"Les rêves et les moyens de les diriger" (Marie Jean Léon Lecoq d’Hervey de Saint-Denys)

Aus Lexikon Traumkultur

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Marie Jean Léon Lecoq d'Hervey de Saint-Denys
Mit dem 1867 veröffentlichten Werk Les rêves et les moyens de les diriger. Observations pratiques (Träume und Wege, sie zu steuern. Praktische Beobachtungen) des Traumforschers Marie Jean Léon Lecoq d’Hervey de Saint-Denys (1822-1892) beginnt die systematische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Klartraums (Holzinger 1997, 32), der sich dadurch auszeichnet, dass der Träumer sich des Träumens bewusst ist und lernen kann, seinen eigenen Traum zu beeinflussen. Durch die Schilderung von 120 eigenen Träumen und zahlreichen Träumen von Freunden wie Bekannten gehört das Buch dem Genre der sogenannten „livres de rêves savants“ an, deren Autoren im Frankreich des 19. Jahrhunderts darauf abzielen, anhand von meist persönlichen Traumerfahrungen eine Physiologie beziehungsweise Psychologie des Traums zu erarbeiten (Carroy 2013, 54). Aufgrund des hohen Anschaffungspreises (7,50 Francs) richtete es sich in erster Linie an eine wohlhabende, gebildete, aber aufgrund des populärwissenschaftlichen Schreibstils nicht zwingend gelehrte Leserschaft (ebd., 56 u 58).

Autor

Marie Jean Léon Lecoq d’Hervey de Saint-Denys (*6. Mai 1822 in Paris; † 2. November 1892 in Paris) war ein französischer Schriftsteller, Sinologe, Ethnologe und Traumforscher. Darüber hinaus fertigte er zahlreiche Übersetzungen chinesischer und spanischer (vorwiegend literarischer) Werke ins Französische an. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1844 wurde er von einem Verwandten, Louis Amédée Vincent de Juchereau, Marquis de Saint-Denys, adoptiert und erhielt somit den Titel Baron de Juchereau und Marquis de Saint-Denys. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr beschäftigte er sich intensiv mit seinen Träumen und hielt diese in Zeichnungen und Traumtagebüchern fest (RMD 4 f.), die ihm als Grundlage für sein Werk Les rêves et les moyens de les diriger (1867) dienten. Für seine herausragende Arbeit als Commissaire générale des chinesischen Bereichs bei der Weltausstellung 1867 wurde er zum Chevalier de la Légion d’honneur ernannt. 1874 übernahm er schließlich die Position des Professors für chinesische Sprache und Literatur am Collège de France und wurde 1888 zum Präsidenten der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres ernannt.


Entstehungs- und Editionsgeschichte

Hervey de Saint-Denys’ Traumstudien, die die Grundlage für sein späteres Werk Les rêves et les moyens de les diriger bildeten, waren bereits im Jahr 1855 derart weit fortgeschritten, dass ihn seine Freunde ermunterten, seine Arbeit im Rahmen der Ausschreibung der Philosophieabteilung der Académie des Sciences morales et politiques zum Thema „Du sommeil au point de vue psychologique“ (Über den Schlaf aus psychologischer Sicht) einzureichen (RMD 9 f.). Aufgrund seiner mangelnden Fachkenntnisse gelang es ihm jedoch nicht, eine Traumtheorie aufzustellen (RMD 8 f.). Stattdessen zog er es vor, bis nach Abschluss des Wettbewerbs zu warten und die Werke der drei 1854 von der Académie ausgezeichneten Autoren - Albert Lemoines Du sommeil au point de vue physiologique et psychologique (Über den Schlaf aus physiologischer und psychologischer Sicht, 1855), Alfred Maurys Le sommeil et les rêves (Der Schlaf und die Träume, 1861) und Maurice Martin Antonin Macarios Du sommeil, des rêves et du somnambulisme dans l’état de santé et de maladie (Über den Schlaf, die Träume und den Somnambulismus bei gesunden und kranken Menschen, 1857)) - kritisch in seiner Traumstudie zu besprechen (RMD 8–11, 144).

1867 wurde RMD, Hervey de Saint-Denys’ einziges Werk zum Traum, schließlich anonym publiziert. 11 Jahre später lüftete Alfred Maury, ebenfalls Professor am Collège de France, in der Wiederauflage seines Werks Le Sommeil et les rêves (1878) das Geheimnis der Autorschaft (Den Blaken/Meijer 1991).

Aufgrund der geringen Auflage fand Hervey de Saint-Denys’ Traumstudie zunächst kaum Resonanz (LaBerge 1988, 15). Selbst Sigmund Freud gelang es nicht, ein Exemplar davon zu erwerben (ebd.), sodass er, wie viele andere, auf Sekundärquellen wie Maurys Le Sommeil et les rêves (1878) oder Nicolas Vaschides Le Sommeil et les Rèves (1911) zurückgreifen musste, in denen Herveys Werk besprochen wurde (Den Blaken/Meijer 1991). Die anfangs geringe Rezeption des Werkes war zum Teil auch seinem ungewöhnlichen Titel geschuldet. Da das Phänomen des luziden Träumens zu Hervey de Saint-Denys’ Zeit noch kaum bekannt war, hielten viele das Steuern der eigenen Träume für eher unwahrscheinlich und sahen von einer Lektüre ab, da der Titel des anonymen Werkes sie okkultistische Praktiken vermuten ließ (Schwartz 1972, 133). Hinzu kommt, dass Hervey in der Einleitung bereits all jene, die die Aufrechterhaltung des Verstandes im Traum für abwegig halten, dazu auffordert, sein Buch gar nicht erst aufzuschlagen (RMD 3). Dies mag sicherlich von manch potentiellem Leser als Arroganz aufgefasst worden sein.

Nach der Insolvenz seines Verlegers Amyot machte Hervey de Saint-Denys keine Anstalten, eine Neuauflage seines Werkes in die Wege zu leiten (Carroy 2013, 67). Dies lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass seine akademische Stellung zu diesem Zeitpunkt durch den Lehrstuhl am Collège de France und seine Mitgliedschaft an der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres bereits gesichert war (ebd.). Auch gegen die Kritik Maurys, der ihm in der Wiederauflage seines Werkes Le Sommeil et les rêves (1878) unter anderem vorwarf, keine echten Träume, sondern Tagträume beziehungsweise beschönigte Träume zu präsentieren, nahm Hervey nicht öffentlich Stellung (ebd., 67 f.). Erstaunlicherweise steigerte gerade Maurys Kritik den Bekanntheitsgrad von Herveys Werk derart, dass es gegen Ende des 19. Jahrhunderts bereits zu einem regelrechten Klassiker geworden war (ebd., 67).

1964 gab der Verleger Claude Tchou in Paris eine Neuauflage von Herveys Traumstudie heraus. Im Unterschied zur ersten Auflage wurde der Titel auf Les rêves et les moyens de les diriger gekürzt und dem Werk eine Kurzbiographie des Autors vorangestellt. Die Zeichnungen des Frontispizes und der Appendix der ersten Auflage sind jedoch nicht mehr enthalten. Noch gravierender erscheint, dass der Herausgeber dieser zweiten Auflage teilweise seine eigenen Fußnoten mit denen des Originals vermischt und überdies Änderungen am Originaltext nur unzureichend kennzeichnet (Den Blaken/Meijer 1991). 1982 folgt eine gekürzte Version der zweiten französischen Auflage auf Englisch durch Morton Schatzman. In dieser sind ebenfalls weder die Abbildungen noch der Appendix der Erstausgabe enthalten. Auf Deutsch ist das Werk bis heute nicht erschienen.


