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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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==Kurzerläuterung==
 
==Kurzerläuterung==
 
''Se questo è un'' uomo ist ein 1947 erstmals veröffentlichter autobiographischer Bericht des italienischen Autors Primo Levi. Er erzählt darin von seiner Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz III (Auschwitz-Monowitz) und seinem Überlebenskampf während der elfmonatigen Internierung. Das fünfte Kapitel (''Le nostre notti'' / ''Unsere Nächte'') handelt von den Bedingungen des Schlafs in den KZ-Baracken und von den individuellen wie kollektiven Träumen der Inhaftierten.
 
''Se questo è un'' uomo ist ein 1947 erstmals veröffentlichter autobiographischer Bericht des italienischen Autors Primo Levi. Er erzählt darin von seiner Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz III (Auschwitz-Monowitz) und seinem Überlebenskampf während der elfmonatigen Internierung. Das fünfte Kapitel (''Le nostre notti'' / ''Unsere Nächte'') handelt von den Bedingungen des Schlafs in den KZ-Baracken und von den individuellen wie kollektiven Träumen der Inhaftierten.
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==Autor und Gesamtwerk==
 
==Autor und Gesamtwerk==
 
Der jüdische Autor Primo Levi studierte trotz der seit 1938 in Italien geltenden faschistischen Rassengesetze Chemie und war die meiste Zeit seines Lebens als Chemiker tätig. Im Herbst 1943 schloss er sich der antifaschistischen Widerstandsbewegung  „Giustizia e libertà“ an, wurde kurz darauf verhaftet und musste sich entscheiden, entweder als Partisan erschossen oder als Jude deportiert zu werden. Von Februar 1944 bis zur Befreiung durch die Rote Armee im Januar 1945 war Levi als Zwangsarbeiter im Konzentrationslager Auschwitz III (Auschwitz-Monowitz) interniert, wo er als Chemiker in den Buna-Werken eingesetzt wurde. Durch eine schwere Krankheit entging er den Todesmärschen im Winter 1944/45 und überlebte das Konzentrationslager. Nach einer knapp zehnmonatigen Rückreise quer durch Osteuropa begann er, seine Erfahrungen als Shoah-Überlebender literarisch zu verarbeiten.Neben zahlreichen Erzählungen verfasste er eine durch die Elemente des chemischen Periodensystems strukturierte Autobiographie ''Il sistema periodico'' (1975) (dt. Das periodische System). Vor allem der Bericht ''Se questo è un uomo'' (1947) (dt. Ist das ein Mensch?), aber auch ''La Tregua'' (1963) (dt. Die Atempause) und sein letztes Buch ''I sommersi e i salvati'' (1986) (dt. Die Untergegangenen und die Geretteten) zählen zu den weltweit bedeutendsten Zeugnissen der Shoah-Literatur.
 
