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Änderungen – Lexikon Traumkultur

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Wenn ich dich nur hab’ im Hertzen
 
Wenn ich dich nur hab’ im Hertzen
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Fühl’ ich nicht der Seelen Schmertzen.</blockquote><blockquote>9. Wenn mein’ Augen schon sich schliessen
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Fühl’ ich nicht der Seelen Schmertzen.</blockquote><blockquote>9.  
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Wenn mein’ Augen schon sich schliessen
    
Und ermüdet schlaffen ein/
 
Und ermüdet schlaffen ein/
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Rists Abendlied wurde von Zeitgenoss:innen vielfach rezipiert: Es findet sich in zahlreichen Kirchenliedersammlungen, etwa in verschiedenen Ausgaben von Johann Crügers (1598-1662) Gesangbuch Praxis Pietatis Melica (seit 1648), einer der bedeutendsten protestantischen Liedersammlungen des 17. Jahrhunderts. Auch in die Hildesheimer Ausgabe des Neu=vermehrte[n] Geistliche[n] Gesangbuch[s] von 1700 wurde das Lied aufgenommen. Wie für die frühneuzeitliche Lieddichtung und -rezeption typisch, finden sich zahlreiche Variationen des Abendliedes: Die von Schop stammende Melodie wurde mehrfach wiederverwendet, Rists Text, wie erwähnt, teilweise von ihm selbst, teilweise durch andere Dichter:innen umgestaltet. Die Gräfin Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt (auch: Emilie; 1637-1706) beispielsweise verwendete Rists Abendlied als Vorlage für ihren Text Ein Lied einer Person / welche die Letzte von ihrem Geschlechte.1
 
Rists Abendlied wurde von Zeitgenoss:innen vielfach rezipiert: Es findet sich in zahlreichen Kirchenliedersammlungen, etwa in verschiedenen Ausgaben von Johann Crügers (1598-1662) Gesangbuch Praxis Pietatis Melica (seit 1648), einer der bedeutendsten protestantischen Liedersammlungen des 17. Jahrhunderts. Auch in die Hildesheimer Ausgabe des Neu=vermehrte[n] Geistliche[n] Gesangbuch[s] von 1700 wurde das Lied aufgenommen. Wie für die frühneuzeitliche Lieddichtung und -rezeption typisch, finden sich zahlreiche Variationen des Abendliedes: Die von Schop stammende Melodie wurde mehrfach wiederverwendet, Rists Text, wie erwähnt, teilweise von ihm selbst, teilweise durch andere Dichter:innen umgestaltet. Die Gräfin Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt (auch: Emilie; 1637-1706) beispielsweise verwendete Rists Abendlied als Vorlage für ihren Text Ein Lied einer Person / welche die Letzte von ihrem Geschlechte.1
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Auch über das 17. Jahrhundert hinaus verlor Rists Abendlied nicht an Aktualität: In Fischers Kirchenlieder-Lexikon aus dem Jahr 1879 ist es als „Kernlied“ markiert, was bedeutet, dass es in nahezu allen für die Zusammenstellung des Lexikons verwendeten Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert vertreten ist. Heute ist es als Lied Nr. 475 unter der Rubrik „Abend“ in aktuellen Ausgaben des Evangelischen Gesangbuchs abgedruckt. Der Text dieser Version unterscheidet sich an einigen Stellen von Rists Erstfassung: Die Eröffnungsstrophe beispielweise schließt nicht mit dem Dank des Sprecher-Ichs für Gottes Schutz vor dem Teufel („da er mich den gantzen Tag/ für so mancher schweren Plag’/ hat erhalten und beschützet/ daß mich Satan nicht beschmitze“), sondern listet andere Qualen auf, vor denen Gott das Ich bewahrt hat: „da er mich den ganzen Tag vor so mancher schweren Plag, vor Betrübnis, Schand und Schaden treu behütet hat in Gnaden“. Weitere Abweichungen vom Original sind u. a. in der dritten („mich umgebe und beschütze“ statt „Und mein kaltes Hertz erhitze“) und vierten Strophe („lösen von der Sünde Ketten“ statt „Straffe nicht mein Ubertretten“) festzustellen. Zudem wurde Rists Abendlied hier auf acht der ursprünglich zwölf Strophen gekürzt: Die Strophen 3, 7 und 8 sowie die für vorliegenden Artikel interessante ‚Traumstrophe‘ (Str. 9) der Originalfassung sind nicht mehr enthalten.
 