Inhalt

Aufbau und Methode

Frontispiz

Frontispiz Les rêves et les moyens de les diriger (1867)
Das Frontispiz von Les rêves et les moyens de les diriger (1867) spiegelt bereits dessen Thematik wider. Die sechs kleinen Abbildungen im unteren Teil des Frontispizes zeigen hypnagoge Bilder, die Hervey seinen Aufzeichnungen entnommen hat (RMD 421 f.). Als Vorhut des Traums leiten die hypnagogen, beim Einschlafen eintretenden Halluzinationen direkt in einen Traum über, der in der oberen Hälfte abgebildet ist (RMD 421). Dabei handelt es sich um einen der Träume, die durch Zuführen externer Reize (in diesem Fall zweier auf das Kopfkissen getröpfelter Parfums) in eine bestimmte Richtung gelenkt worden waren (RMD 380 f.).

Mithilfe seiner Traumstudie beabsichtigt Hervey de Saint-Denys, die von ihm entwickelte Kunst des guten Träumens an seine Leser weiterzugeben (Carroy 2013, 56), wie schon der Untertitel Observations pratiques verdeutlicht. Die Leserschaft soll jedoch nicht nur weitergebildet, sondern auch unterhalten werden und bei der Lektüre des stilistisch anspruchsvollen Werkes einen ästhetischen Genuss verspüren (Carroy 2013, 59). Herveys anekdotenhafte, in populärwissenschaftlichem Stil verfasste Traumstudie erhebt demnach durchaus einen künstlerischen Anspruch und besitzt eine innere Logik, ohne jedoch der strengen Struktur eines wissenschaftlichen Lehrbuchs unterworfen zu sein (Carroy 2013, 59). Der Autor ist vielmehr bestrebt, einen Mittelweg zwischen einer literarischen Neuerfindung seiner Träume und einer detailgenauen wissenschaftlichen Transkription derselben zu finden und riskiert dabei, ebenso wie im Falle seiner Übersetzungen, der mangelnden Präzision und Authentizität beschuldigt zu werden (ebd., 61 f.).

Werkstruktur

Das Buch ist in drei Teile untergliedert und enthält einen Appendix Un rêve après avoir pris du hatchich (Ein Traum nach der Einnahme von Haschisch) zu drogeninduzierten Träumen. Im ersten Teil der Traumstudie geht der Autor auf den Entstehungskontext seines Werkes sowie seine Qualifikationen als Traumforscher ein und nennt die grundlegenden Thesen, die er zu belegen gedenkt. Der zweite Teil vermittelt einen Überblick über Traumkonzeptionen in verschiedenen Kulturen und Epochen, angefangen von der Antike bis hin zu zeitgenössischen modernen Traumtheorien. Diese unterzieht Hervey de Saint-Denys einer kritischen Betrachtung und lässt seine eigenen empirischen Beobachtungen bezüglich Schlaf und Traum miteinfließen. Die Nachweise für seine Thesen liefert er jedoch erst im dritten Teil des Werkes, indem er auf seine im Vorfeld und Verlauf des Traums durchgeführten Experimente eingeht und die Methoden erläutert, die er zur Steuerung seiner Träume oder zur Erhaltung des Wachbewusstseins im Traum angewandt hat.

Methode

Im 19. Jahrhundert war Schlaf- und Traumforschung ein Bereich, dem sich sowohl Spezialisten aus der Medizin, der Philosophie etc. als auch interessierte Laien mit Kompetenzen in anderen Bereichen widmeten (Carroy 2013, 55). Hervey gehört der zweiten Gruppe an, wie er selbst im ersten Teil seines Werkes bekennt: „L’auteur n’est point docteur en médecine, encore moins en philosophie“ (RMD 3). Seine Qualifikation für die Traumforschung sieht er in seinen langjährigen Traumaufzeichnungen, seiner guten Traumerinnerung und der Fähigkeit, luzide zu träumen (RMD 3–6). Bereits als Jugendlicher hält er seine Träume in Zeichnungen und Traumtagebüchern fest (RMD 4). Dadurch gelingt es ihm, seine Traumerinnerung derart zu steigern, dass er sich seiner Träume nahezu jede Nacht entsinnt (RMD 4 f.), was ihn zu der Annahme verleitet, dass es keinen Schlaf ohne Träume gebe (RMD 4 f., 14). Zudem entwickelt er im Zuge seiner Aufzeichnungspraxis die Fähigkeit, sich im Schlaf des Traumzustandes bewusst zu werden und den eigenen Traum zu lenken (RMD 4–6). Diese sogenannten luziden Träume ermöglichen es ihm, die Funktionsweise des Traums noch im Verlauf desselben zu untersuchen und nach Belieben zu erwachen, um die gewonnenen Erkenntnisse sogleich zu Papier zu bringen (RMD 6). Hervey de Saint-Denys setzt sich demnach nicht nur als „savant rêveur“ (Carroy 2013, 61), sondern auch als „rêveur savant“ (ebd.) in Szene (ebd.). Aufgrund seiner mangelnden Fachkenntnisse sieht er sich jedoch nicht als Traumtheoretiker, sondern lediglich als Beobachter, der ähnlich einem Reisenden seine fehlenden wissenschaftlichen Kenntnisse durch die Genauigkeit seiner Beobachtungen kompensiert und es anderen überlässt, das bereitgestellte Material zu komplettieren und daraus eine Theorie abzuleiten (RMD 8, 11 f.).


Der Traum und die ihm zugrundeliegenden Mechanismen

Definition und Klassifikation von Träumen

In seinen Untersuchungen geht Hervey de Saint-Denys von einer Grunddefinition des Traums als „la représentation aux yeux de notre esprit des objets qui occupent notre pensée“ (RMD 18) aus. Vor dem geistigen Auge des Träumers werden folglich nur solche Gegenstände abgebildet, die bei Tage in seinen Gedanken präsent waren. Anders als der Mediziner Jacques-Louis Moreau de la Sarthe, der im Dictionnaire des Sciences médicales (1820) zwischen ›rêve‹ als Oberbegriff für morbide und gewöhnliche Träume und ›songe‹ als Bezeichnung für nicht morbide, realitätsbezogene Träume unterscheidet (RMD 101 f.), sieht Hervey de Saint-Denys diese Termini als Synonyme an (RMD 89).

Je nach zugrundeliegender Ursache unterscheidet Hervey zwischen:

1. Träumen, die durch reine Ideenassoziation hervorgerufen werden;

2. Träumen, die durch interne Empfindungen verursacht werden;

3. Träumen, die durch externe Reize ausgelöst werden (RMD 195 f.).

Gleichsam nimmt er auf der Ebene der Wahrnehmung und der inhaltlichen Verknüpfung der Traumbilder eine Unterteilung in luzide - (visuell) deutlich erkennbare, kohärente - Träume (RMD 260, 272, 276, 282, 349, 464, 469) und verschwommene, zusammenhanglose Träumen vor (RMD 276). Die Schärfe der Traumbilder hängt, nach Hervey, von der Qualität der zugrundeliegenden Erinnerungsnegative ab (RMD 20), derer sich das Subjekt nicht immer entsinnt, sodass es zuweilen glaubt, im Traum Dinge und Personen zu sehen, die ihm in der Realität noch nie begegnet sind (ebd.). Generell zeichnen sich die Traumbilder nur sehr selten mit gleicher Deutlichkeit ab; der Traum erscheint vielmehr als Patchwork-Teppich bestehend aus klar erkennbaren und verschwommenen, älteren verblichenen Erinnerungsnegativen (RMD 172).

