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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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===Beschreibung und Analyse===
 
===Beschreibung und Analyse===
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Levi beschreibt nach einigen einführenden Überlegungen über die Bedeutung von Schlaf und Traum im Konzentrationslager, wie sich im Moment des Einschlafens mehrere Bewusstseinszustände überlagern: Durch die harte Holzpritsche hat er den Eindruck, auf Eisenbahnschienen zu schlafen. Das ferne Pfeifen des Zuges stammt von den tatsächlichen Güterzügen, die das Lager Buna-Monowitz durchqueren und die der Träumer tagsüber beladen musste. Es handelt sich also um einen Tagesrest, der zugleich immer wieder ein (un-)mögliches Jenseits des Lagers vor Augen führt: Obwohl das Signal der Lokomotive kontinuierlich lauter wird, kommt der Zug niemals an, um den Träumenden mitzunehmen. Das durchdringende Pfeifen scheint vielmehr das gesamte Lagerelend zu repräsentieren: „ne e divenuto il simbolo“ (Levi 2005, 53) / [er ist zu dessen Symbol geworden]. Der Bericht fährt damit fort, dass dem Erzähler im Traum Schwester und Freunde erscheinen. Der Träumer wird von einem existenziellen Bedürfnis heimgesucht, ihnen seine Lagererfahrungen zu kommunizieren. Sobald er jedoch versucht, das Erlebte mitzuteilen, kehren sich die Zuhörer ab, „come se io non ci fossi“ (Levi 2005, 53, [als sei ich gar nicht vorhanden]), blicken den Erzählenden gleichgültig an oder glauben ihm nicht. Die Angst, die den Träumer daraufhin befällt, ist derart unerträglich – sie wird mit den schlimmsten Fieberträumen der Kindheit verglichen – , dass er sich zwingt, aufzuwachen. Doch damit lässt sie sich nicht abschütteln; sie überträgt sich vielmehr auch auf den Wachzustand. Als der nun vollständig erwachte Träumer seine Mithäftlinge beim Schlafen beobachtet, schließt er aus ihrem Stöhnen und ihren Kaubewegungen auf Hungerträume. Es folgt ein persönlicher Traumbericht von Nahrungsmitteln, die sich dem hungernden Träumer immer wieder entziehen, sobald er nach ihnen greift. Dieser Traum wird mit großer sinnlicher Konkretheit in Szene gesetzt: Der Erzähler führt vor Augen, wie der Alptraum seinen gesamten Körper affiziert und er schreiend versucht, ihn zu verscheuchen.
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Levi beschreibt nach einigen einführenden Überlegungen über die Bedeutung von Schlaf und Traum im Konzentrationslager, wie sich im Moment des Einschlafens mehrere Bewusstseinszustände überlagern: Durch die harte Holzpritsche hat er den Eindruck, auf Eisenbahnschienen zu schlafen. Das ferne Pfeifen des Zuges stammt von den tatsächlichen Güterzügen, die das Lager Buna-Monowitz durchqueren und die der Träumer tagsüber beladen musste. Es handelt sich also um einen Tagesrest, der zugleich immer wieder ein (un-)mögliches Jenseits des Lagers vor Augen führt: Obwohl das Signal der Lokomotive kontinuierlich lauter wird, kommt der Zug niemals an, um den Träumenden mitzunehmen. Das durchdringende Pfeifen scheint vielmehr das gesamte Lagerelend zu repräsentieren: „ne e divenuto il simbolo“ ([er ist zu dessen Symbol geworden] Levi 2005, 53). Der Bericht fährt damit fort, dass dem Erzähler im Traum Schwester und Freunde erscheinen. Der Träumer wird von einem existenziellen Bedürfnis heimgesucht, ihnen seine Lagererfahrungen zu kommunizieren. Sobald er jedoch versucht, das Erlebte mitzuteilen, kehren sich die Zuhörer ab, „come se io non ci fossi“ ([als sei ich gar nicht vorhanden] ebd.), blicken den Erzählenden gleichgültig an oder glauben ihm nicht. Die Angst, die den Träumer daraufhin befällt, ist derart unerträglich – sie wird mit den schlimmsten Fieberträumen der Kindheit verglichen – , dass er sich zwingt, aufzuwachen. Doch damit lässt sie sich nicht abschütteln; sie überträgt sich vielmehr auch auf den Wachzustand. Als der nun vollständig erwachte Träumer seine Mithäftlinge beim Schlafen beobachtet, schließt er aus ihrem Stöhnen und ihren Kaubewegungen auf Hungerträume. Es folgt ein persönlicher Traumbericht von Nahrungsmitteln, die sich dem hungernden Träumer immer wieder entziehen, sobald er nach ihnen greift. Dieser Traum wird mit großer sinnlicher Konkretheit in Szene gesetzt: Der Erzähler führt vor Augen, wie der Alptraum seinen gesamten Körper affiziert und er schreiend versucht, ihn zu verscheuchen.