Auch über das 17. Jahrhundert hinaus verlor Rists Abendlied nicht an Aktualität: In Fischers Kirchenlieder-Lexikon aus dem Jahr 1879 ist es als „Kernlied“ markiert, was bedeutet, dass es in nahezu allen für die Zusammenstellung des Lexikons verwendeten Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert vertreten ist. Heute ist es als Lied Nr. 475 unter der Rubrik „Abend“ in aktuellen Ausgaben des Evangelischen Gesangbuchs abgedruckt. Der Text dieser Version unterscheidet sich an einigen Stellen von Rists Erstfassung: Die Eröffnungsstrophe beispielweise schließt nicht mit dem Dank des Sprecher-Ichs für Gottes Schutz vor dem Teufel („da er mich den gantzen Tag/ für so mancher schweren Plag’/ hat erhalten und beschützet/ daß mich Satan nicht beschmitze“), sondern listet andere Qualen auf, vor denen Gott das Ich bewahrt hat: „da er mich den ganzen Tag vor so mancher schweren Plag, vor Betrübnis, Schand und Schaden treu behütet hat in Gnaden“. Weitere Abweichungen vom Original sind u. a. in der dritten („mich umgebe und beschütze“ statt „Und mein kaltes Hertz erhitze“) und vierten Strophe („lösen von der Sünde Ketten“ statt „Straffe nicht mein Ubertretten“) festzustellen. Zudem wurde Rists Abendlied hier auf acht der ursprünglich zwölf Strophen gekürzt: Die Strophen 3, 7 und 8 sowie die für vorliegenden Artikel interessante ‚Traumstrophe‘ (Str. 9) der Originalfassung sind nicht mehr enthalten.
    
==Autor==
 
==Autor==
 
===Lebensstationen===
 
===Lebensstationen===
Johann (auch: Johannes) Rist wurde am 8. März 1607 in Ottensen bei Hamburg als Sohn eines evangelischen Pastors geboren. Er wurde zunächst durch den Vater unterrichtet und besuchte anschließend das Hamburger Johanneum sowie das Bremer Gymnasium illustre. Ab 1626 studierte er an der Universität Rostock Theologie, Naturwissenschaften sowie Medizin und Pharmazie. 1629 führte er sein Studium an der Universität Rinteln fort, wo er auf den Theologen und Kirchenlieddichter Josua Stegmann (1588-1632) traf, der Rists Interesse für die deutsche Literatur weckte. Nachdem er etwa zwei Jahre lang als Hauslehrer gearbeitet hatte, wurde Rist 1635 als Pastor nach Wedel im südlichen Schleswig-Holstein berufen (vgl. Diecks 2003, 646f.).
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Johann (auch: Johannes) Rist wurde am 8. März 1607 in Ottensen bei Hamburg als Sohn eines evangelischen Pastors geboren. Er wurde zunächst durch den Vater unterrichtet und besuchte anschließend das Hamburger Johanneum sowie das Bremer Gymnasium illustre. Ab 1626 studierte er an der Universität Rostock Theologie, Naturwissenschaften sowie Medizin und Pharmazie. 1629 führte er sein Studium an der Universität Rinteln fort, wo er auf den Theologen und Kirchenlieddichter Josua Stegmann (1588-1632) traf, der Rists Interesse für die deutsche Literatur weckte. Nachdem er etwa zwei Jahre lang als Hauslehrer gearbeitet hatte, wurde Rist 1635 als Pastor nach Wedel im südlichen Schleswig-Holstein berufen (vgl. Diecks 2003, 646f.).  
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In Wedel war Rist neben seiner pastoralen Tätigkeit auch forscherisch aktiv und betrieb naturwissenschaftliche, pharmazeutische sowie botanische Studien. Der Großteil seines literarischen Schaffens und Wirkens fand ebenfalls in Wedel statt. 1645 wurde Rist unter dem Schäfernamen „Daphnis aus Cimbrien“ in den Pegnesischen Blumenorden aufgenommen, 1647 trat er unter dem Pseudonym „Der Rüstige“ der Fruchtbringenden Gesellschaft bei. Etwa zehn Jahre später gründete Rist den Elbschwanenorden, welchem er als „Palatinus“ vorstand (vgl. Dünnhaupt 1991, 3374).
 
In Wedel war Rist neben seiner pastoralen Tätigkeit auch forscherisch aktiv und betrieb naturwissenschaftliche, pharmazeutische sowie botanische Studien. Der Großteil seines literarischen Schaffens und Wirkens fand ebenfalls in Wedel statt. 1645 wurde Rist unter dem Schäfernamen „Daphnis aus Cimbrien“ in den Pegnesischen Blumenorden aufgenommen, 1647 trat er unter dem Pseudonym „Der Rüstige“ der Fruchtbringenden Gesellschaft bei. Etwa zehn Jahre später gründete Rist den Elbschwanenorden, welchem er als „Palatinus“ vorstand (vgl. Dünnhaupt 1991, 3374).
 
Rist wurde 1646 zum Diakon ernannt, im selben Jahr wurde ihm die Dichterkrone verliehen. 1654 erfolgte die Erhebung zum kaiserlichen Hofpfalzgrafen, die das „Zenit seiner öffentlichen Ehrungen“ (Dünnhaupt 1991, 3374) bedeutete. Er starb am 31. August 1667 in Wedel.  
 