Unter dem Begriffs ›rêve lucide‹ fasst Hervey de Saint-Denys jedoch insbesondere solche Träume, in denen der Träumer derart luzide im Sinne von scharfsinnig ist, dass er sich des Träumens bewusst ist, die Traumumgebung klar und deutlich wahrnimmt und darüber hinaus auch den Handlungsverlauf bewusst zu steuern vermag (RMD 27–30, 256, 260, 273 f., 451). Im Gegensatz zu Moreau de la Sarthe, demzufolge luzide (d.h. visuell deutliche) Träume nicht kohärenter sind als gewöhnliche Träume, sondern lediglich intensiv wahrgenommen und besonders gut erinnert werden, stellt die Erinnerbarkeit des Traums für Hervey kein Kriterium für Luzidität dar (RMD 109). Dagegen sieht er das bewusste Träumen und die sich daraus ergebende Möglichkeit der Traumsteuerung, die Moreau de la Sarthe aufgrund seiner Vorstellung der Aufhebung intellektueller Fähigkeiten im Schlaf ausschließt, als essentielle Aspekte luziden Träumens an (RMD 109 f.).

Wie entsteht ein Traum?

Nach Hervey de Saint-Denys spielt das Gedächtnis bei der Traumbildung eine wesentliche Rolle. Es ist vergleichbar mit einem Fotoapparat, der tagsüber permanent die Eindrücke des Lebens in Bildern festhält und diese Erinnerungsnegative („clichés-souvenirs“, RMD 20) ähnlich einer Kollodiumplatte, meist ohne das Wissen des Subjekts, reflektiert und abspeichert (RMD 18 f.). Somit fungiert das Gehirn gleichsam als Aufnahmegerät, Projektionsfläche und Archiv. Unter Bezugnahme auf die Ausführungen Lemoines, Stewarts und Maurys bekräftigt Hervey de Saint-Denys, dass ein Traum durch das Zusammenwirken einer „mémoire-imaginative“ und einer „imagination“ zustande kommt (RMD 211, 301, 304 f.). Während das Gedächtnis im Traum lediglich aus dem Archiv der Erinnerungen einen der unzähligen Eindrücke des Wachlebens erneut heraufbeschwört, ist die Vorstellungskraft mit der innovativen Anordnung und neuartigen Kombination dieses Erinnerungsmaterials betraut (RMD 210 f., 277, 301 f.).

Wie erklärt sich die Inkohärenz mancher Träume?

Nach Hervey ist die Zusammenhanglosigkeit mancher Träumer der assoziativen Aneinanderreihung (etwa nach formalen Analogien), der abstrakten Verknüpfung oder Überlagerung von clichés-souvenirs geschuldet (RMD 38–42, 178, 410 f.). Dadurch ergeben sich bizarre, heterogene Bilder, die denen der Laterna Magica vergleichbar sind, wenn dort zwei Gläser mit Figuren aus verschiedenen Erzählungen neben- oder gar übereinandergelegt werden, sodass daraus ein Fabelwesen entsteht (RMD 40 f.).

Gibt es eine Schlafphase ohne Träume?

Im Rahmen seiner empirischen Untersuchungen belegt Hervey de Saint-Denys Lemoines These (RMD 78 f., 148 f.) des beständigen Träumens im Schlaf (RMD 245–247, 250). Er lässt sich in der ersten Schlafphase, dem sogenannten Tiefschlaf, insgesamt 160 Mal wecken und kann sich nach dem Erwachen stets an einen in Bildern zur Anschauung kommenden Gedanken erinnern (RMD 250). Auch bei einem Freund gelingt ihm dieser Nachweis (RMD 251 f.). Selbst nach dem Erwachen aus anderen Schlafphasen kann Hervey sich an seine Träume erinnern (RMD 245, 265 f.). Damit entkräftet er auch die Vorstellung einiger seiner Zeitgenossen, die behaupten, dass in der ersten Schlafphase der Lähmungszustand der Organe am größten und die Denkfähigkeit ausgelöscht sei (RMD 246 f.). Hervey stellt vielmehr sogar fest, dass die Traumbilder umso deutlicher und lebhafter erscheinen, je tiefer der Schlaf ist (RMD 260, 268).


Denkfähigkeit und Willensausübung im Traum

Ist ein Träumer imstande zu denken? Über diese Frage entbrannte bereits im 18. Jahrhundert ein Streit zwischen Materialisten und Idealisten, auf den Hervey de Saint-Denys in seinem Werk eingeht. Er wendet sich dabei sowohl gegen die Auffassung von Idealisten wie Erasmus Darwin (Zoonomia, 1794/96), der behauptet, dass ein Abgleich der präsentierten Informationen mit dem bereits erworbenen Wissen im Traum nicht möglich sei, wie auch gegen die des Philosophen und Historikers Jean Henri Samuel Formey (Mélanges philosophiques, 1754), der davon ausgeht, dass der Träumer die Ideen im Traum unreflektiert hinnimmt (RMD 85). Auch distanziert er sich von der noch radikaleren Vorstellung von Materialisten wie Herman Boerhaave, der dem Träumer Gedächtnis, Aufmerksamkeit des Geistes und ein Bewusstsein seiner selbst abspricht (RMD 85).

Eher teilt er Pierre-Jean-Georges Cabanis’ Auffassung (Rapports du physique et du moral de l‘homme, 1802), dass Wille und Denkfähigkeit im Schlaf erhalten bleiben, knüpft diese These jedoch nicht an die charakterliche und intellektuelle Brillanz des Träumers (RMD 69–71, 245). Bezüglich der Gedankenführung bei Tag und bei Nacht stimmt er teilweise Formey zu, der die Gedanken mit Pferden vergleicht, die tagsüber eingespannt und im idealen Falle eines erholsamen Schlafes ausgespannt werden und in Träumen Gestalt annehmen (RMD 77). Hervey zufolge ist der Traum gerade die Form, in der das Denken im Schlaf in Erscheinung tritt (RMD 150). Im Unterschied zur Realität nimmt der Gedanke des Schlafenden dabei unmittelbar Gestalt an und wird zu einem mehr oder weniger deutlich zutage tretenden Traumbild (RMD 150). Anders als Formey hält Hervey de Saint-Denys es jedoch für möglich, dass der Pferdebesitzer (der Träumer), sofern er sich des Traumzustandes bewusst ist, die freilaufenden Tiere (Gedanken) bei Bedarf wieder einspannt und in eine beliebige Richtung lenkt (RMD 77 f., 276). Eingeschränkt wird die Willensausübung des Träumers dabei einzig dadurch, dass die Gedankenbildung zuweilen unwillkürlich abläuft, sodass er sich zeitweilig unwillentlich in einer misslichen Situation wiederfindet, aus der er sich jedoch sogleich durch einen korrigierenden Gedanken zu befreien vermag (RMD 417, 435 f., 474).