 
Das Kapitel fährt mit einem Bericht über den halluzinatorischen Dämmerzustand fort, in dem sich die Internierten nachts die meiste Zeit über befinden. Da selbst dieser Halbschlaf zudem unablässig vom bevorstehenden Befehl zum Aufstehen bedroht wird, gelingt es den Träumenden weder, sich vor den Alpträumen zu schützen, noch Schlaf und Traum gegen die tatsächlichen Qualen des anbrechenden Tages abzuschotten. Durch den Befehl „Wstawać “(Levi 2005, 56) geht der Text schließlich abrupt vom traumähnlichen Zustand, also von der Innensicht des Träumers, in das objektiv rekonstruierte Chaos der Baracke anlässlich des morgendlichen Arbeitsbeginns über.
 
Das Kapitel fährt mit einem Bericht über den halluzinatorischen Dämmerzustand fort, in dem sich die Internierten nachts die meiste Zeit über befinden. Da selbst dieser Halbschlaf zudem unablässig vom bevorstehenden Befehl zum Aufstehen bedroht wird, gelingt es den Träumenden weder, sich vor den Alpträumen zu schützen, noch Schlaf und Traum gegen die tatsächlichen Qualen des anbrechenden Tages abzuschotten. Durch den Befehl „Wstawać “(Levi 2005, 56) geht der Text schließlich abrupt vom traumähnlichen Zustand, also von der Innensicht des Träumers, in das objektiv rekonstruierte Chaos der Baracke anlässlich des morgendlichen Arbeitsbeginns über.
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Das fünfte Kapitel aus Levis Bericht nähert sich auf verschiedenen Ebenen dem Phänomen des Lagertraums an: Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass wir durch diesen Textabschnitt einen detaillierten Einblick in die qualvollen Bedingungen des Schlafens im Konzentrationslager erhalten, das freilich eher ein Delirium als tatsächlichen Schlaf darstellt. Darüber hinaus entsteht hier eine komplexe Verbindung aus individuellen und kollektiven Traumerzählungen. Die beiden erzählten Träume sind zunächst einmal persönliche Traumerfahrungen des autobiographischen Ich. Sie übersteigen das singuläre Erleben jedoch gleich in zweifacher Hinsicht: Zum einen handelt es sich um stets wiederkehrende, sich in zahllosen Variationen abspielende Alpträume. Zum anderen stellt der Erzähler ausdrücklich fest, dass auch viele seiner Mithäftlinge, ja "forse tutti"([vielleicht alle] Levi 2005, 54), von denselben Träumen heimgesucht werden; dass es sich mithin um kollektive Traumphänomene handelt.
 
Das fünfte Kapitel aus Levis Bericht nähert sich auf verschiedenen Ebenen dem Phänomen des Lagertraums an: Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass wir durch diesen Textabschnitt einen detaillierten Einblick in die qualvollen Bedingungen des Schlafens im Konzentrationslager erhalten, das freilich eher ein Delirium als tatsächlichen Schlaf darstellt. Darüber hinaus entsteht hier eine komplexe Verbindung aus individuellen und kollektiven Traumerzählungen. Die beiden erzählten Träume sind zunächst einmal persönliche Traumerfahrungen des autobiographischen Ich. Sie übersteigen das singuläre Erleben jedoch gleich in zweifacher Hinsicht: Zum einen handelt es sich um stets wiederkehrende, sich in zahllosen Variationen abspielende Alpträume. Zum anderen stellt der Erzähler ausdrücklich fest, dass auch viele seiner Mithäftlinge, ja "forse tutti"([vielleicht alle] Levi 2005, 54), von denselben Träumen heimgesucht werden; dass es sich mithin um kollektive Traumphänomene handelt.