Rist wurde 1646 zum Diakon ernannt, im selben Jahr wurde ihm die Dichterkrone verliehen. 1654 erfolgte die Erhebung zum kaiserlichen Hofpfalzgrafen, die das „Zenit seiner öffentlichen Ehrungen“ (Dünnhaupt 1991, 3374) bedeutete. Er starb am 31. August 1667 in Wedel.  
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===Traum im Werk Johann Rists===
 
===Traum im Werk Johann Rists===
 
Rist zählt zu den produktivsten Autoren der Barockzeit: Er hinterließ zwölf Lyriksammlungen, die sowohl weltliche als auch geistliche Dichtung enthalten. Daneben schrieb er 30 Dramen, von denen allerdings nur vier überliefert sind (vgl. Diecks 2003, 646f.). Bekannt sind vor allem Rists geistliche Lieder, von denen er über 650 verfasste und „die ihm bis in die heutige Zeit unverlöschlichen Ruhm eintrugen“ (Dünnhaupt 1991, 3374).  
 
Rist zählt zu den produktivsten Autoren der Barockzeit: Er hinterließ zwölf Lyriksammlungen, die sowohl weltliche als auch geistliche Dichtung enthalten. Daneben schrieb er 30 Dramen, von denen allerdings nur vier überliefert sind (vgl. Diecks 2003, 646f.). Bekannt sind vor allem Rists geistliche Lieder, von denen er über 650 verfasste und „die ihm bis in die heutige Zeit unverlöschlichen Ruhm eintrugen“ (Dünnhaupt 1991, 3374).  
Das Motiv des Traums nimmt im Gesamtwerk des Dichters zwar keine prominente Stellung ein, ist jedoch in einigen seiner Texte unterschiedlicher Genres und Gattungen durchaus vertreten: Das Schäfergedicht Traurige Nachtklage (ED 1656) beispielsweise handelt von der unerwiderten Liebe des Schäfers Dafnis – Rists Pseudonym im Pegnesischen Blumenorden –, der sich wünscht, seiner Geliebten zumindest in deren Träumen zu gefallen (vgl. Str. 6 und 10). Im KlagGedicht Der verliebten Schäfferin SYLVIA (ED 1634) beweint die Sprecherin ihre trügerischen, hier durch den Liebesgott erzeugten Träume, die ihr eine erfüllte Liebe zum Schäfer Philistel vorspielen:
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Es ist mein’ arme Seel so lang’ im Traum erfüllet
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Das Motiv des Traums nimmt im Gesamtwerk des Dichters zwar keine prominente Stellung ein, ist jedoch in einigen seiner Texte unterschiedlicher Genres und Gattungen durchaus vertreten: Das Schäfergedicht Traurige Nachtklage (ED 1656) beispielsweise handelt von der unerwiderten Liebe des Schäfers Dafnis – Rists Pseudonym im Pegnesischen Blumenorden –, der sich wünscht, seiner Geliebten zumindest in deren Träumen zu gefallen (vgl. Str. 6 und 10). Im KlagGedicht Der verliebten Schäfferin SYLVIA (ED 1634) beweint die Sprecherin ihre trügerischen, hier durch den Liebesgott erzeugten Träume, die ihr eine erfüllte Liebe zum Schäfer Philistel vorspielen:<blockquote>Es ist mein’ arme Seel so lang’ im Traum erfüllet
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Mit süsser Liebes Frewd / biß AMOR selbst verhüllet
 
Mit süsser Liebes Frewd / biß AMOR selbst verhüllet
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Sein zartes Angesicht / vnd machet sich gleich blind /
 
Sein zartes Angesicht / vnd machet sich gleich blind /
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Kompt drauf geflogen her mit Waffen gar geschwind /
 
Kompt drauf geflogen her mit Waffen gar geschwind /
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Zerstöret meinen Traum / mein frewen / küssen / lachen /
 
Zerstöret meinen Traum / mein frewen / küssen / lachen /
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Verjaget PHILISTEL, vnd lesset mich erwachen /
 
Verjaget PHILISTEL, vnd lesset mich erwachen /
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So ist mein Lieb davon / CUPIDO hat mich nur
 
So ist mein Lieb davon / CUPIDO hat mich nur
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Betrogen mit dem Traum / dem Schatten vnd FIGUR,
 
Betrogen mit dem Traum / dem Schatten vnd FIGUR,
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Jch arme Schäfferin! Mein Schäffer ist verschwunden /
 
Jch arme Schäfferin! Mein Schäffer ist verschwunden /
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Mein Schäffer / der mirs Hertz’ im Traum’ auch kan verwunden;
 
Mein Schäffer / der mirs Hertz’ im Traum’ auch kan verwunden;
(V. 73-82)
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In Rists Gedichten, die 1652 in seinem Werk Neuer Teutscher Parnass veröffentlicht wurden, taucht das Traummotiv ebenfalls auf: Im Klaglied Uber die schnelle Flüchtigkeit dises irdischen und trübseligen Lebens unterstützt der Traum die Vergänglichkeitsmetaphorik (vgl. Str. 4 und 5), ähnlich verhält es sich in einem seiner Ehrengedichte (Ehrengedächtniß / Dem Weiland WolEhrenvesten / Großachtbaren und wolbenamten Herren / H. Eberhard Schlaeff):
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(V. 73-82)</blockquote>In Rists Gedichten, die 1652 in seinem Werk Neuer Teutscher Parnass veröffentlicht wurden, taucht das Traummotiv ebenfalls auf: Im Klaglied Uber die schnelle Flüchtigkeit dises irdischen und trübseligen Lebens unterstützt der Traum die Vergänglichkeitsmetaphorik (vgl. Str. 4 und 5), ähnlich verhält es sich in einem seiner Ehrengedichte (Ehrengedächtniß / Dem Weiland WolEhrenvesten / Großachtbaren und wolbenamten Herren / H. Eberhard Schlaeff):<blockquote>Der spöttische Betrug / wodurch Er in dem Orden
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Der spöttische Betrug / wodurch Er in dem Orden
   