Machtlos ist der Wille des Träumers auch – hierin ist sich Hervey de Saint-Denys mit Théodore Jouffroy (Nouveaux mélanges philosophiques, 1842) und Dugald Stewart (Essay on Dreaming, 1814) einig – im Hinblick auf den physischen Körper, der ruhig im Schlafzustand verweilt, während der Traumkörper in verschiedenste Handlungen involviert ist (RMD 80 u. 117). Ferner hält Hervey es für unmöglich, dass der Wille und die Aufmerksamkeit, die im Gegensatz zu Gedächtnis und Vorstellungskraft zuweilen der Erholung bedürfen (RMD 96), im Traum permanent aktiv sind. Dies begründet er dadurch, dass immer wieder Träume eintreten, in denen der Geist sich dem Geschehen passiv hingibt (RMD 43, 274), ein interner beziehungsweise externer Reiz neue Traumbilder heraufbeschwört, die der Verstand nicht zurückzudrängen vermag, oder die Ideenassoziation derart spontan abläuft, dass der Geist sie nicht aufzuhalten vermag (RMD 168 f., 274).

Im Gegensatz zu Stewart, der in seinem Essay on Dreaming (1814) die Aufhebung jeglicher geistiger und perzeptiver Fähigkeiten im Traum annimmt, ist Hervey de Saint-Denys davon überzeugt, dass der Verstand im Traum ebenso wie im Wachleben Zugang zu den sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten hat und sie gezielt zur Beobachtung und kritischen Beurteilung der Traumwelt einsetzt (RMD 85 f.). Der Träumer verfügt für ihn letztlich über dasselbe Maß an freiem Willen und dieselben perzeptiven wie intellektuellen Fähigkeiten wie in der Realität (RMD 152, 270 f.).


Bewusste und unbewusste Formen der Traumsteuerung

Nach Hervey de Saint-Denys können Träume durch das Zusammenwirken von Aufmerksamkeit und Wille des Träumers gesteuert werden (RMD 269). Grundsätzlich unterscheidet er zwischen unbewussten und bewussten Formen der Traumsteuerung, die in unterschiedlichen Bewusstseinsstadien (vom Wach-, Traumzustand oder hypnagogen Zustand aus) praktiziert werden können.

Unbewusst kann der Träumer Einfluss auf seine Träume nehmen, wenn sich seine Aufmerksamkeit auf eine der im Traum an ihm assoziativ vorüberziehenden Ideen richtet, sodass er sie weiterverfolgt, ohne sich bewusst zu sein, dass er mittels seiner „attention dirigeante“ (RMD 193) das Ruder des Traums selbst in die Hand genommen hat (RMD 190-193). In diesem Fall wird die Ideenassoziation zwar fortgesetzt, sie verweilt jedoch innerhalb des Themenbereichs des Bildes, dem der Träumer unbewusst seine Aufmerksamkeit geschenkt hat (RMD 191-193). In Alpträumen schüttelt die Seele ferner zuweilen willentlich den Schlaf ab und zwingt den sich widersetzenden Organismus des Träumers zum Erwachen (RMD 198 f.). Zwar ist eine Steuerung des eigenen Traums so auch ohne ein Bewusstsein des Traumzustandes möglich, jedoch bleiben die Interventionsmöglichkeiten deutlich eingeschränkter als in luziden Träumen.

Ein bewusstes Steuern der eigenen Träume ist auf dreierlei Weise möglich (RMD 476):

1. Das Induzieren von Träumen vom Wachzustand aus: Indem das Subjekt in der Wachwirklichkeit Erinnerungen, von denen es träumen möchte, mit gewissen Sinneseindrücken verknüpft, können diese Erinnerungsbilder durch Zuführung der entsprechenden externen Reize während des Traums hervorgerufen werden.

2. Das Steuern des Traumverlaufs durch bewusstes Denken an den gewünschten Trauminhalt.

3. Das Erkennen des eigenen Traumzustandes – eine Fähigkeit, die durch das Führen eines Traumtagebuchs erlernt werden kann.

Traumsteuerung durch externe Reize

Hervey selbst hält es für möglich, willentlich Träume durch bestimmte während des Schlafes eingestreute Reize hervorzurufen, die das Subjekt zuvor im Wachzustand mit den gewünschten Inhalten assoziativ verknüpft hat (RMD 376). So gelingt es ihm durch den Duft eines Parfums, das sein Diener zu einem ihm unbekannten Zeitpunkt auf sein Kissen träufeln sollte, im Traum die Erinnerung an seine Zeit in Vivarais wachzurufen, wo er ebendieses Parfum konsequent verwendete (RMD 376–378). Dieselbe Traumlenkungstechnik glückt Hervey auch mit auditiven, olfaktorischen und taktilen Reizen (RMD 396–404) und wird von ihm unter anderem zur Überwindung wiederkehrender Alpträume eingesetzt (RMD 455–457).

Willentliche Steuerung des Traums vom hypnagogen Zustand aus

Im Gegensatz zu Maury, der annimmt, dass hypnagoge Halluzinationen nur bei bestimmten Personen auftreten, geht Hervey davon aus, dass diese Bilder, die er als Vorbote des Schlafes und des Traums ansieht, grundsätzlich Bestandteil des Schlafvorgangs sind und dass sie beeinflusst werden von den letzten Gedanken, mit denen sich der Verstand beschäftigt hat (RMD 220–222). Im Rahmen seiner Experimente gelingt es ihm, durch Denken an den gewünschten Trauminhalt im Moment des Einschlafens diesen in die Phase der hypnagogen Bilder und durch Festhalten eines dieser Bilder in den Traum zu transferieren (RMD 256, 258 f., 261). Damit belegt er, dass sich der Übergang vom Wachzustand in den (Klar-)Traum stufenweise vollzieht, ohne dass die Denkfähigkeit dabei verloren geht (RMD 259, 268).

Bewusstes Erleben und Steuern des Traums durch den luziden Träumer

Albert Lemoine versteht unter dem Bewusstsein die Fähigkeit, aufmerksam die eigenen Empfindungen und Gedanken zu beobachten (RMD 205). Seiner Ansicht nach verfügt der Mensch jedoch lediglich über ein retrospektives Bewusstsein des Traums und kann sich nicht im Verlauf desselben seines Zustandes bewusst werden (RMD 205 f.). Hervey widerspricht Lemoine in dieser Hinsicht und betont, dass es ihm und unter seiner Anleitung mehreren seiner Freunde in einem Zeitraum von drei Monaten über das Führen eines Traumtagebuchs gelungen sei, die Fähigkeit des bewussten Träumens zu erlernen, die Voraussetzung für das gezielte Steuern des eigenen Traums ist (RMD 206 f.). Er gesteht jedoch ein, dass die Mehrheit der Menschen ohne Training nur selten im Traum Bewusstsein erlangt (RMD 206).

Um sich insbesondere in „rêves très lucides“ (RMD 464), sehr detailreichen realitätsnahen Träumen, des Traumzustandes bewusst zu werden, testet Hervey de Saint-Denys, ob die physikalischen Gesetze der Realität noch wirksam sind (RMD 464 f.). Da er festgestellt hat, dass die Traumszene einer neuen weicht, wenn er sich kurz die Augen zuhält (RMD 284 f.), setzt er diese Methode zur Unterscheidung der ontologischen Ebenen ein: bleibt die Umgebung nach einem kurzen Schließen der Augen unverändert, so ist sie real, verändert sie sich, so gehört sie zum Inventar eines Traums (RMD 464 f.).