Nicht nur rückblickend, sondern bereits im Lager selbst findet also eine Kommunikation über das nächtlich Geträumte statt, das sodann einer gemeinsamen Reflexion unterzogen wird: Allein durch den morgendlichen Dialog mit einem Freund kann der Erzähler erkennen, dass seine eigenen Träume sich weitgehend mit denen der Mithäftlinge decken. Der Bericht hält sowohl klar markierte Schlaf-Träume, als auch halluzinatorische Eindrücke fest und analysiert sehr präzise diese unterschiedlichen Bewusstseinsvorgänge. Insgesamt ist jedoch keine eindeutige Trennung zwischen Traum und Wachwelt auszumachen: Der Bewusstseinszustand der Inhaftierten bewegt sich auf der Grenze zwischen Delirium, Erinnerung, Agonie und Klarsichtigkeit über die ausweglose Situation. Was die eigentlichen, eindeutig zu identifizierenden Alpträume angeht, so präsentiert der Erzähler im Wesentlichen zwei Themenkomplexe kollektiver Träume: den Traum vom verwehrten Essen und den Traum vom verhinderten Erzählen. Dies geschieht in einer Kombination aus zusammenfassender Rekonstruktion des Trauminhaltes, seiner Kontextualisierung innerhalb der konkreten Lagerrealität und verschiedenen Erklärungsansätzen. Die Struktur dieser Träume analysiert der Erzähler selbst: Die Hungerträume verweben sich mit den immer wiederkehrenden Träumen von der Nicht-Kommunizierbarkeit des Lagers zu einem größeren Netz aus verschiedensten Eindrücken des zurückliegenden Tages. Der Bericht verfährt dabei in expliziter Anlehnung an die griechische Mythologie („il sogno di Tantalo“, Levi 2005, 55, [der Tantalustraum]): Die Träumer erleben Hunger und Durst wie der von den Göttern in die Unterwelt verstoßene Tantalus. Auch für diesen sind die köstlichsten Früchte und kühles Wasser zum Greifen nahe, bevor sie sich verflüchtigen oder in schwarzen Sand verwandeln. Und ebenso wie die mythische Gestalt zusätzlich durch einen über ihm schwebenden Felsblock bedroht wird, der jeden Moment herabstürzen kann, werden auch die Inhaftierten von der ständigen Angst um ihre unmittelbare Ermordung gequält. Über dieses Beispiel hinaus, finden sich in ''Se questo è un uomo'' zahlreiche weitere intertextuelle Verweise, mit denen oftmals die grundlegende Bedeutung von Literatur und Imagination für die Wahrnehmung der Wirklichkeit ausgelotet wird. Besonders der Versuch, das Erlebte vor dem Hintergrund des „Inferno“ aus Dantes ''Divina Commedia'' zu verstehen, wurde in zahlreichen weiteren Texten der Lagerliteratur wieder aufgenommen. Einer Auslegung bedürfen die einzelnen Träume des Kapitels freilich kaum; auch die Reflexion ihrer Struktur und ihres Zustandekommens hat Levi in seinem Kapitel bereits selbst vorgenommen. Darüber hinaus aber stellt sich anhand dieses Kapitels die Frage nach der grundsätzlichen Rolle von Träumen für die Vermittlung und Verarbeitung des Genozids. In diesem Zusammenhang erörtert Levi zu Beginn seines Berichts die positiven Funktionen des Träumens – allerdings in allgemeinen, unpersönlichen Formulierungen. Auch unter den extremsten Bedingungen sei der Mensch fähig, sich im Schlaf „scavarsi una nicchia“ ([einen Schlupfwinkel zuschaffen], Levi 2005, 50), eine „dünne Schutzwand rings um sich zu errichten“ („erigersi intorno una tenua barriera di difesa“ ([dünne Schutzwand rings um sich zu errichten] ebd.): Der Traum bilde letztlich eine Möglichkeit, das Trauma zu verarbeiten („ci si è fatto un nido, il trauma del travasamento è superato“, ([Man hat sich ein Nest gebaut, das Trauma der gewaltsamen Verpflanzung ist überwunden] ebd.). Allerdings widerlegen die individuellen und kollektiven Traumberichte des Kapitels diese Thesen. Hatte der Erzähler anfangs noch betont, dass sich Traum und Schlaf in gewissem Maße beeinflussen ließen, steht am Ende die Vergeblichkeit im Vordergrund, den Schlaf vor Pein und Alpdruck bewahren zu können. Die „geschilderten Träume [...] dementieren und demontieren die eingangs formulierte Reizschutztheorie“ (Kasper 2016, 85). Der Traum vom verwehrten Erzählen weist zudem eine paradoxe meta-literarische Dimension auf: Denn der immer wiederkehrende Alptraum, dass das Berichtete nicht gehört oder nicht geglaubt wird, macht schließlich auch die tatsächliche, nachträgliche Erzählung, die Levi seinen Lesern präsentiert, prekär, wenn nicht gar unmöglich. Das Erzählen, das endlich Erleichterung verschaffen soll, wird durch den Traum immer weiter hinausgeschoben (Kasper 2016, 86). Die Abgründigkeit dieser Erfahrung lotet vor allem Levis zweiter Bericht ''La Tregua'' aus, der diese Problematik wieder aufnimmt und weiterführt.