Der Schläffer / nakkend / matt und dürftig ist geworden /
 
Der Schläffer / nakkend / matt und dürftig ist geworden /
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Ey spricht Er / war Mir doch der Traum so trefflich süss /
 
Ey spricht Er / war Mir doch der Traum so trefflich süss /
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Daß Mich bedäucht’ Jch wer in Einem Paradiß /
 
Daß Mich bedäucht’ Jch wer in Einem Paradiß /
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Nun ist es Phantasey. So geht des Menschen Leben
 
Nun ist es Phantasey. So geht des Menschen Leben
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Gleich träumend auch dahin. Wir sehen für uns schweben
 
Gleich träumend auch dahin. Wir sehen für uns schweben
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So manche süsse Lust / so mache Freüd’ und Pracht /
 
So manche süsse Lust / so mache Freüd’ und Pracht /
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Kaum kennet man Sie recht / so gibt man gute Nacht.
 
Kaum kennet man Sie recht / so gibt man gute Nacht.
(V. 61-68)
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Auch in Rists Dramen ist der Traum vertreten: In seinem Stück Perseus (ED und Uraufführung 1634) etwa hat die Figur Eudocia einen auf den melancholischen Zustand ihres zukünftigen Ehemanns Demetrius vorausdeutenden Traum, wie aus folgendem Dialog zwischen ihr und ihrem Bruder Alexander hervorgeht:
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EUDOCIA: […] Jtzo aber stehe ich vnd betrachte den sehr trawrigen Traum / der mir die nechstverwichene Nacht im schlaffe ist vorkommen / welches Traums wegen / ich fast diesen gantzen Tag über sehr bestürtzet bin gewesen. […]
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ALEXANDER: Ob ich zwahr nicht viel auff Träume halte / dennoch bitte ich / die Schwester wolle mir diesen jhren Traum erzehlen. Aber wen sehe ich dar so gahr trawrig vnd betrübt herümmer gehen / ist mir recht / so ist es niemandt anders alß der Printz Demetrius.
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(V. 61-68)</blockquote>Auch in Rists Dramen ist der Traum vertreten: In seinem Stück Perseus (ED und Uraufführung 1634) etwa hat die Figur Eudocia einen auf den melancholischen Zustand ihres zukünftigen Ehemanns Demetrius vorausdeutenden Traum, wie aus folgendem Dialog zwischen ihr und ihrem Bruder Alexander hervorgeht:<blockquote>EUDOCIA: […] Jtzo aber stehe ich vnd betrachte den sehr trawrigen Traum / der mir die nechstverwichene Nacht im schlaffe ist vorkommen / welches Traums wegen / ich fast diesen gantzen Tag über sehr bestürtzet bin gewesen. […]
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Die genannten Textbeispiele geben singuläre Einblicke in Rists dichterische Umsetzung der Traummotivik. Um ein aussagekräftigeres Bild ebendieser zu erhalten, bedarf es einer intensiven Sichtung des umfangreichen Werks des Dichters.
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ALEXANDER: Ob ich zwahr nicht viel auff Träume halte / dennoch bitte ich / die Schwester wolle mir diesen jhren Traum erzehlen. Aber wen sehe ich dar so gahr trawrig vnd betrübt herümmer gehen / ist mir recht / so ist es niemandt anders alß der Printz Demetrius.</blockquote>Die genannten Textbeispiele geben singuläre Einblicke in Rists dichterische Umsetzung der Traummotivik. Um ein aussagekräftigeres Bild ebendieser zu erhalten, bedarf es einer intensiven Sichtung des umfangreichen Werks des Dichters.
    
==Kontextualisierung==
 
==Kontextualisierung==
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===Träume in Abendliedern===
 