Ausmaß der Steuerbarkeit der Traumwelt

Die konkrete Traumkulisse sowie die darin stattfindenden Ereignisse sind zwar zunächst vom Gedächtnis und der Vorstellungskraft vorgegeben (RMD 211, 271, 301 f.), jedoch vermag der Träumer, sobald er sich des Träumens bewusst ist, durch Denken an den gewünschten Trauminhalt Änderungen daran vorzunehmen (RMD 271, 273 f., 299). Grundsätzlich kann der luzide Träumer nicht nur deutlich erkennbare, kohärente Träume lenken, sondern auch zusammenhanglose oder affektdominierte Träume einer selbstgewählten Ordnung unterwerfen (RMD 276). So ist er etwa imstande, Richtung und Art seiner Fortbewegung zu bestimmen (RMD 270–272). In einem seiner luziden Träume gelangt Hervey de Saint-Denys an eine Weggabelung, an der es ihm freisteht, zu entscheiden, welchen Weg er einschlägt, ob er kurz anhält oder seinem Pferd die Sporen gibt (RMD 271 f.). In diesem luziden Traum und vielen weiteren habe er, laut eigener Aussage, denselben freien Willen wie in der Realität besessen und Bilder gesehen, die in Vielfalt und Detailreichtum realen Eindrücken in nichts nachstehen (RMD 272 f.). Überdies gelingt es Hervey im Traum, willentlich verstorbene Personen, Bekannte und Objekte erscheinen zu lassen, Gegenstände umzupositionieren, sie gegen andere auszutauschen beziehungsweise generell in Gedanken, Wünsche zu formulieren, die sogleich im Traum in Erfüllung gehen (RMD 278 f.). Gleichsam bleibt jedoch die Spannung erhalten, da die Fantasie des Träumers für die optische Ausgestaltung seiner Willensakte verantwortlich ist (RMD 451 f.): „La fantaisie avait ici, comme la réalité, son libre arbitre, et l’initiative demeurait à ma volonté“ (RMD 452). Auch vermag Hervey angenehme Traumszenarien beizubehalten und unangenehme durch kurzzeitiges Schließen der Augen und Konzentrieren auf den gewünschten Trauminhalt auszutauschen oder sich ihnen durch willentliches Erwachen zu entziehen (RMD 29, 140, 156, 276, 283–285, 292). Um hingegen den Traum zu verlängern und ein Erwachen, das sich durch das allmähliche Verschwimmen der Traumbilder ankündigt, zu verhindern, empfiehlt Hervey de Saint-Denys, ein noch deutlich erkennbares Element der Traumumgebung oder die eigenen Hände anzuvisieren, wodurch alle übrigen Traumgegenstände wieder an Klarheit gewinnen (RMD 263, 449 f.).

Die Kontrolle, die der luzide Träumer auf den Traum auszuüben vermag, hat jedoch auch Grenzen. Als besonders schwierig erweist sich etwa die Rekonstruktion von Elementen aus vergangenen Träumen, was Hervey im luziden Traum letztlich nur durch Schließen der Augen glückt (RMD 283). Um auszutesten, wie Imagination und Gedächtnis mit einem in der Realität nie erlebten Vorgang umgehen, unternimmt Hervey de Saint-Denys mehrmals vergeblich den Versuch, im Traum Suizid zu begehen (RMD 286–288). Es scheint jedoch, als ob eine innere Kraft, möglicherweise das Unbewusste des Träumers, ihn von dem Tabubruch des Selbstmordes abzuhalten versuche. Dahingegen gelingt es Hervey, sich im Traum willentlich selbst zu verletzen, ohne dabei Schmerz zu empfinden (RMD 460). Weiterhin scheint es unmöglich, dynamische Traumelemente wie etwa Gesichter länger anzuvisieren, ohne dass diese eine Reihe von Transformationen durchmachen (RMD 290 f.). Auch das Lesen von Texten gelingt nur, sofern der entsprechende Textinhalt in der Erinnerung und Vorstellungskraft des Träumers präsent ist (RMD 466 f., 470). Der geschriebene Text ist dabei nur ein Nebenprodukt des erinnerten Inhalts (RMD 467). Ist hingegen nur ein Bild des Aussehens eines Buches, Briefes oder Manuskriptes im Gedächtnis abgespeichert, so bleibt dessen Inhalt auch im Traum unzugänglich (RMD 466 f.). Obgleich, Hervey zufolge, die Erinnerungsfähigkeit im Traum oftmals sehr viel stärker ausgeprägt ist als im Wachzustand (RMD 306, 310 f.), scheitern einige seiner Traumexperimente gerade daran, dass das Gehirn nicht die passenden Erinnerungen zu den Traumbildern aufzurufen vermag (RMD 298).

Wie luzide ist ein luzider Träumer?

Die Fähigkeit des Träumers, rational zu denken und sich zu erinnern reicht, nach Hervey de Saint-Denys’ Erfahrungen, über das Erkennen des Traumzustandes, der eigenen Willens- und Gestaltungsfreiheit bis hin zum Reflektieren über zeitgenössische Traumtheorien (RMD 450 f.) und der korrekten Zuordnung von außen eindringender Reize (RMD 296). Dadurch, dass Herveys Muskelbewegungen zuweilen unwillkürlich mit den Bewegungen des Traumkörpers korrelieren, wird er sich überdies seines schlafenden physischen Körpers bewusst (RMD 453), den er jedoch selbst als luzider Träumer nicht zu steuern vermag (RMD 83). Jedoch reicht das Körperbewusstsein in einigen Fällen so weit, dass Hervey im Rahmen eines selbst eingeleiteten Erwachens auf den eigenen schlafenden Körper herabzublicken glaubt, bevor er abermals davon Besitz ergreift (RMD 470).

Zeitweise büßt Hervey de Saint-Denys jedoch auch seine Gewissheit bezüglich des Traumzustandes ein (RMD 324). So beginnt er etwa während des Traums, seine Erfahrungen aufzuschreiben, erkennt jedoch im nächsten Moment bereits, dass dies zwecklos ist und leitet sein Erwachen ein (RMD 324). Auch kommt es vor, dass er im luziden Zustand eine Traumfigur, die in Gestalt seines Freundes erscheint, auffordert, sich den Traum einzuprägen, damit sie sich am Folgetag darüber unterhalten können (RMD 448). Das Bewusstsein des luziden Träumers bezüglich des Traumzustandes oder hinsichtlich einiger traumimmanenter Implikationen wie der Fiktionalität der Traumgegenstände und -figuren ist demnach nicht immer durchgehend vorhanden, sondern wird von Perioden des Vergessens durchbrochen (RMD 324, 448).

Das Erkenntnis- und (künstlerische) Inspirationspotenzial des (bewusst erlebten) Traums

Allein der Vorgang der Traumbildung ist, nach Hervey de Saint-Denys, bereits mit der Arbeit eines Künstlers vergleichbar, da durch die neuartige Kombination von Erinnerungen ästhetisch anspruchsvolle Kompositionen hervorgebracht werden (RMD 21). Die Nervenfasern im Gehirn, die entscheidend an der Traumbildung beteiligt sind, sieht Hervey als „cordes du violon sous les doigts de l’artiste“ (RMD 195) an und vergleicht sie mit einem Instrument, das durch die Inspiration des Künstlers (Träumers) ein musikalisches Motiv erklingen lässt (ebd.). In seinen bewusst erlebten Träumen ist Hervey de Saint-Denys zuweilen sogar explizit künstlerisch tätig, denn er verteilt beispielsweise unter den Figuren aus einem Roman François Fenelons die Rollen neu, verkehrt dessen Werk in eine Tragödie und versetzt sich selbst in die Theaterszenerie hinein (RMD 402).