Der jüdische Autor Primo Levi studierte trotz der seit 1938 in Italien geltenden faschistischen Rassengesetze Chemie und war die meiste Zeit seines Lebens als Chemiker tätig. Im Herbst 1943 schloss er sich der antifaschistischen Widerstandsbewegung  „Giustizia e libertà“ an, wurde kurz darauf verhaftet und musste sich entscheiden, entweder als Partisan erschossen oder als Jude deportiert zu werden. Von Februar 1944 bis zur Befreiung durch die Rote Armee im Januar 1945 war Levi als Zwangsarbeiter im Konzentrationslager Auschwitz III (Auschwitz-Monowitz) interniert, wo er als Chemiker in den Buna-Werken eingesetzt wurde. Durch eine schwere Krankheit entging er den Todesmärschen im Winter 1944/45 und überlebte das Konzentrationslager. Nach einer knapp zehnmonatigen Rückreise quer durch Osteuropa begann er, seine Erfahrungen als Shoah-Überlebender literarisch zu verarbeiten.Neben zahlreichen Erzählungen verfasste er eine durch die Elemente des chemischen Periodensystems strukturierte Autobiographie ''Il sistema periodico'' (1975) (dt. Das periodische System). Vor allem der Bericht ''Se questo è un uomo'' (1947) (dt. Ist das ein Mensch?), aber auch ''La Tregua'' (1963) (dt. Die Atempause) und sein letztes Buch ''I sommersi e i salvati'' (1986) (dt. Die Untergegangenen und die Geretteten) zählen zu den weltweit bedeutendsten Zeugnissen der Shoah-Literatur.
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Die 17 Kapitel des Textes geben in chronologischer Reihenfolge folgende Ereignisse wieder: die Verhaftung des autobiographischen Erzählers am 13. Dezember 1943, die Deportation in das Durchgangslager Fossoli, der Weitertransport im Viehwaggon nach Auschwitz, der Einsatz als Zwangsarbeiter im Chemielabor der Buna-Werke von Auschwitz-Monowitz, die Erkrankung des Erzählers an Scharlach, seine Verlegung in den Krankenbau von Auschwitz und die Befreiung des KZ durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Über die Vermittlung der persönlichen Erfahrungen hinaus ist der Bericht eine scharfsichtige Analyse des nationalsozialistischen Vernichtungsapparates: Es geht um die einzelnen Stationen Entmenschlichung, die Logik des Lageralltags und der Zwangsarbeit, die Prinzipien der Selektion und die begrenzten individuellen Möglichkeiten, die Überlebenschancen zu erhöhen. Festgehalten werden zudem eindrückliche Gesten der Solidarität und der Mitmenschlichkeit in der Erinnerung an einzelne Häftlinge.
 
Die 17 Kapitel des Textes geben in chronologischer Reihenfolge folgende Ereignisse wieder: die Verhaftung des autobiographischen Erzählers am 13. Dezember 1943, die Deportation in das Durchgangslager Fossoli, der Weitertransport im Viehwaggon nach Auschwitz, der Einsatz als Zwangsarbeiter im Chemielabor der Buna-Werke von Auschwitz-Monowitz, die Erkrankung des Erzählers an Scharlach, seine Verlegung in den Krankenbau von Auschwitz und die Befreiung des KZ durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Über die Vermittlung der persönlichen Erfahrungen hinaus ist der Bericht eine scharfsichtige Analyse des nationalsozialistischen Vernichtungsapparates: Es geht um die einzelnen Stationen Entmenschlichung, die Logik des Lageralltags und der Zwangsarbeit, die Prinzipien der Selektion und die begrenzten individuellen Möglichkeiten, die Überlebenschancen zu erhöhen. Festgehalten werden zudem eindrückliche Gesten der Solidarität und der Mitmenschlichkeit in der Erinnerung an einzelne Häftlinge.
 
Der Bericht Levis verzichtet weitgehend auf Schuldzuweisungen und Anklagen. Stattdessen stellt er generell die Frage nach dem Wesen des Menschen innerhalb des Systems nationalsozialistischer Massenvernichtung. Die betonte Sachlichkeit und die Objektivität der erzählten Erfahrungen stehen allerdings nicht im Widerspruch zu den spezifisch literarisch-ästhetischen Gestaltungsverfahren (Solte-Gresser 2012, 70-75). Neben der Bedeutung von Sprache und Literatur für die Wahrnehmung des erzählenden Ich im Allgemeinen, sind die zahlreichen intertextuellen Bezüge des Werkes von großer Bedeutung. Es finden sich Verweise unter anderem auf die antike Mythologie, das Alte Testament, die Thora, Dantes ''Divina Commedia'' / Die Göttliche Komödie oder auch Nietzsches ''Jenseits von Gut und Böse'' (vgl. Amsallem 1992, Kasper 2016).
 
Der Bericht Levis verzichtet weitgehend auf Schuldzuweisungen und Anklagen. Stattdessen stellt er generell die Frage nach dem Wesen des Menschen innerhalb des Systems nationalsozialistischer Massenvernichtung. Die betonte Sachlichkeit und die Objektivität der erzählten Erfahrungen stehen allerdings nicht im Widerspruch zu den spezifisch literarisch-ästhetischen Gestaltungsverfahren (Solte-Gresser 2012, 70-75). Neben der Bedeutung von Sprache und Literatur für die Wahrnehmung des erzählenden Ich im Allgemeinen, sind die zahlreichen intertextuellen Bezüge des Werkes von großer Bedeutung. Es finden sich Verweise unter anderem auf die antike Mythologie, das Alte Testament, die Thora, Dantes ''Divina Commedia'' / Die Göttliche Komödie oder auch Nietzsches ''Jenseits von Gut und Böse'' (vgl. Amsallem 1992, Kasper 2016).
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===Veröffentlichung===
 