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Nicht nur rückblickend, sondern bereits im Lager selbst findet also eine Kommunikation über das nächtlich Geträumte statt, das sodann einer gemeinsamen Reflexion unterzogen wird: Allein durch den morgendlichen Dialog mit einem Freund kann der Erzähler erkennen, dass seine eigenen Träume sich weitgehend mit denen der Mithäftlinge decken. Der Bericht hält sowohl klar markierte Schlaf-Träume, als auch halluzinatorische Eindrücke fest und analysiert sehr präzise diese unterschiedlichen Bewusstseinsvorgänge. Insgesamt ist jedoch keine eindeutige Trennung zwischen Traum und Wachwelt auszumachen: Der Bewusstseinszustand der Inhaftierten bewegt sich auf der Grenze zwischen Delirium, Erinnerung, Agonie und Klarsichtigkeit über die ausweglose Situation. Was die eigentlichen, eindeutig zu identifizierenden Alpträume angeht, so präsentiert der Erzähler im Wesentlichen zwei Themenkomplexe kollektiver Träume: den Traum vom verwehrten Essen und den Traum vom verhinderten Erzählen. Dies geschieht in einer Kombination aus zusammenfassender Rekonstruktion des Trauminhaltes, seiner Kontextualisierung innerhalb der konkreten Lagerrealität und verschiedenen Erklärungsansätzen. Die Struktur dieser Träume analysiert der Erzähler selbst: Die Hungerträume verweben sich mit den immer wiederkehrenden Träumen von der Nicht-Kommunizierbarkeit des Lagers zu einem größeren Netz aus verschiedensten Eindrücken des zurückliegenden Tages. Der Bericht verfährt dabei in expliziter Anlehnung an die griechische Mythologie („il sogno di Tantalo“ [der Tantalustraum], Levi 2005, 55): Die Träumer erleben Hunger und Durst wie der von den Göttern in die Unterwelt verstoßene Tantalus. Auch für diesen sind die köstlichsten Früchte und kühles Wasser zum Greifen nahe, bevor sie sich verflüchtigen oder in schwarzen Sand verwandeln. Und ebenso wie die mythische Gestalt zusätzlich durch einen über ihm schwebenden Felsblock bedroht wird, der jeden Moment herabstürzen kann, werden auch die Inhaftierten von der ständigen Angst um ihre unmittelbare Ermordung gequält. Über dieses Beispiel hinaus, finden sich in ''Se questo è un uomo'' zahlreiche weitere intertextuelle Verweise, mit denen oftmals die grundlegende Bedeutung von Literatur und Imagination für die Wahrnehmung der Wirklichkeit ausgelotet wird. Besonders der Versuch, das Erlebte vor dem Hintergrund des „Inferno“ aus Dantes ''Divina Commedia'' zu verstehen, wurde in zahlreichen weiteren Texten der Lagerliteratur wieder aufgenommen. Einer Auslegung bedürfen die einzelnen Träume des Kapitels freilich kaum; auch die Reflexion ihrer Struktur und ihres Zustandekommens hat Levi in seinem Kapitel bereits selbst vorgenommen. Darüber hinaus aber stellt sich anhand dieses Kapitels die Frage nach der grundsätzlichen Rolle von Träumen für die Vermittlung und Verarbeitung des Genozids. In diesem Zusammenhang erörtert Levi zu Beginn seines Berichts die positiven Funktionen des Träumens – allerdings in allgemeinen, unpersönlichen Formulierungen. Auch unter den extremsten Bedingungen sei der Mensch fähig, sich im Schlaf „scavarsi una nicchia“ ([einen Schlupfwinkel zuschaffen], Levi 2005, 50), eine „dünne Schutzwand rings um sich zu errichten“ („erigersi intorno una tenua barriera di difesa“ ([dünne Schutzwand rings um sich zu errichten] ebd.): Der Traum bilde letztlich eine Möglichkeit, das Trauma zu verarbeiten („ci si è fatto un nido, il trauma del travasamento è superato“, ([Man hat sich ein Nest gebaut, das Trauma der gewaltsamen Verpflanzung ist überwunden] ebd.). Allerdings widerlegen die individuellen und kollektiven Traumberichte des Kapitels diese Thesen. Hatte der Erzähler anfangs noch betont, dass sich Traum und Schlaf in gewissem Maße beeinflussen ließen, steht am Ende die Vergeblichkeit im Vordergrund, den Schlaf vor Pein und Alpdruck bewahren zu können. Die „geschilderten Träume [...] dementieren und demontieren die eingangs formulierte Reizschutztheorie“ (Kasper 2016, 85). Der Traum vom verwehrten Erzählen weist zudem eine paradoxe meta-literarische Dimension auf: Denn der immer wiederkehrende Alptraum, dass das Berichtete nicht gehört oder nicht geglaubt wird, macht schließlich auch die tatsächliche, nachträgliche Erzählung, die Levi seinen Lesern präsentiert, prekär, wenn nicht gar unmöglich. Das Erzählen, das endlich Erleichterung verschaffen soll, wird durch den Traum immer weiter hinausgeschoben (Kasper 2016, 86). Die Abgründigkeit dieser Erfahrung lotet vor allem Levis zweiter Bericht ''La Tregua'' aus, der diese Problematik wieder aufnimmt und weiterführt.
     
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