Während die Konzentrationsfähigkeit, die Willensausübung und die Urteilskraft des Menschen im Traum zuweilen geschwächt sind, entfalten die Vorstellungskraft, das Gedächtnis und die sinnliche Wahrnehmung im Traum eine Ausweitung gegenüber dem Wachleben (RMD 475). Somit vermag der Träumer zwar kein rationales Meisterwerk im Traum zu erschaffen, aber der Traum eröffnet ihm neue, bisher so nicht gekannte Inspirationshorizonte (ebd.). Das inspiratorische Potenzial des Traums ist dabei unter anderem, hierin stimmt Hervey mit Lemoine überein, in der außergewöhnlichen Sensibilität jeglicher sinnlicher Wahrnehmung und insbesondere des ästhetischen Sinns begründet (RMD 202 f.).

So erschafft die Vorstellungskraft im Traum, wie Hervey anhand von Beispielen wie Guiseppe Tartinis Teufelstrillersonate hervorhebt, außergewöhnliche Konstrukte, die kognitiv wie emotional besonders intensiv erlebt werden (RMD 333–337). Im Traum können vor allem solche Tätigkeiten zu höchster Perfektion getrieben werden, die mehr Inspiration als Besonnenheit, Kritik- sowie Urteilsfähigkeit erfordern oder deren Untersuchungsgegenstände homogen und logisch erschließbar sind (RMD 123, 139 f., 334, 336 f.). Zu diesen Tätigkeitsbereichen zählen etwa die Musik, die Architektur, die Malerei, die Mathematik und Schach (RMD 140, 334, 340). Hinsichtlich der Erinnerbarkeit von im Traum gesehenen Kunstwerken weist Hervey darauf hin, dass der Klang eines Akkordes leichter einzuprägen sei als die Form eines Umrisses (RMD 472). Noch schwerer fällt die Erinnerung an im Traum zutage tretende literarische Werke, da diese ein heterogenes Konstrukt aus Wörtern sowie Ideen darstellen und daher nicht als Ganzes, sondern in all ihren Details eingeprägt werden müssten (RMD 334). In Fällen, in denen es Schriftstellern (wie etwa einem Freund Herveys) gelang, sich des im luziden Traum kreierten Werkes zu erinnern, folgte im Wachzustand die Ernüchterung angesichts von dessen sprachlicher Unausgereiftheit (RMD 334–336). Die Imaginationskraft scheitert demnach an der Konzeption stilistisch versierter literarischer Stücke, da diese eine Konzentration, selbstkritische Haltung und Urteilsfähigkeit voraussetzt, über die nicht einmal der luzide Träumer verfügt (RMD 334–338). Die Themenkonzeption eines literarischen Werkes, die auch in der Realität zuweilen Resultat einer plötzlichen Eingebung ist (RMD 337), kann jedoch im Traum vollbracht werden.

Ein wichtiger Erkenntnisaspekt des Traums liegt ferner im trauminternen Dialog mit dem eigenen Selbst. In luziden Träumen schwingt sich der Träumer oftmals unwissentlich zum Dramatiker mit ausgezeichnetem Talent für die Figurenzeichnung auf und lässt Bekannte im Traum ihre Meinung in einem Tonfall vortragen, wie sie es auch in der Realität getan hätten (RMD 313 f.). Dabei bewegt er sie dazu, Pro und Contra einer ihn beschäftigenden Angelegenheit zu diskutieren und lässt sie Argumente austauschen, die er selbst insgeheim bereits erwogen hat (RMD 315 f.). Über die Begegnung mit dem eigenen Selbst, verkörpert durch die Traumfiguren, trägt der Träumer somit innere Konflikte aus und gelangt zu neuen Erkenntnissen (RMD 315 f., 345 f.). In der Gestalt eines halb weißen, halb schwarzen Kindes, das behauptet er selbst zu sein, begegnet Hervey in einem seiner Träume sogar explizit sich selbst, wobei die Dualität der Farben möglicherweise Sinnbild seiner guten und schlechten Seiten ist, wie er selbst vermutet (RMD 345–347). Hervey de Saint-Denys schließt seine Untersuchung, indem er bekräftigt, dass er die Traumsteuerung nicht nur als ertragreich für den individuellen Inspirationsprozess und das private Vergnügen eines jeden Träumers ansieht, sondern auch für die Wissenschaft, insbesondere die Physiologie und Medizin (RMD, 477 f.).


Fazit

In Les rêves et les moyens de les diriger (1867) vermittelt Hervey de Saint-Denys einen umfassenden Überblick über die Funktionsweise des menschlichen Geistes in gewöhnlichen und luziden (bewusst erlebten und gesteuerten) Träumen. Dennoch weist seine Studie insbesondere hinsichtlich der wissenschaftlichen Vorgehensweise einige Schwächen auf, die dem Laienstatus des Autors geschuldet sein dürften. So ist Hervey insbesondere in seiner Verwendung des Begriffs ›rêve lucide‹ inkonsequent und referiert damit je nach Kontext mal auf visuell deutlich erkennbare, kohärente Träume mal auf bewusst erlebte, gelenkte Träume. Ferner gibt er zwar zunächst einen Forschungsüberblick, fügt jedoch, möglicherweise aufgrund seines populärwissenschaftlichen Schreibstils, nur wenige Fußnoten ein, sodass oftmals nicht klar ersichtlich ist, auf welche Passage eines Werkes er sich konkret bezieht. Auch lässt sich stellenweise nur schwer die Grenze zwischen der Darstellung von Traumtheorien anderer Forscher und Herveys Stellungnahme hierzu ausmachen, was auf die insgesamt recht undurchsichtige Binnenstruktur seines Werkes zurückzuführen sein dürfte. Die allzu umfangreiche Themenauflistung zu Beginn eines jeden Kapitels überfordert den Leser hier mehr, als dass sie zur besseren Orientierung beiträgt. Dagegen mangelt es an Zwischenüberschriften innerhalb der einzelnen Kapitel.

Im dritten empirischen Teil seiner Arbeit präsentiert Hervey de Saint-Denys schließlich zahlreiche Auszüge aus seinen Traumtagebüchern, die er zur Belegung seiner Thesen einsetzt. Allerdings macht er meist keine Angaben zu Entstehungsjahr und -kontext seiner Traumnotate und lässt diese vereinzelt gar unkommentiert stehen, sodass seine Abhandlung insbesondere gegen Ende des dritten Teils in Richtung einer Materialsammlung abdriftet. Auch lässt die Fokussierung auf eigene Traumerfahrungen die Studie an Objektivität einbüßen.

Trotz dieser Defizite ist das enorme Innovationspotenzial von Hervey de Saint-Denys’ Traumstudie unverkennbar. Er beschäftigt sich nicht nur als erster Traumforscher systematisch mit luziden Träumen und lotet in seinen Experimenten das Ausmaß der Steuerung des Traums sowie der Erhaltung des Bewusstseins im Traum aus, sondern nutzt die Fähigkeit des bewussten Träumens auch, um den Traum als geistig wacher Beobachter von innen heraus zu beleuchten. Dadurch gelingt es ihm, elementare Einsichten in die Genese und Funktionsweise des Phänomens Traums zu gewinnen. Zu Recht gilt Hervey de Saint-Denys demnach als Wegbereiter der modernen (Klar-)Traumforschung. 


