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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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==Abendliedgenre==
 
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Der heute geläufige Titel ''Werde munter mein Gemüte'' ergibt sich durch den ersten Vers des barocken Abendliedes. Die darin enthaltene Aufforderung erstreckt sich noch weiter über die erste Strophe: „WErde munter mein Gemüte/ vnd jr Sinne geht herfür/ Daß jhr preiset Gottes Güte“. Sie erinnert an das wenig später erschienene, vermutlich prominenteste Abendlied des 17. Jahrhunderts, Paul Gerhardts (1607 bis 1676) ''Nun ruhen alle Wälder'' (ED 1647), welches mit einem ähnlichen Aufruf beginnt: „Ihr aber/ meine sinnen/ Auf/ auf/ ihr sollt beginnen/ Was eurem Schöpffer wol gefällt.“<ref>Gerhardts Abendlied ''Nun ruhen alle Wälder'' erschien erstmals 1647 als Lied Nr. 19 in Crügers ''Praxis Pietatis Melica''.</ref> Beide Appelle an das eigene Gemüt bzw. die eigenen Sinne spiegeln die praktische Ausrichtung des Abendliedgenres wider: Abendlieder sind einerseits als Handlung zu verstehen, als „Aufruf zum Lob oder Trost oder Wendung an Gott in Bitte und Dank und Preis“, andererseits als „Heilmittel des inwendigen Menschen“ (Thomas & Ameln 1930, 5f.). Eine heilende Wirkung soll vor allem dadurch erzielt werden, dass das Abendlied, gerade im Barockzeitalter, einen Moment des Innehaltens bedeutet: Hübert beschreibt die frühneuzeitliche Empfindung von Abend und Nacht „als Zeit der Stille zwischen Tag und Traum, in der die Seele, befreit von dem tätigen Einsatz des Menschen bei Tage, endlich ›zu Wort‹ kommen kann“ (Hübert 1963, 223). Die dem Abendlied folglich zukommende „Funktion eines Zwiegesprächs mit Gott“ (Scherf 2020, 6) kann in Rists ''Werde munter mein Gemüte'' anschaulich beobachtet werden. Daneben erfüllt der Rist’sche Text durch seine Schlussstrophe auch die dem Abendliedgenre zugesprochene Gebetsfunktion (vgl. Scherf 2020, 6).
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Der heute geläufige Titel ''Werde munter mein Gemüte'' ergibt sich durch den ersten Vers des barocken Abendliedes. Die darin enthaltene Aufforderung erstreckt sich noch weiter über die erste Strophe: „WErde munter mein Gemüte/ vnd jr Sinne geht herfür/ Daß jhr preiset Gottes Güte“. Sie erinnert an das wenig später erschienene, vermutlich prominenteste Abendlied des 17. Jahrhunderts, Paul Gerhardts (1607-1676) ''Nun ruhen alle Wälder'' (ED 1647), welches mit einem ähnlichen Aufruf beginnt: „Ihr aber/ meine sinnen/ Auf/ auf/ ihr sollt beginnen/ Was eurem Schöpffer wol gefällt.“<ref>Gerhardts Abendlied ''Nun ruhen alle Wälder'' erschien erstmals 1647 als Lied Nr. 19 in Crügers ''Praxis Pietatis Melica''.</ref> Beide Appelle an das eigene Gemüt bzw. die eigenen Sinne spiegeln die praktische Ausrichtung des Abendliedgenres wider: Abendlieder sind einerseits als Handlung zu verstehen, als „Aufruf zum Lob oder Trost oder Wendung an Gott in Bitte und Dank und Preis“, andererseits als „Heilmittel des inwendigen Menschen“ (Thomas/Ameln 1930, 5 f.). Eine heilende Wirkung soll vor allem dadurch erzielt werden, dass das Abendlied, gerade im Barockzeitalter, einen Moment des Innehaltens bedeutet: Hübert beschreibt die frühneuzeitliche Empfindung von Abend und Nacht „als Zeit der Stille zwischen Tag und Traum, in der die Seele, befreit von dem tätigen Einsatz des Menschen bei Tage, endlich 'zu Wort' kommen kann“ (Hübert 1963, 223). Die dem Abendlied folglich zufallende „Funktion eines Zwiegesprächs mit Gott“ (Scherf 2020, 6) kann in Rists ''Werde munter mein Gemüte'' anschaulich beobachtet werden. Daneben erfüllt sein Gedicht durch die Schlussstrophe auch die dem Abendliedgenre zugesprochene Gebetsfunktion (vgl. Scherf 2020, 6).
    
==(Alb-)Träume in Abendliedern==
 
==(Alb-)Träume in Abendliedern==

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