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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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==Jakobs Schlaf==
 
==Jakobs Schlaf==
Der schlafende Jakob ist erstmals im 3. Jh. auf der Nordwand der Synagoge von Dura Europos dargestellt (Stemberger 1974, 110; Thoma/Ernst 1996, 55). Jakobs Schlaf ist nach Ambrosius<ref>Ambrosius 2010, 430 = de Iacob II 4,16</ref> Ausweis seines ruhigen Gewissens.
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Der schlafende Jakob ist erstmals im 3. Jh. auf der Nordwand der Synagoge von Dura Europos dargestellt (Stemberger 1974, 110; Thoma/Ernst 1996, 55). Nach Ambrosius<ref>Ambrosius 2010, 430 = de Iacob II 4,16</ref> ist Jakobs Schlaf Ausweis seines ruhigen Gewissens.
    
==Jakobs Traum ==
 
==Jakobs Traum ==
Die Frage, welcher Wahrheitsgehalt Träumen zukommen kann, wird nicht ventiliert, obwohl die Problematik von Träumen auch in biblischer Tradition bewusst ist (vgl. nur Jesus Sirach 34,1; 40,6f.; Hiob 7,14; 20,8; Jeremia 23,25–29). Gelegentlich wird auf das Erschreckende des Traumes verwiesen (Cyprianus Gallus 1891, 35 = Heptateuchos 928). Häufiger wird gefragt, wie Jakob noch seinem in Genesis 27 geschilderten Verhalten (er betrügt seinen Bruder Esau um dessen Erstgeburtsrecht) überhaupt würdig war, diese Traumvision zu empfangen. In jüdischer Tradition wird auf die Gerechtigkeit Jakobs verwiesen (Targum Jonathan zu Genesis), bei Ambrosius (2010, 410 = De Iacob II 1,1) auf das freiwillige Exil Jakobs, das seine eigene Schuld abschwächt und Esaus Schuldigwerden verhindert, bei Johannes Chrysostomus (1991, 475 = Homiliae in Genesim 44,3) auf die philosophische Haltung des Patriarchen, die sich in Form der Genügsamkeit bemerkbar macht (er reist allein, ohne Diener etc.).
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Die Frage, welcher Wahrheitsgehalt Träumen zukommen kann, wird nicht ventiliert, obwohl die Problematik von Träumen auch in biblischer Tradition bewusst ist (vgl. nur Jesus Sirach 34,1; 40,6f.; Hiob 7,14; 20,8; Jeremia 23,25–29). Gelegentlich wird auf das Erschreckende des Traumes verwiesen;<ref>Cyprianus Gallus 1891, 35 = Heptateuchos 928</ref> häufiger wird gefragt, wie Jakob noch seinem in Genesis 27 geschilderten Verhalten (er betrog seinen Bruder Esau um dessen Erstgeburtsrecht) überhaupt würdig sein konnte, diese Traumvision zu empfangen. In jüdischer Tradition wird auf die Gerechtigkeit Jakobs verwiesen;<ref>###Targum Jonathan zu Genesis###</ref> bei Ambrosius<ref>Ambrosius 2010, 410 = De Iacob II 1,1</ref> auf das freiwillige Exil Jakobs, das seine eigene Schuld abschwächt und Esaus Schuldigwerden verhindert; bei Johannes Chrysostomus<ref>Johannes Chrysostomus 1991, 475 = Homiliae in Genesim 44,3</ref> auf die philosophische Haltung des Patriarchen, die sich in Form der Genügsamkeit bemerkbar macht (er reist allein, ohne Diener etc.).
    