Literatur

Ausgaben

  • Les rêves et les moyens de les diriger. Observations pratiques. Paris: Amyot 1867; online (= anonym publizierte Erstausgabe; zitiert als RMD)
  • Les Rèves et les moyens de les diriger. Vorwort von Robert Desoille. Hg. von Jacques Donnars. Paris: Tchou, Bibliothèque du Merveilleux 1964.
  • Les rêves et les moyens de les diriger. Vorwort von Robert Desoille. Plan de la Tour: Éditions d’Aujourd’hui 1977 [der Text entspricht der Ausgabe von Jacques Donnars, 1964].
  • Les Rèves et les Moyens de les diriger. Observations Pratiques. Île Saint-Denis: Éditions Oniros 1995 [Text der Erstausgabe].
  • Les rêves et les moyens de les diriger. Paris: Éditions Cartouche 2007.
  • Les rêves et les moyens de les diriger. Observations pratiques. Ouvrage sur le rêve lucide. Paris: Buenos book international 2008 [Reprint der Erstausgabe].
  • Dreams and How to Guide Them. Übers. von Nicholas Fry. Hg. von Morton Schatzman. London: Duckworth 1982.
  • Dreams and the Ways to Direct Them. Practical Observations. Hg. von Carolus den Blanken u. Eli Meijer. Utrecht: Den Blanken 2016 [Text der Erstausgabe einschl. Titelblatt, Frontispiz u. Appendix]; online.
  • I sogni i il modo di dirigerli. Übers. von Cristiana Maria Carbone. Rom: Phoenix 2000.
  • Dromen: Praktische Observaties. Bearbeitung, Übersetzung, Typografie und Layout durch Carolus Den Blanken. Utrecht: Den Blanken 2013; online.


Weitere Werke von Hervey de Saint-Denys

Monographien

  • Recherches sur l'agriculture et l'horticulture des Chinois et sur les végétaux, les animaux et les procédés agricoles que l'on pourrait introduire dans l'Europe occidentale et le nord de l'Afrique. Paris: Allouard et Kaeppelin 1850.
  • [zusammen mit Carlo Montelieto] Un roi [Ferdinand II, König der beiden Sizilien]. Paris: Allouard et Kaeppelin 1851; online.
  • Histoire de la révolution dans les Deux-Siciles depuis 1793. Paris: Amyot 1856; online.
  • La Chine devant l'Europe. Paris: Amyot 1859; online.
  • Mémoire sur l'histoire ancienne du Japon d'après le Ouen Hien Tong Kao de Ma-Touan-Lin. Paris: Imprimerie Nationale 1872; online.
  • Examen des faits mensongers contenus dans un libelle publié sous le faux nom de Léon Bertin. Paris: Heutte 1875; online.
  • Mémoire sur le pays connu des anciens Chinois sous le nom de Fou-Sang et sur quelques documents inédits pouvant servir à l’identifier. Paris: Imprimerie Nationale 1876.
  • Mémoire sur les doctrines religieuses de Confucius et de l'école des lettres. Paris: Imprimerie Nationale 1887.

Artikel in Sammelbänden und Zeitschriften

  • Mémoire sur l'éthnographie de la Chine centrale et méridionale d'après un ensemble de documents inédits tirés des anciens écrivains chinois. In: Mémoires de la Société d’Éthnographie 7 (1873), 109–134 online.
  • Sur le pays connu des anciens Chinois sous le nom de Fou-sang et de quelques documents inédits pouvant servir à l'identifier. In: Comptes rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 19 (1875) 4, 319–335; online.
  • Sur une notice de M. August Strindberg concernant les relations de la Suède avec la Chine et les pays tartares depuis le milieu du XVIIe siècle jusqu'à nos jours. In: Comptes rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 23 (1879) 2, 137–140; online.
  • L'Annam ou Tong-King et la Cochinchine au point de vue historique et philologique. In: Comptes rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 29 (1885) 4, 360–367; online.

Übersetzungen aus dem Chinesischen

  • Poésies de l'époque des Thang (VIIe, VIIIe et IXe siècles de notre ère). Traduites du chinois pour la première fois. Avec une étude sur l'art poétique en Chine et des notes explicatives. Paris: Amyot 1862.
  • Recueil de textes faciles et gradués en chinois moderne, avec un tableau des 214 clefs chinoises et un vocabulaire de tous les mots compris dans les exercices, publié à l'usage des élèves de l'École spéciale des langues orientales. Paris: Maisonneuve 1869.
  • Le Li-sao. Poéme du IIIe siècle avant notre ére. Paris: Maisonneuve 1870; online.
  • [zusammen mit Stan Julien] Ban Zaï Sau. Pour servir à la connaissance de l'Extrême-Orient. Hg. von François Turrettini. 4 Bde. Genf: Georg 1873–1880.
  • Éthnographie des peuples étrangers à la Chine. Pays situés à l'orient de l'Empire chinois. Ouvrage composé au XIIIe siècle de notre ère par Ma-Touan-Lin. 2 Bde. Genf: Georg 1876; online.
  • Trois nouvelles chinoises. Paris: Leroux 1885; Neuauflage in: Six nouvelles chinoises. Paris: Bleu de Chine 1999.
  • Trois nouvelles chinoises. La tunique de perles, Un serviteur méritant et Tang le Kiai-youen. Paris: Dentu 1889.
  • Six nouvelles nouvelles. Paris: Maisonneuve 1892; Neuauflage in: Six nouvelles nouvelles chinoises. Paris: Bleu de Chine 1999.
  • Kin-kou-k’i-kouan: Douze nouvelles chinoises. Traduites pour la première fois par le Marquis d’Hervey-Saint-Denys. Québec: Pierre Palpant 2006 (Gesamtausgabe aller von Hervey de Saint-Denys übersetzten chinesischen Novellen); online.

Übersetzungen aus dem Spanischen

  • Le Poil de la prairie. Comédie en cinq actes de Don Manuel Breton de Los Herreros. Paris: Boulé 1847; online.
  • Insurrection de Naples en 1647. Étude historique de Don Ángel de Saavedra, Duc de Rivas. 2 Bde. Paris: Amyot 1849; online.


Quellen von Hervey de Saint-Denys

  • Cabanis, Pierre-Jean-Georges: Rapports du physique et du moral de l’homme. 2 Bde. Paris: Crappart, Caille et Ravier 1802; online Bd. 1, Bd. 2.
  • Darwin, Erasmus: Zoonomia. Or the Laws of Organic Life. 2 Bde. London: Johnson 1794 (Bd. 1)/1796 (Bd. 2); online Bd. 1, Bd. 2.
  • Formey, Jean Henri Samuel: Mélanges philosophiques. Leyde: Luzac 1754; online.
  • Jouffroy, Théodore: Nouveaux mélanges philosophiques. Précédés d’une notice et publiés par Philibert Damiron. Paris: Joubert 1842; online.
  • Lemoine, Albert: Du sommeil au point de vue physiologique et psychologique. Paris: Baillière 1855; online.
  • Macario, Maurice Martin Antonin: Du sommeil, des rêves et du somnambulisme dans l’état de santé et de maladie. Paris: Perisse frères 1857; online.
  • Maury, Alfred: Le sommeil et les rêves. Études psychologiques sur ces phénomènes et les divers états qui s’y rattachent; suivies de Recherches sur le développement de l’instinct et de l’intelligence dans leurs rapports avec le phénomène du sommeil. Paris: Didier 1861; online.
  • Moreau de la Sarthe, Jacques-Louis: Rêve [1820]. In: Amédée Dechambre/Mathias Duval/Léon Lereboullet (Hg.): Dictionnaire usuel des sciences médicales. 2. erw. Aufl. Paris: Masson 1892, 1431; online.
  • Moreau de la Sarthe, Jacques-Louis: Songe [1820]. In: Amédée Dechambre/Mathias Duval/Léon Lereboullet (Hg.): Dictionnaire usuel des sciences médicales. 2. erw. Aufl. Paris: Masson 1892, 1535; online.
  • Müller, Johannes: Der speciellen Physiologie sechstes Buch. Vom Seelenleben. In: Ders.: Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. 2 Bde. (1833/40) Bd. 2, Coblenz: Hölscher 1840, 505–588; online.
  • Stewart, Dugald: Essay on Dreaming. In: Ders.: Elements of the Philosophy of the Human Mind. 3 Bde. (1792–1827). Bd. 1, London: Creech, Strahan u. Cadell 1792, 289–339.


