
: <span style="color: #7b879e;">EUDOCIA: […] Jtzo aber stehe ich vnd betrachte den sehr trawrigen Traum / der mir die nechstverwichene Nacht im schlaffe ist vorkommen / welches Traums wegen / ich fast diesen gantzen Tag über sehr bestürtzet bin gewesen. […]
   −
So ist mein Lieb davon / CUPIDO hat mich nur
+
: <span style="color: #7b879e;">ALEXANDER: Ob ich zwahr nicht viel auff Träume halte / dennoch bitte ich / die Schwester wolle mir diesen jhren Traum erzehlen. Aber wen sehe ich dar so gahr trawrig vnd betrübt herümmer gehen / ist mir recht / so ist es niemandt anders alß der Printz Demetrius.
 
+
|}
Betrogen mit dem Traum / dem Schatten vnd FIGUR,
  −
 
  −
Jch arme Schäfferin! Mein Schäffer ist verschwunden /
  −
 
  −
Mein Schäffer / der mirs Hertz’ im Traum’ auch kan verwunden;
  −
 
  −
(V. 73-82)</blockquote>In Rists Gedichten, die 1652 in seinem Werk ''Neuer Teutscher Parnass'' veröffentlicht wurden, taucht das Traummotiv ebenfalls auf: Im ''Klaglied Uber die schnelle Flüchtigkeit dises irdischen und trübseligen Lebens'' unterstützt der Traum die Vergänglichkeitsmetaphorik (vgl. Str. 4 und 5), ähnlich verhält es sich in einem seiner Ehrengedichte (''Ehrengedächtniß / Dem Weiland WolEhrenvesten / Großachtbaren und wolbenamten Herren / H. Eberhard Schlaeff''):<blockquote>Der spöttische Betrug / wodurch Er in dem Orden
  −
 
  −
Der Schläffer / nakkend / matt und dürftig ist geworden /
  −
 
  −
Ey spricht Er / war Mir doch der Traum so trefflich süss /
  −
 
  −
Daß Mich bedäucht’ Jch wer in Einem Paradiß /
  −
 
  −
Nun ist es Phantasey. So geht des Menschen Leben
  −
 
  −
Gleich träumend auch dahin. Wir sehen für uns schweben
  −
 
  −
So manche süsse Lust / so mache Freüd’ und Pracht /
  −
 
  −
Kaum kennet man Sie recht / so gibt man gute Nacht.
     −
(V. 61-68)</blockquote>Auch in Rists Dramen ist der Traum vertreten: In seinem Stück ''Perseus'' (ED und Uraufführung 1634) etwa hat die Figur Eudocia einen auf den melancholischen Zustand ihres zukünftigen Ehemanns Demetrius vorausdeutenden Traum, wie aus folgendem Dialog zwischen ihr und ihrem Bruder Alexander hervorgeht:<blockquote>EUDOCIA: […] Jtzo aber stehe ich vnd betrachte den sehr trawrigen Traum / der mir die nechstverwichene Nacht im schlaffe ist vorkommen / welches Traums wegen / ich fast diesen gantzen Tag über sehr bestürtzet bin gewesen. […]</blockquote><blockquote>ALEXANDER: Ob ich zwahr nicht viel auff Träume halte / dennoch bitte ich / die Schwester wolle mir diesen jhren Traum erzehlen. Aber wen sehe ich dar so gahr trawrig vnd betrübt herümmer gehen / ist mir recht / so ist es niemandt anders alß der Printz Demetrius.</blockquote>Die genannten Textbeispiele geben singuläre Einblicke in Rists dichterische Umsetzung der Traummotivik. Um ein aussagekräftigeres Bild ebendieser zu erhalten, bedarf es einer intensiven Sichtung des umfangreichen Werks des Dichters.
+
Die genannten Textbeispiele geben singuläre Einblicke in Rists dichterische Umsetzung der Traummotivik. Um ein aussagekräftigeres Bild ebendieser zu erhalten, bedarf es einer intensiven Sichtung des umfangreichen Werks des Dichters.
    
=Kontextualisierung=
 
=Kontextualisierung=
Zeile 195: Zeile 202:  
=Analyse und Interpretation=
 
=Analyse und Interpretation=
 
==Form==
 
==Form==
Rists 'Werde munter mein Gemüte' weist eine regelmäßige formale Gestalt auf, die die Sangbarkeit des Abendliedes unterstützt: Es besteht aus zwölf Strophen mit jeweils acht Versen. Das Reimschema setzt sich zusammen aus einem Kreuzreim gefolgt von zwei Paarreimen (ababccdd) mit regelmäßig wechselnden weiblichen (a- und d-Reim) und männlichen Kadenzen (b- und c-Reim). Beim Metrum handelt es sich um einen vierhebigen Trochäus. Die schlichte Form ist charakteristisch für barocke (Abend-)Lieder bzw. geistliche Barockdichtung im Allgemeinen: „Die Gestalt der geistlichen Lyrik ist weitgehend durch die Tradition bestimmt. Ihre Themen werden seit Luthers Tagen von Generation zu Generation weitergegeben. Die alten Melodien bestimmen den Rhythmus der Lieder; nur sehr zögernd dringt der Alexandriner in das Kirchenlied ein.“ (Zell 1971, 80) Ebenso ist Rists Abendlied wie auch vergleichbare geistliche Lieder des Barock hinsichtlich der Sprache eher einfach gehalten; der zeitgenössische Schriftsteller Albert Graf Curtz (1600-1671) spricht diesbezüglich von der „Einfalt deß heyligen Lieds“ (Curtz 1659, Ax r.). Als Stilprinzip der geistlichen Barocklyrik tritt anstelle der rhetorischen Ausschmückung die (häusliche) Andacht (vgl. Zell 1971).
+
Rists ''Werde munter mein Gemüte'' weist eine regelmäßige formale Gestalt auf, die die Sangbarkeit des Abendliedes unterstützt: Es besteht aus zwölf Strophen mit jeweils acht Versen. Das Reimschema setzt sich zusammen aus einem Kreuzreim gefolgt von zwei Paarreimen (ababccdd) mit regelmäßig wechselnden weiblichen (a- und d-Reim) und männlichen Kadenzen (b- und c-Reim). Beim Metrum handelt es sich um einen vierhebigen Trochäus. Die schlichte Form ist charakteristisch für barocke (Abend-)Lieder bzw. geistliche Barockdichtung im Allgemeinen: „Die Gestalt der geistlichen Lyrik ist weitgehend durch die Tradition bestimmt. Ihre Themen werden seit Luthers Tagen von Generation zu Generation weitergegeben. Die alten Melodien bestimmen den Rhythmus der Lieder; nur sehr zögernd dringt der Alexandriner in das Kirchenlied ein.“ (Zell 1971, 80) Ebenso ist Rists Abendlied wie auch vergleichbare geistliche Lieder des Barock hinsichtlich der Sprache eher einfach gehalten; der zeitgenössische Schriftsteller Albert Graf Curtz (1600-1671) spricht diesbezüglich von der „Einfalt deß heyligen Lieds“ (Curtz 1659, Ax r.). Als Stilprinzip der geistlichen Barocklyrik tritt anstelle der rhetorischen Ausschmückung die (häusliche) Andacht (vgl. Zell 1971).
    
==Thema und Hinführung==
 
==Thema und Hinführung==