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''Les jours de la femme Louise et autres nouvelles'' ist eine Sammlung von sieben, in den 1930er bis 40er Jahren entstandenen und 1985 erstmals gemeinsam publizierten Erzählungen der belgischen Autorin Madeleine Bourdouxhe (1906-1996). In diesen Geschichten kombiniert Bourdouxhe alltägliche Ereignisse, Tagträume, unmittelbare Sinneseindrücke, alptraumhafte Erinnerungen, Halluzinationen und nächtliche Schlafträume zu einer ungewöhnlichen Form der Selbst- und Weltwahrnehmung, die repräsentativ für ihr gesamtes Werk ist.
 
''Les jours de la femme Louise et autres nouvelles'' ist eine Sammlung von sieben, in den 1930er bis 40er Jahren entstandenen und 1985 erstmals gemeinsam publizierten Erzählungen der belgischen Autorin Madeleine Bourdouxhe (1906-1996). In diesen Geschichten kombiniert Bourdouxhe alltägliche Ereignisse, Tagträume, unmittelbare Sinneseindrücke, alptraumhafte Erinnerungen, Halluzinationen und nächtliche Schlafträume zu einer ungewöhnlichen Form der Selbst- und Weltwahrnehmung, die repräsentativ für ihr gesamtes Werk ist.
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Das Gesamtwerk der belgisch-wallonischen Schriftstellerin Madeleine Bourdouxhe (geb. 1906 in Liège, gest. 1996 in Bruxelles) umfasst fünf, zum Teil noch unveröffentlichte Romane (vgl. Fonds Bourdouxhe: ML 08993 – ML 08994), einen größeren autobiographischen ''récit'' und sieben Erzählungen.
 
Das Gesamtwerk der belgisch-wallonischen Schriftstellerin Madeleine Bourdouxhe (geb. 1906 in Liège, gest. 1996 in Bruxelles) umfasst fünf, zum Teil noch unveröffentlichte Romane (vgl. Fonds Bourdouxhe: ML 08993 – ML 08994), einen größeren autobiographischen ''récit'' und sieben Erzählungen.
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Während Bourdouxhe zu ihren Lebzeiten ausgesprochen bekannt ist – sie genießt das Ansehen von Jean-Paul Sartre, Raymond Queneau, Simone de Beauvoir und der zeitgenössischen französischen Literaturkritik –, gerät sie nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend in Vergessenheit. Dies liegt zum einen daran, dass die Autorin ihr eigenes Werk nur sehr zurückhaltend ‚vermarktet’; zum anderen an ihrer politischen Haltung der Résistance: Sie weigert sich in den 1940er Jahren, weiterhin bei einem der zwar renommierten, jedoch von den Nationalsozialisten kontrollierten Verlagshäuser wie Gallimard zu publizieren. Dort erscheint 1937 ihr erster Roman ''La Femme de Gilles'', der – ebenso wie ihr folgender, ''A la Recherche de Marie'' von 1943 – in Simone de Beauvoirs ''Le deuxième sexe'' anerkennende Erwähnung findet (Beauvoir 1976, II, 183-184 und 263-264).
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Während Bourdouxhe zu ihren Lebzeiten ausgesprochen bekannt ist – sie genießt das Ansehen von Jean-Paul Sartre, Raymond Queneau, Simone de Beauvoir und der zeitgenössischen französischen Literaturkritik –, gerät sie nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend in Vergessenheit. Dies liegt zum einen daran, dass die Autorin ihr eigenes Werk nur sehr zurückhaltend ‚vermarktet’; zum anderen an ihrer politischen Haltung der Résistance: Sie weigert sich in den 1940er Jahren, weiterhin bei einem der zwar renommierten, jedoch von den Nationalsozialisten kontrollierten Verlagshäuser wie Gallimard zu publizieren. Dort erschien 1937 ihr erster Roman ''La Femme de Gilles'', der – ebenso wie ihr folgender, ''A la Recherche de Marie'' von 1943 – in Simone de Beauvoirs ''Le deuxième sexe'' anerkennende Erwähnung findet (Beauvoir 1976, II, 183-184 und 263-264).
    