===Träume in Abendliedern===
 
Das Motiv des Traums, das Rist in seinem Abendlied als Verbindungsmöglichkeit zu Gott fruchtbar macht, ist im Abendliedgenre nicht unüblich. In Scherfs Abendliedersammlung beispielsweise finden sich mindestens um die 40 von insgesamt 526 Abendliedern aus fünf Jahrunderten, in denen der Traum zur Sprache kommt (vgl. Scherf 2020). Auffällig ist, dass etwa die Hälfte dieser Lieder erstens der Barockepoche zuzuordnen ist und zweitens den Traum in einen negativen Zusammenhang stellt: So werden in der Regel nur „böse“ Träume in einer Reihe mit Gespenstern und anderen Gefahren der Nacht thematisiert, wie etwa bei Johann Franck (auch: Frank; 1618 bis 1677): „Oeffne deiner güte fenster / Sende deine macht herab / Daß die schwartzen nacht=gespenster / Daß des todes finstres grab/ Daß das übel so bey nacht / Unsern leib zu fällen tracht’t / Mich nicht mit dem netz ümdecke / Noch ein böser traum mich schrecke.“ (Str. 5)3 In einem vergleichbaren Abendlied soll Gott, so bittet das Ich, dabei helfen, „[d]aß kein gespenst im schlaff mich thör/ Noch böser traum mein ruh verstöhr“ (Str. 9);4 in einem anderen Beispiel heißt es: „Für bösen träumen mich bewahr/ Entzeuch mich aller angst=gefahr“ (Str. 4).5 Auch in der Abendlieddichtung Georg Philipp Harsdörffers (1607 bis 1658) ist das Träumen mit negativen Implikationen verbunden; in einem seiner Lieder bittet die Sprechinstanz beispielsweise um ruhigen Schlaf „[o]hn böse Träum und Schmertz“ (Str. 7).6
 
Das Motiv des Traums, das Rist in seinem Abendlied als Verbindungsmöglichkeit zu Gott fruchtbar macht, ist im Abendliedgenre nicht unüblich. In Scherfs Abendliedersammlung beispielsweise finden sich mindestens um die 40 von insgesamt 526 Abendliedern aus fünf Jahrunderten, in denen der Traum zur Sprache kommt (vgl. Scherf 2020). Auffällig ist, dass etwa die Hälfte dieser Lieder erstens der Barockepoche zuzuordnen ist und zweitens den Traum in einen negativen Zusammenhang stellt: So werden in der Regel nur „böse“ Träume in einer Reihe mit Gespenstern und anderen Gefahren der Nacht thematisiert, wie etwa bei Johann Franck (auch: Frank; 1618 bis 1677): „Oeffne deiner güte fenster / Sende deine macht herab / Daß die schwartzen nacht=gespenster / Daß des todes finstres grab/ Daß das übel so bey nacht / Unsern leib zu fällen tracht’t / Mich nicht mit dem netz ümdecke / Noch ein böser traum mich schrecke.“ (Str. 5)3 In einem vergleichbaren Abendlied soll Gott, so bittet das Ich, dabei helfen, „[d]aß kein gespenst im schlaff mich thör/ Noch böser traum mein ruh verstöhr“ (Str. 9);4 in einem anderen Beispiel heißt es: „Für bösen träumen mich bewahr/ Entzeuch mich aller angst=gefahr“ (Str. 4).5 Auch in der Abendlieddichtung Georg Philipp Harsdörffers (1607 bis 1658) ist das Träumen mit negativen Implikationen verbunden; in einem seiner Lieder bittet die Sprechinstanz beispielsweise um ruhigen Schlaf „[o]hn böse Träum und Schmertz“ (Str. 7).6
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Rists Werde munter mein Gemüte präsentiert einen Gegenentwurf dieser im Abendliedgenre verbreiteten negativen Trauminszenierung: In seinem Abendlied geht es nicht um böse, sondern um göttliche, vor den Gefahren der Nacht schützende Träume. Anstatt dass der Traum die Ängste vor Nacht und Schlaf noch steigert, erfüllt er hier eine Verbindungs- und zugleich eine Art Wächterfunktion: Über ihn wird eine Glaubensbindung an Gott geschaffen, die selbst im Schlaf eine bestimmte Form der Wachsamkeit und dadurch einen gewissen Schutz vor den Gefahren der Nacht ermöglichen soll. Andere Abendliedbeispiele, in denen der Traum auf diese produktive Weise eingesetzt wird, finden sich etwa im Werk der bereits erwähnten Gräfin Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt.7
 
Rists Werde munter mein Gemüte präsentiert einen Gegenentwurf dieser im Abendliedgenre verbreiteten negativen Trauminszenierung: In seinem Abendlied geht es nicht um böse, sondern um göttliche, vor den Gefahren der Nacht schützende Träume. Anstatt dass der Traum die Ängste vor Nacht und Schlaf noch steigert, erfüllt er hier eine Verbindungs- und zugleich eine Art Wächterfunktion: Über ihn wird eine Glaubensbindung an Gott geschaffen, die selbst im Schlaf eine bestimmte Form der Wachsamkeit und dadurch einen gewissen Schutz vor den Gefahren der Nacht ermöglichen soll. Andere Abendliedbeispiele, in denen der Traum auf diese produktive Weise eingesetzt wird, finden sich etwa im Werk der bereits erwähnten Gräfin Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt.7
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===Traumdarstellung===
 