== Wie wird die Leiter dargestellt? ==
 
== Wie wird die Leiter dargestellt? ==
Das, worauf die Engel auf- und absteigen, war ursprünglich wohl als Aufstiegsrampe zu einem rechteckigen Tempelturm gedacht, der auf einem Fundament mit solchen Rampen an allen vier Seiten errichtet war (Westermann 1981, 553). Bereits in frühjüdischer und antiker christlicher Auslegung spielt das aber keine Rolle mehr; der Begriff wird selten näher bedacht. Dazu trugen die griechische und die lateinische Übersetzung bei, die an eine Leiter mit Sprossen denken lassen, nicht an eine Treppe mit Treppenstufen. Wird in der Kunstgeschichte die Leiter bisweilen als Treppe dargestellt (so u.a. bei Jacopo Tintoretto, 1577, Fresko in der Scuola Grande di San Rocco), ist dies wohl eher dem Versuch einer naturalistischen Szenerie zuzuschreiben (Kauffmann 1970,375).
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Das, worauf die Engel auf- und absteigen, war ursprünglich wohl als Aufstiegsrampe zu einem rechteckigen Tempelturm gedacht, der auf einem Fundament mit solchen Rampen an allen vier Seiten errichtet war (Westermann 1981, 553). Bereits in frühjüdischer und antiker christlicher Auslegung spielt das aber keine Rolle mehr; der Begriff wird selten näher bedacht. Dazu trugen die griechische und die lateinische Übersetzung bei, die an eine Leiter mit Sprossen denken lassen, nicht an eine Treppe mit Treppenstufen. Wird in der Kunstgeschichte die Leiter bisweilen dpch als Treppe dargestellt (so u.a. in Jacopo Tintorettos Jakobsleiter-Fresko von 1577 in der Scuola Grande di San Rocco), ist dies wohl eher dem Versuch zuzuschreiben, eine naturalistische Szenerie zu entwerfen (Kauffmann 1970,375). In jüdischer und christlicher religiöser Literatur begegnen allegorische Auslegungen der Leiter auf die Thora (''Genesis Rabba'' 68,12) oder auf Christus.<ref>Ps.-Beda Venerabilis 1968, PL 93, 333 D; mit Verweis auf Johannes 14,6: "Ich bin der Weg"</ref>.  
 
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In jüdischer und christlicher religiöser Literatur begegnen allegorische Auslegungen der Leiter auf die Thora (''Genesis Rabba'' 68,12) oder auf Christus (Ps.-Beda Venerabilis 1968, PL 93, 333 D; mit Verweis auf Johannes 14,6: "Ich bin der Weg").  
      
== Wer wird auf der Leiter dargestellt? ==
 
== Wer wird auf der Leiter dargestellt? ==
 
Der biblische Text redet von Engeln, seine Ausleger manchmal von Engeln, manchmal auch von Menschen. Das hat philologische wie biblische Gründe. Das Wort "Engel" ist ein Fremdwort, das vorausliegende griechische Wort bedeutet "Bote" und kann von überirdischen Mächten wie von Menschen verwendet werden. Auch in der Bibel können Menschen als "Engel" bezeichnet werden (Maleachi 2,7; Markus 1,2).  
 