Sowohl die literarische Qualität als auch die Originalität ihrer Erzähltexte sind bereits seit der Nominierung von ''La Femme de Gilles'' für den Prix Goncourt und den Prix Fémina im Jahre 1937 unangefochten. Gleichwohl lässt sich das Bourdouxhe’sche Schreiben literaturästhetisch nur schwer einordnen. Es umfasst naturalistische wie surrealistische Elemente und bündelt gesellschaftspolitische Beobachtungen (Aron 2006) mit privaten, subjektiven Erfahrungen (Sarlet 1993), die in der Perspektive einzelner, sich meist innerhalb der häuslichen Sphäre bewegender Frauenfiguren zusammenlaufen (Paque 2011). Bourdouxhe lotet erzählend subtile Wahrnehmungsphänomene, vor allem körperlich-sinnliche Eindrücke, gedankliche Assoziationsprozesse und diffuse, rational nicht fassbare Bewusstseinszustände aus, die durch scheinbar banale Alltagsereignisse oder stereotype Redeweisen in Gang gesetzt werden. Damit rücken ihre Texte poetologisch und stilistisch in die Nähe der ''Tropismes'' (1939) von Nathalie Sarraute, dem ‚Gründungstext’ der späteren ''nouveaux romanciers''.
 
Sowohl die literarische Qualität als auch die Originalität ihrer Erzähltexte sind bereits seit der Nominierung von ''La Femme de Gilles'' für den Prix Goncourt und den Prix Fémina im Jahre 1937 unangefochten. Gleichwohl lässt sich das Bourdouxhe’sche Schreiben literaturästhetisch nur schwer einordnen. Es umfasst naturalistische wie surrealistische Elemente und bündelt gesellschaftspolitische Beobachtungen (Aron 2006) mit privaten, subjektiven Erfahrungen (Sarlet 1993), die in der Perspektive einzelner, sich meist innerhalb der häuslichen Sphäre bewegender Frauenfiguren zusammenlaufen (Paque 2011). Bourdouxhe lotet erzählend subtile Wahrnehmungsphänomene, vor allem körperlich-sinnliche Eindrücke, gedankliche Assoziationsprozesse und diffuse, rational nicht fassbare Bewusstseinszustände aus, die durch scheinbar banale Alltagsereignisse oder stereotype Redeweisen in Gang gesetzt werden. Damit rücken ihre Texte poetologisch und stilistisch in die Nähe der ''Tropismes'' (1939) von Nathalie Sarraute, dem ‚Gründungstext’ der späteren ''nouveaux romanciers''.
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==Die Träume==
 
