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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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Wiederaufnahme ausgewählter Textpassagen zur Rezeption und Kritiken aus Tages- und Wochenzeitungen (überwiegend mit Traumbezug)
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==Traum als Erzählung==
 
==Traum als Erzählung==
 
Als Bill nachts wieder nach Hause kommt, versteckt er zunächst sein Kostüm, eine Blende leitet über zur nächsten Szenerie: dem Schlafzimmer der Harfords. Alice lacht im Schlaf. Bill weckt sie. Nach einem kurzen Dialog beginnt Alice mit ihrer Traumerzählung. Ihre erotischen Traumerlebnisse, die sado-masochistische Anklänge haben, sind eine Art Mimikry der Orgie. Inszenatorisch steht das gesprochene Wort im Mittelpunkt. Die etwa 6,5 Minuten lange Traumerzählung löst Kubrick in 15 Einstellungen auf; nach einem Establishing Shot in der Halbtotalen überwiegen die Nah- und Großaufnahmen. Schnitt und Montage sind der Erzählung untergeordnet, das eher konventionelle Schuss-Gegenschuss-Verfahren, das Kubrick hier verwendet, ist ganz auf den Dialog bzw. Alice’ Monolog abgestimmt. Die Sequenz endet mit einer Abblende, was eine deutliche innerfilmische Zäsur markiert: Die Geschehnisse der Nacht sind vorüber, nach einem kurzen Schwarzbild folgt die Aufblende und zeigt eine Totale von einer belebten Straße. Bill steigt aus dem Taxi. Im hellen Licht des Tages unterzieht er nun seine Erlebnisse einem ‚Realitätstest‘.
 