===Veröffentlichung===
 
Das Werk ist im Zeitraum von 1945 bis 1947 entstanden. Das Manuskript wurde zunächst zwei Mal vom Turiner Verlag Einaudi abgelehnt und von einem kleinen Verlag, Francesco De Silva, erstmals mit einer Auflage von nur 2.500 Exemplaren publiziert. Primo Levi überarbeitete und ergänzte in den darauffolgenden zehn Jahren zusammen mit seiner Ehefrau Luisa Morpurgo das Manuskript grundlegend (beispielsweise durch das bekannte dritte Kapitel „Iniziazione“ / „Initiation“). Diese Fassung ersetzt unter anderem zahlreiche reale durch fiktive Namen, schafft durch Verallgemeinerungen und Versachlichungen eine größere Distanz zum Geschehen und verzichtet noch konsequenter auf Emotionen und Pathos (Tomson 2004 141-160). Seitdem die Neuauflage, mit einem anonymen Vorwort von Italo Calvino versehen, 1958 schließlich doch bei Einaudi erschienen ist, zählt das Buch zu den Klassikern der Weltliteratur und den meistgelesenen Texten über die Shoah (Miething 2005, 149). Obgleich die Forschungsliteratur zu ''Se questo è un uomo'' kaum noch zu überblicken ist, steht die Thematik des Traums nur selten im Zentrum der Auseinandersetzung. Eingehend widmen sich ihr jedoch Kasper 2016, Kuon 2013 und Segre 2005. Die nach wie vor detailliertesten Forschungsberichte zu ''Se questo è un uomo'' liefern Ernesto Ferrero (1997) und Robert Gordon (2001).
 
Das Werk ist im Zeitraum von 1945 bis 1947 entstanden. Das Manuskript wurde zunächst zwei Mal vom Turiner Verlag Einaudi abgelehnt und von einem kleinen Verlag, Francesco De Silva, erstmals mit einer Auflage von nur 2.500 Exemplaren publiziert. Primo Levi überarbeitete und ergänzte in den darauffolgenden zehn Jahren zusammen mit seiner Ehefrau Luisa Morpurgo das Manuskript grundlegend (beispielsweise durch das bekannte dritte Kapitel „Iniziazione“ / „Initiation“). Diese Fassung ersetzt unter anderem zahlreiche reale durch fiktive Namen, schafft durch Verallgemeinerungen und Versachlichungen eine größere Distanz zum Geschehen und verzichtet noch konsequenter auf Emotionen und Pathos (Tomson 2004 141-160). Seitdem die Neuauflage, mit einem anonymen Vorwort von Italo Calvino versehen, 1958 schließlich doch bei Einaudi erschienen ist, zählt das Buch zu den Klassikern der Weltliteratur und den meistgelesenen Texten über die Shoah (Miething 2005, 149). Obgleich die Forschungsliteratur zu ''Se questo è un uomo'' kaum noch zu überblicken ist, steht die Thematik des Traums nur selten im Zentrum der Auseinandersetzung. Eingehend widmen sich ihr jedoch Kasper 2016, Kuon 2013 und Segre 2005. Die nach wie vor detailliertesten Forschungsberichte zu ''Se questo è un uomo'' liefern Ernesto Ferrero (1997) und Robert Gordon (2001).
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==Literatur==
 
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===Ausgaben / Quellen===
 
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===Forschungsliteratur===
 
===Forschungsliteratur===
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* Amsallem, Daniela: „Images littéraires et figures mythiques dans l’oeuvre de Primo Levi“, in: Chroniques italiennes 31/31 (1992), S. 7-26.
 
* Amsallem, Daniela: „Images littéraires et figures mythiques dans l’oeuvre de Primo Levi“, in: Chroniques italiennes 31/31 (1992), S. 7-26.
  
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