==Die Träume==
Eindeutig als nächtliche Schlafträume markierte Traumdarstellungen finden sich bei Bourdouxhe nur in einer einzigen Erzählung, nämlich am Schluss von „Anna“ (vgl. Bourdouxhe 2009, 5-24, hier 24). Mit Blick auf die literarische Traumgestaltung relevanter und produktiver ist allerdings ein anderes, für die Autorin typisches Erzählverfahren: Die Figuren der Bourdouxhe’schen Geschichten, die in allen sieben Texten scheinbar gewöhnlichen Alltagstätigkeiten nachgehen, auf den ersten Blick banale Dinge erleben und meist in heimischen, vertrauten Räumen situiert werden, nehmen ihre Umgebung in einer eigentümlichen Mischung aus Traum und Realität wahr: Figuren wie Anna, Blanche, Louise aus den gleichnamigen Erzählungen oder René, der Protagonist aus „Champs de Lavande“, bewegen sich durch eine Welt, in der sich tatsächlich stattfindende Ereignisse – wie beispielsweise das Haarewaschen, Milchholen, Geschirrspülen oder Tanken an einer Zapfsäule – nicht eindeutig von plötzlich aufflackernden Erinnerungen, Tagträumen, kurzzeitigen Realitätsverzerrungen, Bewusstseinseintrübungen, Wahnvorstellungen, Wunschphantasien, Zukunftsvisionen und Schlafträumen unterscheiden lassen (vgl. ausführlicher Solte-Gresser 2010, 232-296).
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Eindeutig als nächtliche Schlafträume markierte Traumdarstellungen finden sich bei Bourdouxhe nur in einer einzigen Erzählung, nämlich am Schluss von „Anna“ (vgl. Bourdouxhe 2009, 5-24, hier 24). Mit Blick auf die literarische Traumgestaltung relevanter und produktiver ist allerdings ein anderes, für die Autorin typisches Erzählverfahren: Die Figuren der Bourdouxhe’schen Geschichten - die in allen sieben Texten scheinbar gewöhnlichen Alltagstätigkeiten nachgehen, auf den ersten Blick banale Dinge erleben und meist in heimischen, vertrauten Räumen situiert sind - nehmen ihre Umgebung in einer eigentümlichen Mischung aus Traum und Realität wahr: Figuren wie Anna, Blanche und Louise aus den gleichnamigen Erzählungen oder René, der Protagonist aus ''Champs de Lavande'', bewegen sich durch eine Welt, in der tatsächlich stattfindende Ereignisse – wie beispielsweise das Haarewaschen, Milchholen, Geschirrspülen oder Tanken an einer Zapfsäule – sich nicht eindeutig von plötzlich aufflackernden Erinnerungen, Tagträumen, kurzzeitigen Realitätsverzerrungen, Bewusstseinseintrübungen, Wahnvorstellungen, Wunschphantasien, Zukunftsvisionen und Schlafträumen unterscheiden lassen (vgl. ausführlicher Solte-Gresser 2010, 232-296).
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So katapultiert beispielsweise der Duft von Lavendelwasser das Bewusstsein der Hauptfigur in „Champs de Lavande“ in ein phantastisches Universum aus Wunschträumen und Sehnsüchten (Bourdouxhe 2009, 113-115). Blanches Wahrnehmungsperspektive wiederum erhält radikale Risse und Brüche, als sie sich geradezu obsessiv in das Schrubben eines Topfes hineinversenkt. Mit einem Mal verselbständigt sich das tagträumende Bewusstsein: Die Figur scheint in einen Abgrund zu stürzen, der sich hinter bzw. unter der Alltagsoberfläche auftut und anderen Figuren der erzählten Welt verborgen bleibt (Bourdouxhe 2009, 100-106). Das Dienstmädchen Louise hingegen, das sich heimlich in seine Herrin verliebt, ersetzt in ihren Träumen