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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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==Die Träume==
 
==Die Träume==
Eindeutig als nächtliche Schlafträume markierte Traumdarstellungen finden sich bei Bourdouxhe nur in einer einzigen Erzählung, nämlich am Schluss von „Anna“ (vgl. Bourdouxhe 2009, 5-24, hier 24). Mit Blick auf die literarische Traumgestaltung relevanter und produktiver ist allerdings ein anderes, für die Autorin typisches Erzählverfahren: Die Figuren der Bourdouxhe’schen Geschichten - die in allen sieben Texten scheinbar gewöhnlichen Alltagstätigkeiten nachgehen, auf den ersten Blick banale Dinge erleben und meist in heimischen, vertrauten Räumen situiert sind - nehmen ihre Umgebung in einer eigentümlichen Mischung aus Traum und Realität wahr: Figuren wie Anna, Blanche und Louise aus den gleichnamigen Erzählungen oder René, der Protagonist aus ''Champs de Lavande'', bewegen sich durch eine Welt, in der tatsächlich stattfindende Ereignisse – wie beispielsweise das Haarewaschen, Milchholen, Geschirrspülen oder Tanken an einer Zapfsäule – sich nicht eindeutig von plötzlich aufflackernden Erinnerungen, Tagträumen, kurzzeitigen Realitätsverzerrungen, Bewusstseinseintrübungen, Wahnvorstellungen, Wunschphantasien, Zukunftsvisionen und Schlafträumen unterscheiden lassen (vgl. ausführlicher Solte-Gresser 2010, 232-296).
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Eindeutig als nächtliche Schlafträume markierte Traumdarstellungen finden sich bei Bourdouxhe nur in einer einzigen Erzählung, nämlich am Schluss von ''Anna'' (vgl. Bourdouxhe 2009, 5-24, hier 24). Mit Blick auf die literarische Traumgestaltung relevanter und produktiver ist allerdings ein anderes, für die Autorin typisches Erzählverfahren: Die Figuren der Bourdouxhe’schen Geschichten - die in allen sieben Texten scheinbar gewöhnlichen Alltagstätigkeiten nachgehen, auf den ersten Blick banale Dinge erleben und meist in heimischen, vertrauten Räumen situiert sind - nehmen ihre Umgebung in einer eigentümlichen Mischung aus Traum und Realität wahr: Figuren wie Anna, Blanche und Louise aus den gleichnamigen Erzählungen oder René, der Protagonist aus ''Champs de Lavande'', bewegen sich durch eine Welt, in der tatsächlich stattfindende Ereignisse – wie beispielsweise das Haarewaschen, Milchholen, Geschirrspülen oder Tanken an einer Zapfsäule – sich nicht eindeutig von plötzlich aufflackernden Erinnerungen, Tagträumen, kurzzeitigen Realitätsverzerrungen, Bewusstseinseintrübungen, Wahnvorstellungen, Wunschphantasien, Zukunftsvisionen und Schlafträumen unterscheiden lassen (vgl. ausführlicher Solte-Gresser 2010, 232-296).
    