===Traumdarstellung===
 
In Strophe neun wird die Herzensmetaphorik um einen weiteren Aspekt ergänzt, indem Rist sie mit dem Schlaf- bzw. Traumvorgang verknüpft: Dem Herzen wird die Funktion eines Verbindungsmediums zwischen schlafendem Ich und Gott zugeschrieben: Wenn sich die Augen des Ichs beim Einschlafen schließen, soll das Herz dennoch wachsam bzw. bestrebt („gefliessen“8) auf Gott fokussiert sein; es löst sozusagen die Augen als (Seh-)Sinnesorgan im Schlaf ab. Die Vorstellung eines dem Herrn entgegenblickenden Herzens erinnert an eine Bibelstelle aus dem Buch Samuel, an der sich ein vergleichbares Bild mit umgekehrter Blickrichtung findet: „Ein Mensch sihet was fur augen ist / der HERR aber sihet das hertz an [Hervor. d. Verf.].“ (1 Sam 16,7) Die im Bibeltext beschriebene Anschauung kann als göttliche Ergründung des Herzens und damit, aufgrund der Verwobenheit der entsprechenden Begriffe, als Ergründung der Seele verstanden werden: „In vielen Fällen lässt sich die Bezeichnung ›Herz‹ entweder als Synonym oder – sofern man ernst nimmt, dass das Herz in seiner Lokalisierbarkeit, Materialität und Sterblichkeit der Seele nicht entspricht – wenigstens als eine Art ›Metapher‹ für die Seele betrachten. Auch von einer metonymischen Repräsentation der Seele durch das Herz könnte man, dieses als Seelensitz begreifend, sprechen.“ (Doms 2010, 115) Diese Verflechtung von Herz und Seele geht aus Rists Abendlied deutlich hervor: Auf die Schilderung des auf Gott konzentrierten Herzens folgt unmittelbar die Aufforderung an die Seele, „mit Begier“ (Str. 9) und immerzu von Gott zu träumen. Statt von einer Verflechtung könnte hier auch von einer Verschaltung gesprochen werden, denn während die Herzensausrichtung die Grundlage für den Kontaktaufbau mit Gott bildet, ist es im zweiten Schritt die Seele des Ichs, die die erwünschte Verbindung zu Gott über den Traum ermöglicht. Entsprechend der frühneuzeitlichen, u. a. auf die Traumtheorie Philipp Melanchthons (1497-1560) zurückgehenden Vorstellung von göttlichen Träumen als etwas Widerfahrendes, „nit ohn gefähr/ auch nicht auß natürlichen vrsachen/sonder von oben herab“9 Kommendes fällt der Seele dabei die Funktion eines Empfangsmediums zu. Dies wird vor allem anhand der im 17. Jahrhundert verbreiteten Dativkonstruktion des Verbs ›träumen‹10 in den beiden Schlüsselversen „Meiner Seele mit Begier Träume stets O Gott von dir“ deutlich, auf deren Wirkung auch Schirrmeister aufmerksam macht: „In der im Deutschen (nicht aber im Englischen oder Französischen) möglichen Formulierung ihm träumte anstatt des üblichen er träumte scheint noch die Vorstellung des Träumenden als Objekt statt eines Subjekts seiner Träume auf.“ (Schirrmeister 2001, 298)
 
In Strophe neun wird die Herzensmetaphorik um einen weiteren Aspekt ergänzt, indem Rist sie mit dem Schlaf- bzw. Traumvorgang verknüpft: Dem Herzen wird die Funktion eines Verbindungsmediums zwischen schlafendem Ich und Gott zugeschrieben: Wenn sich die Augen des Ichs beim Einschlafen schließen, soll das Herz dennoch wachsam bzw. bestrebt („gefliessen“8) auf Gott fokussiert sein; es löst sozusagen die Augen als (Seh-)Sinnesorgan im Schlaf ab. Die Vorstellung eines dem Herrn entgegenblickenden Herzens erinnert an eine Bibelstelle aus dem Buch Samuel, an der sich ein vergleichbares Bild mit umgekehrter Blickrichtung findet: „Ein Mensch sihet was fur augen ist / der HERR aber sihet das hertz an [Hervor. d. Verf.].“ (1 Sam 16,7) Die im Bibeltext beschriebene Anschauung kann als göttliche Ergründung des Herzens und damit, aufgrund der Verwobenheit der entsprechenden Begriffe, als Ergründung der Seele verstanden werden: „In vielen Fällen lässt sich die Bezeichnung ›Herz‹ entweder als Synonym oder – sofern man ernst nimmt, dass das Herz in seiner Lokalisierbarkeit, Materialität und Sterblichkeit der Seele nicht entspricht – wenigstens als eine Art ›Metapher‹ für die Seele betrachten. Auch von einer metonymischen Repräsentation der Seele durch das Herz könnte man, dieses als Seelensitz begreifend, sprechen.“ (Doms 2010, 115) Diese Verflechtung von Herz und Seele geht aus Rists Abendlied deutlich hervor: Auf die Schilderung des auf Gott konzentrierten Herzens folgt unmittelbar die Aufforderung an die Seele, „mit Begier“ (Str. 9) und immerzu von Gott zu träumen. Statt von einer Verflechtung könnte hier auch von einer Verschaltung gesprochen werden, denn während die Herzensausrichtung die Grundlage für den Kontaktaufbau mit Gott bildet, ist es im zweiten Schritt die Seele des Ichs, die die erwünschte Verbindung zu Gott über den Traum ermöglicht. Entsprechend der frühneuzeitlichen, u. a. auf die Traumtheorie Philipp Melanchthons (1497-1560) zurückgehenden Vorstellung von göttlichen Träumen als etwas Widerfahrendes, „nit ohn gefähr/ auch nicht auß natürlichen vrsachen/sonder von oben herab“9 Kommendes fällt der Seele dabei die Funktion eines Empfangsmediums zu. Dies wird vor allem anhand der im 17. Jahrhundert verbreiteten Dativkonstruktion des Verbs ›träumen‹10 in den beiden Schlüsselversen „Meiner Seele mit Begier Träume stets O Gott von dir“ deutlich, auf deren Wirkung auch Schirrmeister aufmerksam macht: „In der im Deutschen (nicht aber im Englischen oder Französischen) möglichen Formulierung ihm träumte anstatt des üblichen er träumte scheint noch die Vorstellung des Träumenden als Objekt statt eines Subjekts seiner Träume auf.“ (Schirrmeister 2001, 298)
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Darüber hinaus vermischen sich in Rists Traumdarstellung geistige und körperliche Verbundenheit: Das lyrische Ich erhofft sich von seinen nächtlichen Träumen, Gott als Beschützer im Geiste bei sich zu haben, um „auch schlaffend“ sein zu verbleiben (Str. 9); das Adverb „auch“ betont dabei das tiefe Gottvertrauen des Ichs, denn es impliziert, dass die im Schlaf (bzw. in der Nacht) erbetene Verbundenheit im Wachzustand (bzw. bei Tag) bereits gegeben ist. Gleichzeitig sehnt sich das Ich danach, an Gott zu „bekleiben“, will also physisch mit ihm verbunden sein, an ihm ‚kleben‘.11 Mit Berührungsmetaphorik wird auch in den vorangehenden Strophen gespielt, indem das Ich seine Ängste vor sowohl irrealen als auch realen Gefahren als körperliche Angriffe ebendieser darstellt: Es bittet um göttlichen Beistand, vom Teufel „nicht beschmitzet“ (Str. 1) zu werden und von seinen Feinden „unbeschädigt“ (Str. 2) zu bleiben. Dem gegenüber steht das bereits erwähnte schmerzfreie Gefühl, Gott im Herzen zu tragen (vgl. Str. 8).
 