Forschungsliteratur

  • Bertrand, Alexandre: Annonce du décès de M. le marquis Léon d'Hervey de Saint-Denys, membre de l'Académie. In: Comptes rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 36 (1892) 6, 377; online.
  • Bertrand, Alexandre: Paroles prononcées par le Président de l'Académie à l'occasion de la mort de M. le marquis d'Hervey-Saint-Denys. In: Comptes rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 36 (1892) 6, 392–397; online.
  • Carroy, Jacqueline: La force et la couleur des rêves selon Hervey de Saint-Denys. In: Rives méditerranéennes 44 (2013), 53–68; online.
  • Carroy, Jacqueline: Nuits Savantes. Une Histoire Des Rêves (1800–1945). Paris: Éditions de l'École des hautes études en sciences sociales 2012.
  • Chaperon, Danielle: Hervey de Saint-Denys: projections intérieures. Réflexion sur la prégnance des modèles optiques dans la théorie du rêve au XIXe siècle. In: Vincent Barras u. a. (Hg.): Visions du rêve. Genf: Georg 2002, 75–93.
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  • Den Blanken, M. Carolus/Eli J. G. Meijer: A Historical View of Dreams and the Ways to Direct Them. Practical Observations by Marie-Jean-Léon LeCoq, le Marquis d'Hervey-Saint-Denys. Revised Edition. In: Lucidity Letter 10 (1991), 311-322; online.
  • Deslauriers, Daniel: Dreaming and Transpersonal Psychology. In: Harris L. Friedmann/Glenn Hartelius (Hg.): The Wiley-Blackwell Handbook of Transpersonal Psychology. Chichester: John Wiley & Sons 2013, 512–528.
  • Formentelli, Eliane: Breton, Freud, Hervey de Saint-Denys et l'idéogramme du rêve. In: Christian Descamps (Hg.): Surréalisme et philosophie. Paris: Éditions Centre Georges Pompidou-Ircam 1992, 113–124.
  • Holzinger, Brigitte: Der luzide Traum. Phänomenologie und Physiologie [1994]. 2. Aufl. Wien: WUV-Universitätsverlag 1997.
  • L’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres: Léon d’Hervey de Saint-Denys (1822 - AIBL 1878 - 1892). Entre science et rêve. Un patrimoine révélé. A l’occasion de la Journée du Patrimoine. Paris 2012; online.
  • LaBerge, Stephen: Lucid Dreaming in Western Literature. In: Ders./Jayne Gackenbach (Hg.): Conscious Mind, Sleeping Brain. Perspectives on Lucid Dreaming. New York, London: Plenum Press 1988, 11–26.
  • Lucarelli, Antonella: Alfred Maury and Léon Hervey de Saint-Denis. An Approach to the Study of Dream in France in the Second Half of the XIXth Century. In: Piero Salzarulo/Patrizia Violi (Hg.), Dreaming and Culture. Cultural Context and the Communication of Dreams. Turnhout: Brepols 1998 (Semiotic and Cognitive Studies VI), 73-96.
  • Luppé, Olivier u.a. (Hg.): D'Hervey de Saint-Denys (1822–1892). Biographie, Correspondance familiale, L’œuvre de l’onirologue et du sinologue. 2 Bde. Ile Saint-Denis: Éditions Oniros 1995.
  • Pérez-Rincón, Héctor: De la possible influence de l’ouvrage Les Réves et les Moyens de les diriger sur la genèse de À la Recherche du Temps perdu. In: Psychiatrie, Sciences Humaines, Neurosciences 4 (2006) 16, 34–40.
  • Pino, Angel: Un escroc de la sinologie? L'élection du marquis d'Hervey de Saint-Denys au Collège de France. In: Oniros 37/38 (1992), 10–18.
  • Pino, Angel: Abrégé dûment circonstancié de la vie de Marie Jean Léon Le Coq, baron d’Hervey, marquis de Saint-Denys, professeur au Collège de France et membre de l’Institut, sinologue de son état, onironaute à ses heures. Une enquête à l’usage non exclusif des futurs biographes. In: Marie-Claire Bergère/Angel Pino (Hg.): Un siècle d’enseignement du Chinois à l’École des langues orientales 1840–1945. Paris: L’Asiathèque 1995, 95–129.
  • Pino, Angel/Isabelle Rabut: Le marquis d’Hervey de Saint-Denys et les traductions littéraires. À propos d’un texte traduit par lui et retraduit par d’autres. In: Viviane Alleton u.a. (Hg.): De l’un au multiple. Traductions du chinois vers les langues européennes. Paris: Fondation Maison des Sciences de l’homme 1999, 115–142.
  • Ripert, Roger: Découverte et réhabilitation d'Hervey de Saint-Denys. In: Oniros 37/38 (1992), 20 f.
  • Schwartz, Betty: Hervey de Saint-Denys. Sa vie, ses recherches et ses découvertes sur le sommeil et les rêves (Hommage à l'occasion du 150e anniversaire de sa naissance). In: Revue d'Electroencéphalographie et de Neurophysiologie Clinique 2 (1972) 2, 131–139.
  • Schwartz, Betty: Ce qu'on a dû savoir, cru savoir, pu savoir sur la vie du marquis d'Hervey de Saint-Denys. In: Oniros 37/38 (1992), 4–9.
  • Vaschide, Nicolas: Recherches expérimentales sur les rêves. De la continuité des rêves pendant le sommeil. In: Comptes rendus hebdomadaires des séances de l’Académie des sciences 19 (1899), 183–186.
  • Vaschide, Nicolas: Le sommeil et les rêves. Paris: Flammarion 1911.
  • Wahl, Jean: [Rezension von] Les rêves et les moyens de les diriger by Hervey de Saint-Denis. In: Revue de Métaphysique et de Morale 70 (1965) 1, 109 f.


Zitiervorschlag für diesen Artikel:

Buchheit, Carolin: "Les rêves et les moyens de les diriger" (Marie Jean Léon Lecoq d’Hervey de Saint-Denys). In: Lexikon Traumkultur. Ein Wiki des Graduiertenkollegs "Europäische Traumkulturen", 2016; http://traumkulturen.uni-saarland.de/Lexikon-Traumkultur/index.php?title=%E2%80%9CLes_r%C3%AAves_et_les_moyens_de_les_diriger%E2%80%9D_(Marie_Jean_L%C3%A9on_Lecoq_d%E2%80%99Hervey_de_Saint-Denys) .