Als Bill nachts wieder nach Hause kommt, versteckt er zunächst sein Kostüm, eine Blende leitet über zur nächsten Szenerie: dem Schlafzimmer der Harfords. Alice lacht im Schlaf. Bill weckt sie. Nach einem kurzen Dialog beginnt Alice mit ihrer Traumerzählung. Ihre erotischen Traumerlebnisse, die sado-masochistische Anklänge haben, sind eine Art Mimikry der Orgie. Inszenatorisch steht das gesprochene Wort im Mittelpunkt. Die etwa 6,5 Minuten lange Traumerzählung löst Kubrick in 15 Einstellungen auf; nach einem Establishing Shot in der Halbtotalen überwiegen die Nah- und Großaufnahmen. Schnitt und Montage sind der Erzählung untergeordnet, das eher konventionelle Schuss-Gegenschuss-Verfahren, das Kubrick hier verwendet, ist ganz auf den Dialog bzw. Alice’ Monolog abgestimmt. Die Sequenz endet mit einer Abblende, was eine deutliche innerfilmische Zäsur markiert: Die Geschehnisse der Nacht sind vorüber, nach einem kurzen Schwarzbild folgt die Aufblende und zeigt eine Totale von einer belebten Straße. Bill steigt aus dem Taxi. Im hellen Licht des Tages unterzieht er nun seine Erlebnisse einem ‚Realitätstest‘.
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==Ausgewählte Textpassagen zur Rezeption und Kritiken aus Tages- und Wochenzeitungen==
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''Eyes Wide Shut'' eröffnete am 1. September 1999 die 56. Filmfestspiele von Venedig; die Veröffentlichung in den USA hatte bereits im Juli stattgefunden. In Deutschland kam der Film am 9. September 1999 in die Kinos. Von der Presse wurde ''Eyes Wide Shut'' sehr unterschiedlich bewertet. Alle Premieren waren Gegenstand „ausgiebiger Berichterstattung beileibe nicht nur in den Filmzeitschriften“ (Kirchmann 2001, 247). Im Folgenden findet sich eine Auswahl von Kritiken aus deutschen Tages- und Wochenzeitungen.
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: <span style="color: #7b879e;">„Ein Film, der von den Gefahren und Verlockungen des Erotischen handelt, müsste, wie Schnitzlers Vorlage, ein Element der Unordnung enthalten, eine visuelle Synkope, aber für Kubrick war diese Art von Kontrollverlust undenkbar. ''Eyes Wide Shut'' sei kein Film über Sex, sondern einer über Ängste, hat Kubricks Witwe Christiane gesagt. Wahr ist, dass Kubricks Furcht vor dem Ungeplanten so groß war, dass sie ihn sogar daran hinderte, seine Angst zum Thema zu machen. So wirkt ''Eyes Wide Shut'' wie die monumentale Versteinerung einer einstigen Filmidee, ein grandioses Fossil, das aus unvordenklicher Ferne ins Kino der neunziger Jahre gespült wurde.“</span>
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- Andreas Kilb: Unsägliche Schaulust. Verloren in Raum und Zeit: Stanley Kubricks letzter Film „Eyes Wide Shut“. In: Die Zeit. Nr. 30/1999. 22. Juli 1999.
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: <span style="color: #7b879e;">„''Eyes Wide Shut'' ist ein Meisterwerk, ein würdiges Vermächtnis, das auch ohne die bei Kubrick üblichen visuellen Effekte die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht. Und das liegt daran, dass Kubrick darin sozusagen an die Wasserscheide allen Erzählens zurückgeht – zur Frage: Was ist Traum und was ist Wirklichkeit?“</span>
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- Michael Althen: Mit offenen Augen träumen. Kubricks „Eyes Wide Shut“ eröffnet die Filmfestspiele am Lido. In: Süddeutsche Zeitung. 2. September 1999.
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: <span style="color: #7b879e;">„Zerrissen zwischen konventioneller Treue und Begierde ohne Gefühl erscheinen alle Figuren so abwesend in der Liebe, als kenne der Traum keine Liebe, nur Libido.“</span>
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- Roger Willemsen: Aus der Traum! In: Die Woche. 10. September 1999.
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: <span style="color: #7b879e;">„Das Fluidum von Schnitzlers Buch, in dem Gegenwart und Gestern, Traum und Realität nur flüchtige Zustände sind, hat Kubrick mit atemberaubender Sicherheit eingefangen.“</span>
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- Peter Körte: Das Kino, der Sex und der Tod. Und kein Traum ist völlig Traum: Stanley Kubricks letzter Film „Eyes Wide Shut“. In: Frankfurter Rundschau. 8. September 1999.
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: <span style="color: #7b879e;">„Wovon handelt die ‚Traumnovelle‘, was träumt die Kamera in ‚Wide Eyes Shut‘ (sic!)? Wovon konnte Kubrick bis an sein Lebensende nicht loskommen; nicht bevor er es im Film festgehalten hatte? Von der Krise einer Ehe, von der Nacht der Wahrheit, in der sich die Krise offenbart. Vom Morgen danach, als man sich bewusst wird, dass man nach der Erfahrung der Krise wie vor der Krise weiterleben muss? Davon, dass es zwei Leben in einem gibt, die gegeneinander ankämpfen wie Tag und Nacht, die sich dadurch in Frage stellen und behaupten? Davon, dass wir den Traum fürchten, weil wir ihn zu dem Leben brauchen, das er in Frage stellt.“</span>
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- Hellmuth Karasek: Die Masken des Traums. In: Der Tagesspiegel. 9. September 1999.
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: <span style="color: #7b879e;">„Also haben sie sich entschieden, den gewagtesten Weg zu gehen – die Realität der Geschichte zu verstärken und mit einer neuen Figur, gespielt von Sidney Pollack, die losen Enden zusammenzufügen. Trotzdem folgen sie dabei einer Traumlogik: Alle Figuren scheinen nur in Bezug auf den Helden zu existieren, sie sind Ausgeburten seines Unbewussten.“</span>
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- Tobias Kniebe: Das Fleisch im Auge des Betrachters. Ein nachgelassener Film, vielleicht ein Vermächtnis: „Eyes Wide Shut“, Kubricks Traumnovelle. In: Süddeutsche Zeitung. 16. Juli 1999.
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: <span style="color: #7b879e;">„''Eyes Wide Shut'' ist ein Film von einem Mann über einen Mann für Männer. Ist ein Männerfilm in der Mike-Hammer-Tradition. Die anständigen Frauen sind dramaturgische Versatzstücke. (…) Theatralische Katholizität. Überväter in allen Bereichen. (…) Mummenschanz. (…) Spießige Bilder spießiger Fantasien. (…) Es geht um Macht und manchmal um Sex. Ziemlich ornamentalen Sex. Nur um Erotik geht es nie.“</span>
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- Marlene Streeruwitz: Überall Überväter. In: die tageszeitung. 9. September 1999.
     

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