Darüber hinaus vermischen sich in Rists Traumdarstellung geistige und körperliche Verbundenheit: Das lyrische Ich erhofft sich von seinen nächtlichen Träumen, Gott als Beschützer im Geiste bei sich zu haben, um „auch schlaffend“ sein zu verbleiben (Str. 9); das Adverb „auch“ betont dabei das tiefe Gottvertrauen des Ichs, denn es impliziert, dass die im Schlaf (bzw. in der Nacht) erbetene Verbundenheit im Wachzustand (bzw. bei Tag) bereits gegeben ist. Gleichzeitig sehnt sich das Ich danach, an Gott zu „bekleiben“, will also physisch mit ihm verbunden sein, an ihm ‚kleben‘.11 Mit Berührungsmetaphorik wird auch in den vorangehenden Strophen gespielt, indem das Ich seine Ängste vor sowohl irrealen als auch realen Gefahren als körperliche Angriffe ebendieser darstellt: Es bittet um göttlichen Beistand, vom Teufel „nicht beschmitzet“ (Str. 1) zu werden und von seinen Feinden „unbeschädigt“ (Str. 2) zu bleiben. Dem gegenüber steht das bereits erwähnte schmerzfreie Gefühl, Gott im Herzen zu tragen (vgl. Str. 8).
    
===Schluss===
 
===Schluss===
 
Das Bild vom göttlichen Beschützer in der Nacht wird in den abschließenden drei Strophen erweitert: Der Segen Gottes wird als Bettdecke metaphorisiert, die sich schützend über das schlafende Ich legen soll. Gott soll jedoch nicht nur das Ich selbst behüten, sondern den christlichen Wertevorstellungen der Zeit folgend auch all das, was diesem zugehörig oder wichtig ist – selbst seine Feinde: „Leib und Seele/ Muth und Blut/ Weib und Kinder/ Haab’ und Gut/ Freunde/ Feind’ und Haußgenossen/ Seyn in deinen Schutz geschlossen.“ (Str. 10) Mit der Formulierung „Weib und Kinder“ wird dabei erstmals eine geschlechtliche Markierung des lyrischen Ichs angedeutet. Eine männliche Sprechinstanz erscheint insofern plausibel, als davon auszugehen ist, dass das Vorsingen von Abendliedern traditionell durch den Hausvater erfolgte, dem in der frühen Neuzeit sowie darüber hinaus die (An-)Leitung häuslicher Andachten zufiel (vgl. Meyer 2020, 476), wie etwa auch das ein Jahrhundert später erschienene Abend- und heutige Volkslied Der Mond ist aufgegangen (ED 1779)12 von Matthias Claudius (1740 bis 1815) impliziert (vgl. Str. 3 und 7).
 