So katapultiert beispielsweise der Duft von Lavendelwasser das Bewusstsein der Hauptfigur in''Champs de Lavande'' in ein phantastisches Universum aus Wunschträumen und Sehnsüchten (Bourdouxhe 2009, 113-115). Blanches Wahrnehmungsperspektive wiederum erhält radikale Risse und Brüche, als sie sich geradezu obsessiv in das Schrubben eines Topfes hineinversenkt. Mit einem Mal verselbständigt sich das tagträumende Bewusstsein: Die Figur scheint in einen Abgrund zu stürzen, der sich hinter bzw. unter der Alltagsoberfläche auftut und anderen Figuren der erzählten Welt verborgen bleibt (Bourdouxhe 2009, 100-106). Das Dienstmädchen Louise hingegen, das sich heimlich in seine Herrin verliebt, ersetzt in ihren Träumen den tatsächlichen Liebhaber durch ihre Beziehung zu Madame: Die erträumte, jedoch als real erlebte Begegnung spielt sich auf derselben Erzählebene ab wie der in seinem gewohnten Ablauf rekonstruierte Arbeitsalltag, so dass sich beides letztlich kaum noch unterscheiden lässt (Bourdouxhe 2009, 44-45). Wie die Protagonistin aus ''Un clou, une rose'' (Bourdouxhe 2009, 31-36), welche mit ihren Gedanken und Gefühlen derart in der Erinnerung an eine verlorene Liebe gefangen ist, dass sie den nächtlichen Überfall eines Räubers kaum bemerkt, bewegt sich auch Clara in einer traumhaften Sphäre aus Erinnerungsfetzen und ersonnenen Dialogfragmenten, die mit der Wirklichkeit – eine taube Freundin wird zu Grabe getragen – nur sporadisch verknüpft scheinen (Bourdouxhe 2009, 55-61). Hinzu kommt, dass eine Erzählung wie ''L’aube est déjà grise'' das gesamte Geschehen in einer zwielichtigen, traumhaften Sphäre zwischen Nacht und Tag ansiedelt (Bourdouxhe 2009, 75-96). Am radikalsten wird das Hin- und Herpendeln des Bewusstseins zwischen Traum, Wirklichkeit, Erinnerung und Tagträumerei in der Erzählung ''Anna'' gestaltet. Dieser Text soll daher im Folgenden exemplarisch präsentiert und analysiert werden.
 
So katapultiert beispielsweise der Duft von Lavendelwasser das Bewusstsein der Hauptfigur in''Champs de Lavande'' in ein phantastisches Universum aus Wunschträumen und Sehnsüchten (Bourdouxhe 2009, 113-115). Blanches Wahrnehmungsperspektive wiederum erhält radikale Risse und Brüche, als sie sich geradezu obsessiv in das Schrubben eines Topfes hineinversenkt. Mit einem Mal verselbständigt sich das tagträumende Bewusstsein: Die Figur scheint in einen Abgrund zu stürzen, der sich hinter bzw. unter der Alltagsoberfläche auftut und anderen Figuren der erzählten Welt verborgen bleibt (Bourdouxhe 2009, 100-106). Das Dienstmädchen Louise hingegen, das sich heimlich in seine Herrin verliebt, ersetzt in ihren Träumen den tatsächlichen Liebhaber durch ihre Beziehung zu Madame: Die erträumte, jedoch als real erlebte Begegnung spielt sich auf derselben Erzählebene ab wie der in seinem gewohnten Ablauf rekonstruierte Arbeitsalltag, so dass sich beides letztlich kaum noch unterscheiden lässt (Bourdouxhe 2009, 44-45). Wie die Protagonistin aus ''Un clou, une rose'' (Bourdouxhe 2009, 31-36), welche mit ihren Gedanken und Gefühlen derart in der Erinnerung an eine verlorene Liebe gefangen ist, dass sie den nächtlichen Überfall eines Räubers kaum bemerkt, bewegt sich auch Clara in einer traumhaften Sphäre aus Erinnerungsfetzen und ersonnenen Dialogfragmenten, die mit der Wirklichkeit – eine taube Freundin wird zu Grabe getragen – nur sporadisch verknüpft scheinen (Bourdouxhe 2009, 55-61). Hinzu kommt, dass eine Erzählung wie ''L’aube est déjà grise'' das gesamte Geschehen in einer zwielichtigen, traumhaften Sphäre zwischen Nacht und Tag ansiedelt (Bourdouxhe 2009, 75-96). Am radikalsten wird das Hin- und Herpendeln des Bewusstseins zwischen Traum, Wirklichkeit, Erinnerung und Tagträumerei in der Erzählung ''Anna'' gestaltet. Dieser Text soll daher im Folgenden exemplarisch präsentiert und analysiert werden.
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*Erstausgabe der Erzählsammlung
 
*Erstausgabe der Erzählsammlung
Madeleine Bourdouxhe: Sept Nouvelles. Hg. von Françoise Collin. Paris: Tierce 1985.
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Sept Nouvelles. Hg. von Françoise Collin. Paris: Tierce 1985.
    