Der biblische Text redet von Engeln, seine Ausleger manchmal von Engeln, manchmal auch von Menschen. Das hat philologische wie biblische Gründe. Das Wort "Engel" ist ein Fremdwort, das vorausliegende griechische Wort bedeutet "Bote" und kann von überirdischen Mächten wie von Menschen verwendet werden. Auch in der Bibel können Menschen als "Engel" bezeichnet werden (Maleachi 2,7; Markus 1,2).  
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Wenn von Menschen die Rede ist, ist das Motiv des Aufstiegs unproblematisch. Frömmigkeit (Maximus Confessor 1982, 68 = Quaestiones 88; Chromatius 1974, 5 =  Sermo 1,6) und eigenes Tugendstreben können durch das Bild des Aufstiegs, der Leiter symbolisiert werden (Hieronymus 1996, 15 u. 529 = Epistulae 3,4 u. 68,2), wie das dann auch in der Kunstgeschichte der Fall ist. In Martyrienberichten spielt das Motiv hingegen nur selten eine Rolle (Dörnberg 2018, 86 f. u. 208 f.). Für Chromatius von Aquileia symbolisiert die Leiter, denen Spitze bis an den Himmel reicht, den in den acht Seligpreisungen der Bergpredigt (Matthäus 5,3–10) beschriebenen unendlichen Aufstieg der Seele zu Gott (1974, 179 = Sermo 41,10). Der Abstieg kann negativ gewertet werden als "Fall", als Rückfall in Sünde o.ä (Benedikt von Nursia 1960, 40 f. = Regula 7,7; Hieronymus 1958, 248 = Tractatus de Psalmo 119). Allerdings wissen viele antike Ausleger zwischen Fall und Abstieg durchaus zu unterscheiden (z.B. Augustinus 1990, Bd. 3, 1777-79 = Enarratio in Psalmos 119,2; Zeno 1971, 103 = Tractatus I 37,4/11). Der Abstieg wird dann als geistige Zuwendung zu Menschen gedeutet, die solcher Zuwendung bedürfen. Paulus kann hierin als Vorbild gelten (Augustinus 1990, Bd. 3, 1778 f. = Enarratio in Psalmos 119,2). Manchmal gilt auch Christus als die Leiter, als die auf- und absteigenden Boten gelten die Prediger des Evangeliums (Ps.-Beda Venerabilis 1968, 333 D).
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Wenn von Menschen die Rede ist, ist das Motiv des Aufstiegs unproblematisch. Frömmigkeit<ref>Maximus Confessor 1982, 68 = Quaestiones 88; Chromatius 1974, 5 =  Sermo 1,6</ref> und eigenes Tugendstreben können durch das Bild des Aufstiegs, der Leiter symbolisiert werden,<ref>Hieronymus 1996, 15 u. 529 = Epistulae 3,4 u. 68,2</ref> wie das dann auch in der Kunstgeschichte der Fall ist. In Martyrienberichten spielt das Motiv hingegen nur selten eine Rolle (Dörnberg 2018, 86 f. u. 208 f.). Für Chromatius von Aquileia symbolisiert die Leiter, denen Spitze bis an den Himmel reicht, den in den acht Seligpreisungen der Bergpredigt (Matthäus 5,3–10) beschriebenen unendlichen Aufstieg der Seele zu Gott.<ref>Chromatius von Aquileia 1974, 179 = Sermo 41,10)</ref> Der Abstieg kann negativ gewertet werden als "Fall", als Rückfall in Sünde o.ä.<ref>Benedikt von Nursia 1960, 40 f. = Regula 7,7; Hieronymus 1958, 248 = Tractatus de Psalmo 119</ref> Allerdings wissen viele antike Ausleger zwischen Fall und Abstieg durchaus zu unterscheiden.<ref>z.B. Augustinus 1990, Bd. 3, 1777-79 = Enarratio in Psalmos 119,2; Zeno 1971, 103 = Tractatus I 37,4/11</ref> Der Abstieg wird dann als geistige Zuwendung zu Menschen gedeutet, die solcher Zuwendung bedürfen, wofür Paulus als Vorbild gelten kann.<ref>Augustinus 1990, Bd. 3, 1778 f. = Enarratio in Psalmos 119,2</ref> Manchmal gilt auch Christus als die Leiter, als die auf- und absteigenden Boten gelten die Prediger des Evangeliums.<ref>Ps.-Beda Venerabilis 1968, 333 D<ref>.
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Solche allegorische Auslegung wird dann auch in außerchristlicher Tradition wirksam. Die Jakobsleiter verweist auf die Höherentwicklung des Freimaurers (#Otto Schmidt u.a. (Hg.), Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. Bd. 10. München: Beck 2003, Art. Freimaurer / Freimaurerei, 686#). In seinem Oratorienfragment''Jakobsleiter'' zeichnet Arnold Schönberg unter Zuhilfenahme u.a. esoterischer, speziell theosophischer Traditionen den postmortalen Aufstieg des Menschen zu Gott; von Jakob ist in der ''Jakobsleiter'' nie die Rede (Wörner 1970, 174 f.). Der Text ist noch vor der dezidierten Rückwendung Schönbergs zum jüdischen Glauben und dem Wiedereintritt in die jüdische Gemeinde im Jahre 1933 verfasst (Strecker 1999, 121).
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Solche allegorische Auslegung wird dann auch in außerchristlicher Tradition wirksam: Die Jakobsleiter verweist dann etwa auf die Höherentwicklung des Freimaurers.<ref>#### ###, Art. Freimaurer/Freimaurerei. In: Otto Schmidt u.a. (Hg.), Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. Bd. 10. München: Beck 2003, 686</ref> In seinem Oratorienfragment''Jakobsleiter'' (1916/17) zeichnet Arnold Schönberg unter Zuhilfenahme u.a. esoterischer, speziell theosophischer Traditionen den postmortalen Aufstieg des Menschen zu Gott. Von Jakob ist in der ''Jakobsleiter'' allerdings nie die Rede (Wörner 1970, 174 f.) - der Text wurde noch vor der dezidierten Rückwendung Schönbergs zum jüdischen Glauben und dem Wiedereintritt in die jüdische Gemeinde im Jahre 1933 verfasst (Strecker 1999, 121).
    