den tatsächlichen Liebhaber durch ihre Beziehung zu Madame: Die erträumte, jedoch als real erlebte Begegnung spielt sich auf derselben Erzählebene ab wie der in seinem gewohnten Ablauf rekonstruierte Arbeitsalltag, so dass sich beides letztlich kaum noch unterscheiden lässt (Bourdouxhe 2009, 44-45). Wie die Protagonistin aus „Un clou, une rose“ (Bourdouxhe 2009, 31-36), welche mit ihren Gedanken und Gefühlen derart in der Erinnerung an eine verlorene Liebe gefangen ist, dass sie den nächtlichen Überfall eines Räubers kaum bemerkt, bewegt sich auch Clara in einer traumhaften Sphäre aus Erinnerungsfetzen und ersonnenen Dialogfragmenten, die mit der Wirklichkeit – eine taube Freundin wird zu Grabe getragen – nur sporadisch verknüpft scheinen (Bourdouxhe 2009, 55-61). Hinzu kommt, dass eine Erzählung wie „L’aube est déjà grise“ das gesamte Geschehen in einer zwielichtigen, traumhaften Sphäre zwischen Nacht und Tag ansiedelt (Bourdouxhe 2009, 75-96). Am radikalsten wird das Hin- und Herpendeln des Bewusstseins zwischen Traum, Wirklichkeit, Erinnerung und Tagträumerei in der Erzählung „Anna“ gestaltet. Dieser Text soll daher im Folgenden exemplarisch präsentiert und analysiert werden.
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So katapultiert beispielsweise der Duft von Lavendelwasser das Bewusstsein der Hauptfigur in''Champs de Lavande'' in ein phantastisches Universum aus Wunschträumen und Sehnsüchten (Bourdouxhe 2009, 113-115). Blanches Wahrnehmungsperspektive wiederum erhält radikale Risse und Brüche, als sie sich geradezu obsessiv in das Schrubben eines Topfes hineinversenkt. Mit einem Mal verselbständigt sich das tagträumende Bewusstsein: Die Figur scheint in einen Abgrund zu stürzen, der sich hinter bzw. unter der Alltagsoberfläche auftut und anderen Figuren der erzählten Welt verborgen bleibt (Bourdouxhe 2009, 100-106). Das Dienstmädchen Louise hingegen, das sich heimlich in seine Herrin verliebt, ersetzt in ihren Träumen den tatsächlichen Liebhaber durch ihre Beziehung zu Madame: Die erträumte, jedoch als real erlebte Begegnung spielt sich auf derselben Erzählebene ab wie der in seinem gewohnten Ablauf rekonstruierte Arbeitsalltag, so dass sich beides letztlich kaum noch unterscheiden lässt (Bourdouxhe 2009, 44-45). Wie die Protagonistin aus ''Un clou, une rose'' (Bourdouxhe 2009, 31-36), welche mit ihren Gedanken und Gefühlen derart in der Erinnerung an eine verlorene Liebe gefangen ist, dass sie den nächtlichen Überfall eines Räubers kaum bemerkt, bewegt sich auch Clara in einer traumhaften Sphäre aus Erinnerungsfetzen und ersonnenen Dialogfragmenten, die mit der Wirklichkeit – eine taube Freundin wird zu Grabe getragen – nur sporadisch verknüpft scheinen (Bourdouxhe 2009, 55-61). Hinzu kommt, dass eine Erzählung wie ''L’aube est déjà grise'' das gesamte Geschehen in einer zwielichtigen, traumhaften Sphäre zwischen Nacht und Tag ansiedelt (Bourdouxhe 2009, 75-96). Am radikalsten wird das Hin- und Herpendeln des Bewusstseins zwischen Traum, Wirklichkeit, Erinnerung und Tagträumerei in der Erzählung ''Anna'' gestaltet. Dieser Text soll daher im Folgenden exemplarisch präsentiert und analysiert werden.
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==Beispielerzählung ''Anna''==
==Beispielerzählung „Anna“==
   