*Erstausgabe ''Anna''
 
*Erstausgabe ''Anna''
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*Zitierte Ausgabe
 
*Zitierte Ausgabe
Madeleine Bourdouxhe: Les jours de la femme Louise et autres nouvelles. Arles: Actes Sud 2009.
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Les jours de la femme Louise et autres nouvelles. Arles: Actes Sud 2009.
    
*Deutsche Übersetzung
 
*Deutsche Übersetzung
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===Forschungsliteratur===
 
===Forschungsliteratur===
* Aron, Paul: „Un avatar du populisme“, in: ''La Littérature prolétarienne en Belgique francophone depuis 1900'', Bruxelles: Labor 2006.
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* Aron, Paul: Un avatar du populisme. In: Ders., La Littérature prolétarienne en Belgique francophone depuis 1900. Bruxelles: Labor 2006, ###-###.
* Beauvoir, Simone de: ''Le deuxième sexe'' (1949), zwei Bände, Paris: Gallimard 1976.
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* Beauvoir, Simone de: Le deuxième sexe [1949]. 2 Bde., Paris: Gallimard 1976.
* Dubois, Jacques: „Madeleine Bourdouxhe dans la mouvance populiste“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hg.): Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'. Bruxelles: Peter Lang 2011, S. 125-129.
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* Dubois, Jacques: Madeleine Bourdouxhe dans la mouvance populiste. In: Cécile Kovacshazy/Christiane Solte-Gresser (Hg.): Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'. Bruxelles: Peter Lang 2011, 125-129.
* Evans, Faith: Nachwort zu ''Wenn der Morgen dämmert'' (= ''Sept Nouvelles''), München: Piper 1998, S. 135-152.
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* Evans, Faith: Nachwort. In: Madeleine Bourdouxhe, Wenn der Morgen dämmert [ ''Sept Nouvelles'']. München: Piper 1998, 135-152.
* Gousseau, Josette: „Madeleine Bourdouxhe, l’engagement au féminin“, in: ''La Belgique telle qu’elle s’écrit'', New York u.a.: Peter Lang 1995, 197-209.
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* Gousseau, Josette: Madeleine Bourdouxhe, l’engagement au féminin. In: Renée Linkhorn (Hg.), La Belgique telle qu’elle s’écrit. Perspectives sur les lettres belges de langue française. New York u.a.: Lang 1995, 197-209.
* Kovacshazy, Cécile / Solte-Gresser, Christiane: „Découvertes et redécouvertes d’une œuvre oubliée“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, 9-13.
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* Kovacshazy, Cécile/Christiane Solte-Gresser: Découvertes et redécouvertes d’une œuvre oubliée: in: C. K:/C. S.-G. (Hsg.): Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire. Bruxelles: Lang 2011, 9-13.
 
* Paque, Jeannine: „Femmes, femme. Ambivalences du féminisme“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, 129-135.
 
* Paque, Jeannine: „Femmes, femme. Ambivalences du féminisme“, in: C. Kovacshazy / Chr. Solte-Gresser (Hrsg.): ''Relire Madeleine Bourdouxhe. Regards croisés sur son œuvre littéraire'', Bruxelles: Peter Lang 2011, 129-135.
 
* Sarlet, Claudette: „Madeleine Bourdouxhe, attentif au signe de tout lieu. In: Textyles 9 (1993), 19-26.
 
* Sarlet, Claudette: „Madeleine Bourdouxhe, attentif au signe de tout lieu. In: Textyles 9 (1993), 19-26.

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