== Was wird am Ende der Leiter (nicht) sichtbar? ==
 
== Was wird am Ende der Leiter (nicht) sichtbar? ==
Für exegetische jüdische wie christliche Tradition muss es darum gehen, einen Unterschied zu Ex 33,23 zu vermeiden.
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Für exegetische jüdische wie christliche Tradition muss es darum gehen, einen Unterschied zu Exodus 33,23 zu vermeiden. ##Bitte erläutern###
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Im ''Jubiläenbuch'', einer antiken jüdischen Schrift aus dem 2. Jh. v. Chr., ist es Gott selbst, von dem Jakob träumt (Berger 1981, 27,21); von einer Gottesschau durch den Patriarchen ist nicht die Rede! Flavius Josephus (Clementz 1989, I, 279) spricht explizit von der Gottesschau. In dem Bild des schlafenden Jakob an der Via Latina wird Gott hingegen nicht dargestellt, wie das jüdischen Vorbehalten einer solchen Darstellung gegenüber entspricht (Stemberger 1990 121). Sichtbar werden solche Bedenken z.B. im ''babylonischen Talmud'' (Goldschmidt 1929-36, Traktat Chullin 91b): "R. Simon ben Lachisch sagte: Wäre es [Genesis 28,13] kein geschriebener Schriftvers, so dürfte man es nicht sagen". Auch in christlicher Tradition wird der Verweis auf Ex 33,23 wirksam (Irenaeus von Lyon 1993, 64 = Demonstratio 45); dass auf der Leiter Christus zu sehen ist, kann aber auch in anderen (Irenaeus von Lyon 1997, 76 = Adversus haereses IV 10,1), teils problematischen (Justin 1997, 171 = Dialogus 58,11) Zusammenhängen wirksam werden.
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Im ''Jubiläenbuch'', einer antiken jüdischen Schrift aus dem 2. Jh. v. Chr., ist es Gott selbst, von dem Jakob träumt (Berger 1981, 27,21); von einer Gottesschau durch den Patriarchen ist aber nicht die Rede! Flavius Josephus spricht dagegen explizit von der Gottesschau.<ref>Clementz 1989, I, 279</ref> In dem Bild des schlafenden Jakob an der Via Latina wird Gott hingegen nicht dargestellt, wie das jüdischen Vorbehalten einer solchen Darstellung gegenüber entspricht (Stemberger 1990 121). Sichtbar werden solche Bedenken z.B. im ''babylonischen Talmud'': "R. Simon ben Lachisch sagte: Wäre es [Genesis 28,13] kein geschriebener Schriftvers, so dürfte man es nicht sagen".<ref>Goldschmidt 1929-36, Traktat Chullin 91b</ref> Auch in christlicher Tradition wird der Verweis auf Ex 33,23 wirksam;<ref>Irenaeus von Lyon 1993, 64 = Demonstratio 45</ref> dass auf der Leiter Christus zu sehen ist, kann aber auch in anderen,<ref>Irenaeus von Lyon 1997, 76 = Adversus haereses IV 10,1</ref> teils problematischen<ref>Justin 1997, 171 = Dialogus 58,11</ref> Zusammenhängen wirksam werden.
    
In der Kunstgeschichte kann eine analoge Wahrnehmung der Problematik dann vorliegen, wenn an der Spitze der Leiter das Symbol der Menorah (Sergej Tihomirov, *1965 in Moskau, jetzt in Hannover lebend) oder eine Mehrzahl von Engeln sichtbar wird (Adalbert Trillhaase, 1858–1936, ''Jakobs Traum'') oder die Wolke als Zeichen der verhüllten göttlichen Gegenwart oder ein weißes Licht bzw. ein Lichtstrahl erscheint. In der niederländischen Malerei nach Rembrandt, aber auch in Josepe de Ribera (1591-1652) ''Jakobs'' Traum (1639), ersetzt er die Leiter insgesamt (Kauffmann 2006, 375).
 
In der Kunstgeschichte kann eine analoge Wahrnehmung der Problematik dann vorliegen, wenn an der Spitze der Leiter das Symbol der Menorah (Sergej Tihomirov, *1965 in Moskau, jetzt in Hannover lebend) oder eine Mehrzahl von Engeln sichtbar wird (Adalbert Trillhaase, 1858–1936, ''Jakobs Traum'') oder die Wolke als Zeichen der verhüllten göttlichen Gegenwart oder ein weißes Licht bzw. ein Lichtstrahl erscheint. In der niederländischen Malerei nach Rembrandt, aber auch in Josepe de Ribera (1591-1652) ''Jakobs'' Traum (1639), ersetzt er die Leiter insgesamt (Kauffmann 2006, 375).

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