===Beschreibung===
 
===Beschreibung===
Die 20-seitige Erzählung „Anna“, die erstmals 1949 in der ''Nouvelle Revue Française'' publiziert wird, handelt von einem offensichtlich ganz gewöhnlichen Tag im Leben eines Ehepaars, das auf einer Tankstelle in der französischen Provinz arbeitet (Bourdouxhe 2009, 5-24). Ob die titelgebende Hauptfigur ihre Kunden an der Zapfsäule bedient, Fleisch und Salat zubereitet, das Mittagessen zu sich nimmt, einen Anruf erhält, ihr Kleid bügelt, eine Limonade trinkt oder abends mit ihrem Ehemann (ein-)schläft: Nichts deutet darauf hin, dass sich dieser Tag von dem vorausgegangenen oder dem darauf folgenden in erheblichem Maße unterscheidet. Die Handlung ist im Wesentlichen in der engen Wohnung des Ehepaares auf dem Tankstellengelände angesiedelt. Die zahlreichen kleinen, scheinbar so gleichmäßig aneinander gereihten und auf der Handlungsoberfläche erzählten Alltags-Ereignisse werden allerdings aus der Innenperspektive der Hauptfigur wiedergegeben, an deren Wahrnehmungshorizont sich die Erzählstimme vollständig anpasst. Auf diese Weise zeigt sich: Anna selbst erlebt den beschriebenen Tag vollkommen anders, als dies etwa der Ehemann oder der Anrufer in der Interaktion mit ihrem Gegenüber erahnen könnten, die – anders als wir Leser/innen – keinerlei Innensicht in die Hauptfigur erhalten.
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Die 20-seitige Erzählung ''Anna'', die erstmals 1949 in der ''Nouvelle Revue Française'' publiziert wird, handelt von einem offensichtlich ganz gewöhnlichen Tag im Leben eines Ehepaars, das auf einer Tankstelle in der französischen Provinz arbeitet (Bourdouxhe 2009, 5-24). Ob die titelgebende Hauptfigur ihre Kunden an der Zapfsäule bedient, Fleisch und Salat zubereitet, das Mittagessen zu sich nimmt, einen Anruf erhält, ihr Kleid bügelt, eine Limonade trinkt oder abends mit ihrem Ehemann (ein-)schläft: Nichts deutet darauf hin, dass sich dieser Tag von dem vorausgegangenen oder dem darauf folgenden in erheblichem Maße unterscheidet. Die Handlung ist im Wesentlichen in der engen Wohnung des Ehepaares auf dem Tankstellengelände angesiedelt. Die zahlreichen kleinen, scheinbar so gleichmäßig aneinander gereihten und auf der Handlungsoberfläche erzählten Alltags-Ereignisse werden allerdings aus der Innenperspektive der Hauptfigur wiedergegeben, an deren Wahrnehmungshorizont sich die Erzählstimme vollständig anpasst. Auf diese Weise zeigt sich: Anna selbst erlebt den beschriebenen Tag vollkommen anders, als dies etwa der Ehemann oder der Anrufer in der Interaktion mit ihrem Gegenüber erahnen könnten, die – anders als wir Leser/innen – keinerlei Innensicht in die Hauptfigur erhalten.
    
So erzählt der Text neben der oberflächlichen Alltagsrealität beispielsweise davon, dass sich das Benzin in den Schläuchen der Zapfsäule in Blut verwandelt, oder dass Anna in der Bewegung eines rauschhaften Tanzes durch die Luftschichten schwebt und sich auflöst. Die Erzählung handelt des weiteren von einem vorbeifahrenden Auto, das gegen einen Pfosten prallt, an dem der Kopf des Fahrers zerschellt. Berichtet wird ferner von der erotischen Begegnung mit einem Unbekannten auf dem Waldboden, die Jahrhunderte lang andauert und vom nächtlichen Sternenhimmel aus beobachtet wird. Die Erzählstimme beschreibt darüber hinaus, wie sich eine Nachbarin beim Leeren des Mülleimers eine Schnittwunde zuzieht, durch welche der Müll so weit in den Körper eindringt, dass er verfault, oder dass Annas Körper in einer Bar mit den herabrieselnden Samen einer Weinrebe zu einem grünen Regen verschmilzt.
 
So erzählt der Text neben der oberflächlichen Alltagsrealität beispielsweise davon, dass sich das Benzin in den Schläuchen der Zapfsäule in Blut verwandelt, oder dass Anna in der Bewegung eines rauschhaften Tanzes durch die Luftschichten schwebt und sich auflöst. Die Erzählung handelt des weiteren von einem vorbeifahrenden Auto, das gegen einen Pfosten prallt, an dem der Kopf des Fahrers zerschellt. Berichtet wird ferner von der erotischen Begegnung mit einem Unbekannten auf dem Waldboden, die Jahrhunderte lang andauert und vom nächtlichen Sternenhimmel aus beobachtet wird. Die Erzählstimme beschreibt darüber hinaus, wie sich eine Nachbarin beim Leeren des Mülleimers eine Schnittwunde zuzieht, durch welche der Müll so weit in den Körper eindringt, dass er verfault, oder dass Annas Körper in einer Bar mit den herabrieselnden Samen einer Weinrebe zu einem grünen Regen verschmilzt.
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* Aron, Paul: „Un avatar du populisme“, in: ''La Littérature prolétarienne en Belgique francophone depuis 1900'', Bruxelles: Labor 2006.
 