Das Bild vom göttlichen Beschützer in der Nacht wird in den abschließenden drei Strophen erweitert: Der Segen Gottes wird als Bettdecke metaphorisiert, die sich schützend über das schlafende Ich legen soll. Gott soll jedoch nicht nur das Ich selbst behüten, sondern den christlichen Wertevorstellungen der Zeit folgend auch all das, was diesem zugehörig oder wichtig ist – selbst seine Feinde: „Leib und Seele/ Muth und Blut/ Weib und Kinder/ Haab’ und Gut/ Freunde/ Feind’ und Haußgenossen/ Seyn in deinen Schutz geschlossen.“ (Str. 10) Mit der Formulierung „Weib und Kinder“ wird dabei erstmals eine geschlechtliche Markierung des lyrischen Ichs angedeutet. Eine männliche Sprechinstanz erscheint insofern plausibel, als davon auszugehen ist, dass das Vorsingen von Abendliedern traditionell durch den Hausvater erfolgte, dem in der frühen Neuzeit sowie darüber hinaus die (An-)Leitung häuslicher Andachten zufiel (vgl. Meyer 2020, 476), wie etwa auch das ein Jahrhundert später erschienene Abend- und heutige Volkslied Der Mond ist aufgegangen (ED 1779)12 von Matthias Claudius (1740 bis 1815) impliziert (vgl. Str. 3 und 7).
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An die Wünsche für die Mitmenschen schließt sich die Bitte um Schutz vor Unheil an: Gott soll das Sprecher-Ich vor Krankheit, Krieg und Umweltkatastrophen bewahren. Insbesondere fürchtet sich das Ich vor einem sündvollen Tod, wie aus der Bitte „Laß mich nicht in Sünden sterben Noch an Leib’ und Seel verderben“ (Str. 11) hervorgeht. Beim zweiten Teil dieses Verses, der als Anspielung auf die Machenschaften des Teufels zu verstehen ist und damit einen Rückbezug zu den ersten drei Strophen herstellt, handelt es sich vermutlich um eine weitere Bibelreferenz: „VND fürchtet euch nicht fur denen / die den Leib tödten / vnd die Seele nicht mögen tödten. Fürchtet euch aber viel mehr fur dem / der Leib vnd Seele verderben mag / in die Helle [Hervorh. d. Verf.].“ (Mt 10,28)
 
An die Wünsche für die Mitmenschen schließt sich die Bitte um Schutz vor Unheil an: Gott soll das Sprecher-Ich vor Krankheit, Krieg und Umweltkatastrophen bewahren. Insbesondere fürchtet sich das Ich vor einem sündvollen Tod, wie aus der Bitte „Laß mich nicht in Sünden sterben Noch an Leib’ und Seel verderben“ (Str. 11) hervorgeht. Beim zweiten Teil dieses Verses, der als Anspielung auf die Machenschaften des Teufels zu verstehen ist und damit einen Rückbezug zu den ersten drei Strophen herstellt, handelt es sich vermutlich um eine weitere Bibelreferenz: „VND fürchtet euch nicht fur denen / die den Leib tödten / vnd die Seele nicht mögen tödten. Fürchtet euch aber viel mehr fur dem / der Leib vnd Seele verderben mag / in die Helle [Hervorh. d. Verf.].“ (Mt 10,28)
 
Der Gebetscharakter des Liedes kommt in der letzten Strophe am stärksten zum Vorschein: „Amen/ ja/ das sol geschehen.“ (Str. 10) Indem das lyrische Ich seine bittenden Worte an Gott, Jesus und den Heiligen Geist richtet, wird der christliche Trinitätsgedanke aufgegriffen. Schlaf und Traum kommen hier zwar nicht mehr zur Sprache, jedoch spielt die Metaphorisierung des Geistes als „Hort“ auf ein (endgültiges) Ruhen des Ichs in Gott an.
 
Der Gebetscharakter des Liedes kommt in der letzten Strophe am stärksten zum Vorschein: „Amen/ ja/ das sol geschehen.“ (Str. 10) Indem das lyrische Ich seine bittenden Worte an Gott, Jesus und den Heiligen Geist richtet, wird der christliche Trinitätsgedanke aufgegriffen. Schlaf und Traum kommen hier zwar nicht mehr zur Sprache, jedoch spielt die Metaphorisierung des Geistes als „Hort“ auf ein (endgültiges) Ruhen des Ichs in Gott an.
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*Rist, Johann: Perseus [1634]. In: Ders.: Sämtliche Werke. 12 Bde. Hrsg. von Hans-Gert Roloff. Bd. I: Dramatische Dichtungen (Irenaromachia, Perseus). Hrsg. von Eberhard Mannack unter Mitw. von Helga Mannack. Berlin: De Gruyter 1967, S. 117-282.
 
*Rist, Johann: Perseus [1634]. In: Ders.: Sämtliche Werke. 12 Bde. Hrsg. von Hans-Gert Roloff. Bd. I: Dramatische Dichtungen (Irenaromachia, Perseus). Hrsg. von Eberhard Mannack unter Mitw. von Helga Mannack. Berlin: De Gruyter 1967, S. 117-282.
      
'''Abendlieder anderer Dichter:innen'''
 
'''Abendlieder anderer Dichter:innen'''
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