* Aron, Paul: „Un avatar du populisme“, in: ''La Littérature prolétarienne en Belgique francophone depuis 1900'', Bruxelles: Labor 2006.
 
* Beauvoir, Simone de: ''Le deuxième sexe'' (1949), zwei Bände, Paris: Gallimard 1976.
 
* Beauvoir, Simone de: ''Le deuxième sexe'' (1949), zwei Bände, Paris: Gallimard 1976.
* Dubois, Jacques: „Madeleine Bourdouxhe dans la mouvance populiste“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, S. 125-129.
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* Dubois, Jacques: „Madeleine Bourdouxhe dans la mouvance populiste“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hg.): Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'. Bruxelles: Peter Lang 2011, S. 125-129.
 
* Evans, Faith: Nachwort zu ''Wenn der Morgen dämmert'' (= ''Sept Nouvelles''), München: Piper 1998, S. 135-152.
 
* Evans, Faith: Nachwort zu ''Wenn der Morgen dämmert'' (= ''Sept Nouvelles''), München: Piper 1998, S. 135-152.
* Gousseau, Josette: „Madeleine Bourdouxhe, l’engagement au féminin“, in: ''La Belgique telle qu’elle s’écrit'', New York u.a.: Peter Lang 1995, S. 197-209.
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* Gousseau, Josette: „Madeleine Bourdouxhe, l’engagement au féminin“, in: ''La Belgique telle qu’elle s’écrit'', New York u.a.: Peter Lang 1995, 197-209.
* Kovacshazy, Cécile / Solte-Gresser, Christiane: „Découvertes et redécouvertes d’une œuvre oubliée“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, S. 9-13.
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* Kovacshazy, Cécile / Solte-Gresser, Christiane: „Découvertes et redécouvertes d’une œuvre oubliée“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, 9-13.
* Paque, Jeannine: „Femmes, femme. Ambivalences du féminisme“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, S. 129-135.
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* Paque, Jeannine: „Femmes, femme. Ambivalences du féminisme“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, 129-135.
* Sarlet, Claudette: „Madeleine Bourdouxhe, attentif au signe de tout lieu“, in: ''Textyles'' 9 (1993), S. 19-26.
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* Sarlet, Claudette: „Madeleine Bourdouxhe, attentif au signe de tout lieu. In: Textyles 9 (1993), 19-26.
* Solte-Gresser, Christiane: ''Spielräume des Alltags. Literarische Gestaltung von Alltäglichkeit in deutscher, französischer und italienischer Erzählprosa (1929-1949)'', Würzburg: Königshausen und Neumann 2010, v.a. S. 232-296.
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* Solte-Gresser, Christiane: ''Spielräume des Alltags. Literarische Gestaltung von Alltäglichkeit in deutscher, französischer und italienischer Erzählprosa (1929-1949)'', Würzburg: Königshausen und Neumann 2010, v.a. 232-296.
* Solte-Gresser, Christiane (2011a): « Anna. La poétique du quotidien », in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, S. 99-106.
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* Solte-Gresser, Christiane (2011a): « Anna. La poétique du quotidien », in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, 99-106.
* Solte-Gresser, Christiane (2011b): « ‘Alptraum mit Aufschub’. Ansätze zur Analyse literarischer Traumerzählungen », in: Susanne Goumegou / Marie Guthmüller (Hrsg.): ''Traumwissen und Traumpoetik. Onirische Schreibweisen von der literarischen Moderne bis zur Gegenwart'', Würzburg: Königshausen und Neumann 2011, S. 239-262.
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* Solte-Gresser, Christiane (2011b): « ‘Alptraum mit Aufschub’. Ansätze zur Analyse literarischer Traumerzählungen », in: Susanne Goumegou / Marie Guthmüller (Hrsg.): ''Traumwissen und Traumpoetik. Onirische Schreibweisen von der literarischen Moderne bis zur Gegenwart'', Würzburg: Königshausen und Neumann 2011, 239-262.
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